PfadnavigationHomePanoramaMehr als 900 NotrufeAnschlagsdrohungen an Berliner Schulen – Eine Spur führt nach MoskauVeröffentlicht am 17.11.2025Lesedauer: 4 MinutenEine über mehrere Messenger-Dienste verbreitete angebliche Anschlagsankündigung gegen rund 20 Berliner Schulen ist nach Einschätzung der Polizei nicht ernst zu nehmen. Dennoch sind viele Eltern und Schüler besorgt. WELT-Reporter Max Hermes berichtet.Über Messenger-Dienste wird eine Anschlagsdrohung gegen Berliner Schulen verbreitet. Bei der Polizei steht das Telefon nicht still. Die Polizei gibt Entwarnung, schickt aber dennoch alle verfügbaren Einheiten auf die Straße.Eine über mehrere Messenger-Dienste verbreitete Anschlagsankündigung gegen mehr als 30 Berliner Schulen hat in der Hauptstadt am Montag für Unruhe gesorgt. Bei der Polizei sind über den Notruf mehr als 900 Anrufe eingegangen, wie ein Sprecher am Montag sagte.Nach Einschätzung der Polizei handelt es sich bei der Ankündigung um „Falschinformationen, die gezielt Ängste schüren sollen“. Die Polizei warnte auf der Plattform X vor Desinformation und Fake News. „Hinweise auf Gefährdungen oder konkrete Bedrohungen liegen uns nicht vor“, so die Behörde.Die Polizei wies darauf hin, dass der Schulbetrieb regulär stattfindet. Polizisten werden an den Schulen präsent sein, um gegebenenfalls schnell auf Vorfälle reagieren zu können, wie es hieß. Präventionskräfte, die es in den Bereichen gebe, würden an verschiedene Schulen geschickt, um etwa Schulleitungen Kommunikationsangebote zu machen. „Wir werden unsere Ressourcen, unsere Expertise und unser Können dafür einsetzen, die Verantwortlichen zu ermitteln, damit sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden können“, heißt es in einer Mitteilung der Polizei.Es gibt zahlreiche Reaktionen im Netz auf den Hinweis der Polizei. Die Elternchats „laufen gerade Sturm“, heißt es dort zum Beispiel. Von einem Vater heißt es: „Mein Sohn hat mir das Video mit der Drohung gezeigt; er hat Angst, und seine Klassenkameraden auch. Sie werden morgen nicht zur Schule gehen. Ich habe auch Angst. Bitte unternehmen Sie etwas.“Mehrere Schulen namentlich genanntDie Nachricht mit der Androhung wurde in mehreren Schulgruppen weitergeleitet, etliche Einrichtungen werden darin namentlich genannt.Lesen Sie auchIn dem Video, das WELT vorliegt, hört man einen Mann, der seine Zuschauer mit einer vermeintlich akuten Terrorwarnung für Berliner Schulen anspricht. Er behauptet, eine russischsprachige Frau habe in seiner Telegram-Gruppe eine Nachricht eines angeblichen Terroristen geteilt, der Anschläge auf Berliner Schulen plane. Der Sprecher zitiert daraus Passagen, in denen Drohungen gegen deutsche Kinder ausgesprochen und der 17. November 2025 als Datum genannt werden. Er verweist auf einen Telegram-Kanal, in dem Fotos von angeblichen Waffen und mehrere Berliner Schulnamen zu sehen seien, und erklärt, er habe die Polizei bereits informiert. Am Ende ruft er Eltern auf, die Warnung zu verbreiten. Hinweise auf die Echtheit der Quelle oder eine konkrete Bedrohung liefert das Video nicht.Die beiden Telegram-Kanäle – sowohl der der Frau, angeblich Natalja I., als auch jener der angeblichen Terrorgruppe, die sich Deutsches Khalifat genannt hat – sind gelöscht. Nach WELT-Recherchen lässt sich die angebliche Terrorgruppe auch auf russischsprachigen Social-Media-Plattformen wie VKontakte oder Odnoklassniki nicht auffinden. Ein Nutzer, der den Kanal zunächst öffentlich gemacht hatte, bestätigte auf Anfrage, mit der Betreiberin in Kontakt gestanden zu haben und übermittelte zusätzliche Informationen.Einer davon ist ein Screenshot, auf dem die Frau den Post der Terrorgruppe teilt, in dem eine selbstgebaute Bombe zu sehen ist. Dort steht (auf Russisch): „Während eine Gruppe von Komplizen durch die Straßen geht, stellt die zweite aktiv Sprengstoff her. Unsere Geschenke werden eure Schulen in Ruinen verwandeln.“Lesen Sie auchAußerdem erklärte Natalja I., sie sei über den Post der Terrorgruppe durch eine Nachricht eines ihr unbekannten Accounts informiert worden. In dieser Nachricht habe gestanden: „Bald wird es eine Erschießung von Kindern in einem neuen Kanal geben“ – dazu sei ein Link zu dem Kanal geschickt worden. Beide Screenshots – der an Natalja I. gesendete des Nutzers namens Aversion sowie der Austausch zwischen ihr und „Berlin TV“, dem Nutzer, der als Erster über diese Posts berichtet hat – liegen WELT vor. In ihrer Antwort an „Berlin TV“ schreibt Natalja I.: „Ich habe ihn blockiert und den Chat gelöscht.“WELT ist es gelungen, das Profilbild des Telegram-Accounts, der sich Natalja I. nannte, zu erhalten. Nach Recherchen dieser Redaktion gibt es eine Person dieses Namens tatsächlich: Sie leitet eine Universität in Moskau. WELT hat eine Anfrage an sie gestellt, ob sie bestätigen könne, dass sie die Drohungen gemeldet hat oder ob jemand unter ihrem Namen agiert hat. Eine Antwort hat WELT bislang nicht erhalten.Nach WELT-Informationen hat die Berliner Polizei bereits in der Nacht die sogenannte „Phase 2“ ausgerufen. Sie gilt seit vier Uhr und bedeutet, dass alle verfügbaren Einsatzkräfte in Berlin auf der Straße sind, darunter auch etliche Zivilkräfte, die für Dritte nicht als Polizeikräfte erkennbar sind. Eltern berichteten WELT, dass an mehreren Schulen Schulleiter persönlich am Tor standen und Polizisten in der Nähe positioniert waren.Die Polizei hatte bereits angekündigt, aufgrund der Wirkung ihre Präsenz zu verstärken. Details seien in Planung, hieß es. Die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben wegen Störung des öffentlichen Friedens durch eine Androhung von Straftaten. Geprüft werde nun, wer hinter der Verbreitung der Nachricht steckt.Wir sind das WELT-Investigativteam: Sie haben Hinweise für uns? Dann melden Sie sich gerne, auch vertraulich – per E-Mail oder über den verschlüsselten Messenger Threema (8SNK792J).
Berlin: Polizei ruft nach Anschlagsdrohungen gegen 20 Schulen „Phase 2“ aus - WELT
Über Messenger-Dienste wird eine Anschlagsdrohung gegen Berliner Schulen verbreitet. Bei der Polizei steht das Telefon nicht still. Die Polizei gibt Entwarnung, schickt aber dennoch alle verfügbaren Einheiten auf die Straße.






