PfadnavigationHomePolitikAuslandEpstein-Affäre„Ich schäme mich zutiefst“ – Ex-US-Finanzminister zieht sich aus öffentlichem Leben zurückVeröffentlicht am 18.11.2025Lesedauer: 4 MinutenBei Jeffrey Epstein gingen zahlreiche Prominente ein und aus. Der bekannte US-Ökonom Larry Summers zieht Konsequenzen aus der Enthüllung seines Austauschs mit Epstein.Der bekannte US-Ökonom Larry Summers zieht Konsequenzen aus der Enthüllung seines Austauschs mit Jeffrey Epstein. In einer Erklärung zeigte sich der Ex-Finanzminister bestürzt über seine „fehlgeleitete Entscheidung“. Denn die Freundschaft reichte viel tiefer als bislang vermutet.Nach der Veröffentlichung seiner E-Mail-Kommunikation mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat der frühere US-Finanzminister Larry Summers seinen Rückzug aus dem öffentlichen Leben angekündigt. „Ich schäme mich zutiefst für mein Handeln und bin mir bewusst, welchen Schmerz es verursacht hat“, erklärte Summers am Montag (Ortszeit) in US-Medien. „Ich übernehme die volle Verantwortung für meine fehlgeleitete Entscheidung, weiterhin mit Herrn Epstein zu kommunizieren“.Er werde seinen Lehrtätigkeiten weiter nachkommen, erklärte der bekannte US-Ökonom weiter. Aus seinen öffentlichen Verpflichtungen werde er sich jedoch zurückziehen als Teil seiner Bemühungen, „Vertrauen wiederherzustellen und die Beziehungen zu den mir am nächsten stehenden Menschen zu reparieren“.Allerdings mehren sich bereits die Stimmen, die Summers Entfernung von allen Ämtern fordern – und auch verlangen, dass er keine weiteren erhält, wie „The Crimson“ berichtet. Denn der E-Mailaustausch zwischen dem verurteilten Straftäter und dem ehemaligen Harvard-Präsidenten belegen, dass die Freundschaft sehr viel vertrauter gewesen ist, als bislang vermutet. Die beiden hielten über Jahre hinweg Kontakt – noch bis kurz vor Epsteins Tod im Gefängnis im Jahr 2019. Lesen Sie auchKritiker werfen ihm vor, über Jahre moralisch und politisch fragwürdige Verbindungen gepflegt und die Grenzen zwischen akademischem Einfluss, privatem Vorteil und Anstand vollständig verwischt zu haben.Die E-Mails legen auch engere Beziehungen zwischen Epstein und US-Präsident Donald Trump nahe – Trump bestreitet dies. In einer abrupten Kehrtwende sprach sich Trump am Sonntag für die Freigabe der Ermittlungsakten zu Epstein auf. Zuletzt hatte er in der Epstein-Affäre Ermittlungen gegen den früheren Präsidenten Bill Clinton veranlasst und versucht, die Aufmerksamkeit neben Clinton unter anderem auf Summers zu lenken.Wie Summers versucht, eine Frau ins Bett zu bekommenBesonders brisant ist, dass Epstein und Summers versucht haben, in der Öffentlichkeit den Anschein zu wahren, nicht miteinander in Kontakt zu stehen. „Immer diskret bleiben. Wenn du öffentlich mit etwas assoziiert wirst, verschmelzen die Reputationen“, schrieb Summers etwa an Epstein.Gleichzeitig spendete Epstein 110.000 Dollar an ein Poesie-Projekt von Summers’ Ehefrau, Professorin Elisa New, und plante eine weitere halbe Million. Zudem suchte Summers bei Epstein Rat in privaten Angelegenheiten und schilderte ihm intime Details einer außerehelichen Affäre.Lesen Sie auchIn einer E-Mail schildert Summers Epstein, wie er versucht, eine Frau ins Bett zu bekommen. Einmal, so Summers, habe die Frau ihn mit den Worten „Ich bin beschäftigt“ abgewiesen. Er habe ihr geantwortet: „Ganz schön kokett bist du.“ Dann schrieb er an Epstein weiter: „Hast du wirklich das Wochenende umgestellt, an dem wir zusammen sein wollten, weil Typ Nummer 3 kommt?“„Ich wollte nicht in einem Geschenke-Wettbewerb sein, während ich der Freund ohne Vorteile bin“, schrieb Summers weiter. „Sie muss sehr verwirrt sein – oder sie will mich loswerden, braucht aber die berufliche Verbindung und hält deshalb daran fest.“ Epstein unterstützte Summers’ Reaktion und meinte, die Frau lasse ihn „für vergangene Fehler bezahlen“, aber „kein Gejammer zeigte Stärke“. Auch zu Summers’ Assistentin Kelly Friendly hielt Epstein Kontakt. Diese nahm Hilfe auf den von ihm kontrollierten Karibikinseln in Anspruch, Epstein organisierte Fahrzeuge und Flüge für ihre Familie – und einen Flug für die elfjährige Tochter.Summers hält prestigeträchtige Professuren Summers war früher unter dem demokratischen Präsidenten Clinton Finanzminister und später Berater des ebenfalls demokratischen Präsidenten Barack Obama. Zu Beginn der 2000er war er Präsident der Elite-Universität Harvard. Zuletzt hatte der Ex-Minister neben einer Harvard-Professur auch etliche andere Posten inne, unter anderem im Vorstand von ChatGPT-Betreiber OpenAI und als Kolumnist für Bloomberg News.Der verurteilte Sexualstraftäter Epstein war 2019 tot in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden worden, während er auf einen weiteren Prozess wartete. Laut Behörden beging er Suizid. Im Repräsentantenhaus wollen die Abgeordneten nach Medienberichten heute über die Veröffentlichung von Ermittlungsakten zum Fall Epstein abstimmen. Ob die Unterlagen tatsächlich offengelegt werden, ist allerdings unklar: Sollte das Repräsentantenhaus mehrheitlich dafür votieren, müsste noch die andere Parlamentskammer im Kongress – der Senat – und danach Präsident Trump zustimmen.AFP/dpa/dp/kami