PfadnavigationHomePanoramaBochumPolizei schoss Zwölfjährige nieder – jetzt äußert sich die Mutter des MädchensVeröffentlicht am 18.11.2025Lesedauer: 3 MinutenDie Polizeigesetze der Länder schließen den Schusswaffengebrauch gegen offensichtlich im Kindesalter befindliche Personen aus. In Bochum kam es zur unglücklichen Ausnahme, erklärt der ehemalige LKA-Ermittler Klaus Nachtigall.In Bochum wurde eine Zwölfjährige bei einem Polizeieinsatz lebensgefährlich verletzt. Nun gibt es weitere Details aus den Ermittlungen. In einem Interview berichtet die Mutter derweil über die Geschehnisse der Nacht.Nach dem Schuss eines Polizisten auf eine Zwölfjährige in Bochum gehen die Ermittler davon aus, dass das Mädchen die Beamten zuvor angegriffen hat. Der Schuss aus der Dienstwaffe sei erst gefallen, als sich die Zwölfjährige mit zwei Messern in der Hand unmittelbar vor den Polizisten befunden habe, betonten Polizei und Staatsanwaltschaft. Kurz zuvor seien der Mutter des Mädchens Handschellen angelegt worden.Die Zwölfjährige wurde in der Nacht zum Montag am Bauch getroffen und in einem Bochumer Krankenhaus operiert, wie die Polizei in Essen am Dienstag mitteilte. Ihr Gesundheitszustand sei laut Polizeiangaben „stabil“, aber weiter lebensbedrohlich. Sie werde weiterhin intensivmedizinisch betreut. Lesen Sie auchViele Details zum Ablauf des Einsatzes sind dennoch weiterhin unklar. Die Zwölfjährige lebt eigentlich in einer Wohngruppe in Münster. Doch dort fehlte am Sonntag plötzlich jede Spur von ihr. Die Betreuer schlugen sofort Alarm und schalteten die Polizei ein, denn das Mädchen ist auf lebenswichtige Medikamente angewiesen. In der Nacht zu Montag habe es dann Hinweise gegeben, dass die Zwölfjährige zu ihrer Mutter nach Bochum gefahren sein könnte.Mutter wurde gefesseltIn der Wohnung hätten die Beamten dann das vermisste Mädchen und ihren Bruder sehen können – allerdings habe die Mutter ihnen den Zutritt zur Wohnung versperrt und erst nach einer Stunde gegen 1.30 Uhr in der Nacht die Tür geöffnet. „Um zu dem Mädchen zu gelangen, zogen die Einsatzkräfte die Mutter in den Hausflur und fixierten sie“, schrieben Polizei und Staatsanwaltschaft.„Daraufhin betraten die Einsatzkräfte die Wohnung. In diesem Moment trat die Vermisste aus der Küche und griff mit zwei größeren Küchenmessern in der Hand die Beamten an.“ Zwei Polizisten hätten daraufhin zu ihren Waffen gegriffen - einer zu einem Elektroimpulsgerät (DEIG), einer zu seiner Dienstwaffe. „Als sie sich unmittelbar vor den Polizisten befand, setzten diese die Schusswaffe und das DEIG ein“, schrieben Polizei und Staatsanwaltschaft.Tochter und Mutter sind gehörlosNach Angaben der Mutter, die in einem Interview mit „RTL“ zu Wort kommt, lagen das Sorgerecht und das Aufenthaltsbestimmungsrecht bereits seit längerer Zeit nicht mehr bei ihr. Dennoch hielt sich die Zwölfjährige, die sowohl die deutsche als auch die serbische Staatsangehörigkeit besitzt, in der Nacht zu Montag bei ihr auf. „Sie ist weggelaufen“, erklärt die Mutter gegenüber dem Sender. Zuvor habe es unter anderem Streit in der Schule gegeben. Vermutlich aus Angst, aber auch aus Sorge um ihre Mutter, sei das Mädchen schließlich bei ihr aufgetaucht. Die Zwölfjährige wandte sich an ihre Mutter und sagte: „Ich kann das nicht mehr ertragen“, wie diese „RTL“ schildert.Lesen Sie auchBesonders schwierig könnte der Einsatz auch dadurch gewesen sein, dass nach Angaben der Polizei sowohl die Zwölfjährige als auch die Mutter gehörlos sind. Ob und wie überhaupt eine Kommunikation zwischen den Einsatzkräften und den beiden Gehörlosen möglich war – etwa mithilfe von kurzen Nachrichten auf Zetteln – sei Gegenstand der Ermittlungen, sagte ein Polizeisprecher.dpa/ceb