PfadnavigationHomeICONISTTrendsKarnevalssaison beginntDie schönste Verkleidung ist manchmal ganz echtVeröffentlicht am 01.11.2025Lesedauer: 3 MinutenNur Grace Jones ist eine bessere Grace Jones gewesen als Model Alton MasonQuelle: Screenshot WELT/Instagram @altonmason/Foto @raphsohierHalloween ist zwar vorbei, doch die Verkleidungssaison hat gerade erst begonnen. Und obwohl unser Autor sonst wenig für Kostüme übrig hat, zeigt sich zwischen Medusa-Moment und Grace-Jones-Hommage: Richtig inszeniert, kann Verwandlung durchaus eine Bereicherung sein.Der Junge mit dem bodenlangen, schwarzen Umhang war so empört, dass er blitzschnell die Draculazähne aus dem Mund nahm. „Sie hat aber mehr bekommen. Das ist ungerecht“, beklagte er sich mit Blick auf seine Hexenschwester und hielt uns seinen Beute-Eimer unter die Nase, um ein weiteres Mini-Twix zu ergattern. Ich saß vor dem Buchladen meiner Freundin J., die vorsorglich einen großen Vorrat an Süßigkeiten besorgt hatte.Denn wer als Ladenbesitzer zu Halloween mit leeren Händen dasteht, der blickt den ganzen Spätnachmittag und Frühabend in fassungslose Kinderaugen – die freilich anlassgemäß von aufgeschminkten Narben und Wunden, Sensen aus Alufolie und anderen supergruseligen Outfits flankiert werden. Lesen Sie auchEs war eine wunderbare Sozialstudie: Manche Kinder flüsterten so schüchtern „Süßes oder Saures“, dass sie von ihrer Mutter angefeuert werden mussten, ein als Wednesday verkleidetes Mädchen fixierte uns mit ernstem Blick und klaute dabei Sticker, die auf dem Tresen lagen – und zuweilen sahen Eltern in ihrer Alltagskleidung furchterregender aus als ihre verkleideten Kinder. Vermutlich um Bonbonpapierberge zu vermeiden, hatte die Bezirksregierung ihre Haltet-den-Kiez-sauber-Kampagne plakatieren lassen. „Wo mein To-Go-Becher mehr Wege als nur Einweg kennt“ legten findige Agenturleute einer ausführlich tätowierten Dame in den Mund. Sehr authentisch klingt das nicht, aber whatever, wie der Kreuzberger sagt. Die Kampagne läuft schon eine Weile, und offenbar hat sie auch Heidi Klum zu denken gegeben. Seit Jahrzehnten sind Tickets für ihre New Yorker Halloween-Party so begehrt wie früher der bevorzugte Einlass an der Tür des Studio 54. Ganz wichtig bei „Heidi’s Halloween“: Die Gäste müssen sich Mühe geben. So ist es ein jährlicher Exzess an Kunstnasen, Theater-Make-up und verstümmelte Körper aus Qualplastik. Dieses Jahr setzte die Entertainerin einen anderen Akzent. Sie verkleidete sich als die griechische Horrorfigur Medusa, und trotz der ferngesteuert sich ringelnden Schlangen auf ihrem Kopf sah ihr Outfit dem berühmten Wurmkostüm von 2022 verdächtig ähnlich. Das kann bei einer Perfektionistin wie Klum kein Zufall sein. Warum ein Wurmkostüm nur einmal anziehen, muss sie gedacht haben, wenn man es doch umfärben und neu interpretieren kann – das ist mindestens so nachhaltig wie eine Sportwagensammlung.Die gelungenste Transformation dagegen postete dieser Tage das Männermodell Alton Mason auf Instagram. Mit der Fotografin Raphaele Sohier stellte er berühmte Fotos von Grace Jones nach, unter anderem das Cover ihres Greatest-Hits-Albums „Island Life“. Die roten Stulpen, die glänzende Haut, der unverschämte und vermutlich unrealistische Oberkörper, die kinderleichte, dabei fast unmögliche Pose – nur Grace Jones ist eine bessere Grace Jones gewesen. Anders als die Verwandlungskünstlerin Alexis Stone, die regelmäßig täuschend echt als Prominente verkleidet bei Modenschauen auftaucht (zuletzt bei Boss als Mona Lisa), bleibt Mason als er selbst erkennbar und morpht doch zu einer anderen. So liebevoll genutzt ist die jetzt beginnende Verkleidungssaison vielleicht doch eine Bereicherung.
Karnevalssaison: Eine andere werden – die Kunst des Verkleidens und Verwandelns - WELT
Halloween ist zwar vorbei, doch die Verkleidungssaison hat gerade erst begonnen. Und obwohl unser Autor sonst wenig für Kostüme übrig hat, zeigt sich zwischen Medusa-Moment und Grace-Jones-Hommage: Richtig inszeniert, kann Verwandlung durchaus eine Bereicherung sein.









