Köln. Steigende Zinsen bringen die Lebensversicherer in Deutschland in eine schwierige Lage: Viele der festverzinslichen Wertpapiere in ihren Depots sind heute weniger wert als beim Kauf. Die Folge sind sogenannte stille Lasten – Buchverluste, die entstehen, wenn der Marktwert einer Anleihe unter den Anschaffungskosten liegt. Um Verluste zu vermeiden, halten die Versicherer solche Papiere meist bis zum Laufzeitende. Umgekehrt spricht man von stillen Reserven, wenn der aktuelle Wert über dem Kaufpreis liegt. Sie stärken die Bilanz und federn Marktschwankungen ab.Sinken die stillen Reserven jedoch unter den Kaufpreis, belastet das die Kapitalbasis. Für Kundinnen und Kunden hat das direkte Folgen: Läuft eine Lebensversicherung aus, gibt es zwar den garantierten Zins. Doch der Bonus aus den Bewertungsreserven entfällt, wenn diese im Minus stehen.„Die Folgen der langjährigen Niedrigzinsphase sind bei zahlreichen Versicherern weiterhin spürbar“, sagt Sebastian Ewy vom Deutschen Finanz-Service Institut (DFSI). „Das wirkt sich auch heute noch auf ihre Ertragskraft und Risikosituation aus.“ Das DFSI bewertet regelmäßig die Finanzstärke von Lebensversicherern. Das Ergebnis: Nur zwei der 30 größten Lebensversicherer – die Hannoversche und die WWK – weisen aktuell positive stille Reserven auf. Beide gehören zu den Testsiegern im jüngsten DFSI-Rating.Die Analyse des DFSI zeigt deutliche Belastungen: Bei vielen Lebensversicherern summieren sich die stillen Lasten auf Werte zwischen minus zehn und minus 25 Prozent. Besonders stark betroffen sind die Heidelberger Lebensversicherung mit minus 19,5 Prozent, die Gothaer mit minus 16,4 Prozent und die Generali Deutschland mit minus 14,7 Prozent.Rating GKV-Vergleich: Diese gesetzlichen Krankenkassen haben das beste Leistungsangebot „Selbst wenn neue Anleihen inzwischen wieder attraktive Zinsen bieten, dauert es, bis das in den Büchern ankommt – die Altbestände dominieren weiterhin das Portfolio“, sagt Ewy. Problematisch wird es, wenn Versicherer stille Lasten realisieren müssen, etwa um Liquidität zu beschaffen oder regulatorische Vorgaben einzuhalten. „Werden stille Lasten realisiert, mindert das direkt die Eigenmittel und damit die finanzielle Stabilität eines Versicherers“, so Ewy.Wie schon im Vorjahr belegt die WWK Lebensversicherung auch 2025 den ersten Platz im DFSI-Rating. Substanzkraft und Produktqualität gehen zu jeweils 40 Prozent in das Rating ein, der Service zu 20 Prozent. Die WWK überzeugt in allen drei Kategorien. Mit 315 Millionen Euro Eigenkapital verfügt der Versicherer über solide Reserven. „Das ermöglicht Spielräume etwa bei Investitionen in Aktien oder Grundbesitz“, sagt Jürgen Schrameier, Vorstandschef der WWK Lebensversicherung.