PfadnavigationHomeRegionalesHamburgNeue HandreichungHandys raus aus Grundschulen – klare Smartphone-Regeln für alle älteren SchülerVeröffentlicht am 13.11.2025Lesedauer: 3 MinutenHamburg und Niedersachsen regeln die Handy-Nutzung in Schulen strengerQuelle: Sina Schuldt/dpaSmartphones sollen in Grundschulen tabu sein – das fordern Hamburg und Niedersachsen in einer neuen Handreichung. Weiterführende Schulen müssen die private Nutzung begrenzen und gemeinsam mit Eltern und Schülern verbindliche Regeln entwickeln.Die Debatte um Handys in der Schule ist fast so alt wie das Smartphone selbst – jetzt versuchen Hamburg und Niedersachsen klare Regeln für die private Handynutzung einzuführen. Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) und Bildungsministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) haben am Donnerstag in Hannover gemeinsam eine Handreichung vorgestellt, die Schulen verpflichtet, konkrete Regeln für die Nutzung von Smartphones und Smartwatches festzulegen.Die Erwartung formulierten die Ministerinnen klar: In Grundschulen soll es von den Schülern gar keine private Handy-Nutzung geben, auch Smartwatches sollen bis auf die Uhr-Funktionen gesperrt werden. Weiterführende Schulen sollen differenzierte Modelle einführen – etwa smartphonefreie Zeiten oder Zonen.Lesen Sie auch„Ein Handy hat in der Grundschule einfach nichts verloren“, sagte die Kinder- und Jugendärztin Tanja Brunnert, die an der Entwicklung der Handreichung beteiligt war. Sie warnt vor Entwicklungsstörungen, Konzentrationsproblemen und Schlafstörungen durch übermäßige Mediennutzung. „Jedes vierte Kind zeigt ein riskantes Nutzungsverhalten, viele sind medienkrank – und Therapieplätze gibt es kaum.“Laut der neuen Handreichung der beiden Ministerien müssen Schulen in beiden Bundesländern bis spätestens Herbst 2026 eigene, verbindliche Regelungen beschließen und in ihrer Schul- oder Hausordnung verankern. In Hamburg wurden alle staatlichen Schulen bereits per Schulbrief informiert. Auch Eltern und Schüler sollen mitreden. In Grundschulen können Kinderkonferenzen einbezogen werden.Verbote brächten keine Haltungsänderung„Wenn Kinder in der Grundschule digitale Geräte nutzen, dann nur unter Anleitung – nicht privat“, sagte Hamburgs Bildungssenatorin Bekeris. Pauschale Verbote lehnt sie dennoch ab. „Verbote allein bringen keine Haltungsänderung. Wir wollen, dass Schulen gemeinsam mit Lehrkräften, Eltern und Schülern Regeln entwickeln, die zum jeweiligen Schulalltag passen.“Die Handreichung liefert dafür rechtliche Hinweise, entwicklungspsychologische Einschätzungen und einen „Werkzeugkasten“ mit Vorlagen für Schulordnungen, Projektideen und Materialien zur Medienbildung. Entstanden ist der Leitfaden in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus Medizin, Medienpädagogik und Bildungsforschung – darunter Kinderärztinnen, Bildungsforscherinnen und die Niedersächsische Landesmedienanstalt. Auch Schüler- und Elternvertretungen waren beteiligt.Lesen Sie auchMarie Sievers vom Landesschülerrat Niedersachsen war in das Verfahren eingebunden. Die 17-Jährige gab Bildungssenatorin Bekeris recht: „Verbote kann man umgehen. Was wir brauchen, ist Medienkompetenz.“ Sie forderte zudem, dass die Regeln nicht nur für Schülerinnen und Schüler gelten. „Wir wünschen uns, dass die Regeln von allen getragen werden – auch von den Lehrkräften.“Auch Elternvertreterin Miriam Kaschel begrüßte die neue Handreichung. „Die Bandbreite in der Elternschaft ist riesig – von 'bloß kein Smartphone' bis 'möglichst früh mitgeben'.“ Ein Erlass von oben aus den Ministerien, wie etwa ein striktes Verbot, werde keiner der beiden Seiten gerecht. „Die Handreichung schafft Gesprächsgrundlagen“, so Kaschel.Niedersachsens Kultusministerin Hamburg betonte, dass die Handreichung nicht so unverbindlich sei, wie es der Name vermuten ließe. „Wir geben keine netten Empfehlungen, sondern klare Vorgaben. Das ist kein Wegducken, sondern gelebte Verantwortung.“ Schulen, die bereits Regelungen haben, sollen diese überprüfen und gegebenenfalls nachschärfen. In Hamburg haben laut Bekeris bereits 85 Prozent der Schulen eigene Konzepte entwickelt.