PfadnavigationHomePolitikDeutschlandAustritt nach 50 JahrenAlt-OB Schramma verlässt CDU – scharfe Kritik an Kölner Parteiführung und fehlender AufarbeitungVeröffentlicht am 29.10.2025Lesedauer: 4 MinutenFritz SchrammaQuelle: picture alliance/Panama Pictures/Christoph HardtNach fast 50 Jahren verlässt Kölns früherer Oberbürgermeister Fritz Schramma die CDU. In einem Interview erhebt er schwere Vorwürfe gegen die Parteiführung. Auch seine Frau und Tochter treten aus. Die Kölner CDU reagiert mit Bedauern auf den Austritt.Der frühere Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma hat nach fast 50 Jahren seine Mitgliedschaft in der CDU beendet. „Wenn eine Mannschaft immer wieder verliert, dann muss der Trainer gehen“, sagte er. Auch seine Frau und seine Tochter traten aus der Partei aus. In einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ erklärte Schramma, sein Entschluss habe er „lange überlegt“. Auf „verlogene Elogen“ zu seinem 50. Parteijubiläum könne er verzichten – „schon gar nicht von den Personen, die gerade den Ton angeben“.Schramma begründet seinen Austritt mit scharfer Kritik an der Kölner Parteiführung um Fraktionschef Bernd Petelkau und Geschäftsführer Niklas Kienitz. Nach wiederholten Wahlniederlagen fehle es an Selbstkritik. „Sich selbst zu fragen, woran es liegt, dass wir von Wahl zu Wahl schlechter werden, dass wir wieder einen Misserfolg erzielt haben und unsere Ziele nicht erreicht haben. Nein, das wird völlig übergangen, direkt totgeschwiegen“, sagte Schramma. Stattdessen würden Posten in „Nacht-und-Nebel-Aktionen“ gesichert.Auch den Umgang mit dem früheren Bürgermeister Ralph Elster kritisierte der Alt-OB als „unmöglich“. Insgesamt beklagt er eine fehlende Diskussionskultur in der Partei. „Ich habe die Nase voll von diesem ganzen Getue“, sagte Schramma.Lesen Sie auchDie Unzufriedenheit in der Basis sei groß, meint der ehemalige Oberbürgermeister. „Die Parteibasis ist mehrheitlich sehr unzufrieden“, erklärte er. Offener Protest bleibe aber aus. Schramma vermutet dahinter parteiinterne Abhängigkeiten: „Weil natürlich bestimmten Leuten von Herrn Petelkau bestimmte Dinge in Aussicht gestellt werden. Und deswegen sind sie ruhig, jedenfalls in der Spitze.“Schramma zieht ein vernichtendes Fazit: „Der Fisch stinkt vom Kopf her.“ Wenn sich an der Spitze nichts ändere, „dann bleibt das so, und dann wird unsere Partei wirklich den Bach runtergehen“. Das habe die CDU nicht verdient, so Schramma, „weil da auch gute Leute drin sind“.Kritik übt er auch an der Kölner CDU-Vorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Serap Güler. Ihre Rolle in Berlin lasse es nicht zu, die Partei in Köln angemessen zu führen. Das sei auch „eine Frage der Wertschätzung gegenüber den Mitgliedern“.„Seine mahnenden Worte nahmen und nehmen wir ernst“Güler bedauerte Schrammas Austritt. „Er stimmt uns nachdenklich“, sagte sie. Schramma habe große Verdienste um Stadt und Partei. „Noch Anfang des Jahres haben wir gut und vertrauensvoll mit ihm zusammengearbeitet, um einen Oberbürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl auszuwählen und den Mitgliedern vorzuschlagen. Einstimmig hat die Kommission unter seiner Beteiligung Markus Greitemann als OB-Kandidat nominiert.“Schramma habe nie das kritische Wort gescheut und bleibe sich damit treu. „Seine mahnenden Worte nahmen und nehmen wir ernst. Wir hätten uns gefreut, diese kritische Stimme weiterhin in unseren Reihen zu wissen.“ Güler betonte, die CDU Köln habe bereits zu Jahresbeginn den Weg zur inhaltlichen und personellen Weiterentwicklung begonnen. In zwei Wochen solle bei einer Klausurtagung des Kreisvorstands das Wahlergebnis aufgearbeitet werden. Entscheidungen seien der Tagung vorbehalten.Petelkau sagte, er bedaure Schrammas Austritt, könne dessen Begründung aber nicht nachvollziehen. Fraktionsgeschäftsführer Niklas Kienitz bezeichnete den Schritt als „schade“, wegen Schrammas Verdiensten „für Köln und auch für die Kölner CDU“. Auf Schrammas Kritik, der Fraktionsvorstand habe sich unmittelbar nach der Kommunalwahl bestätigt, sagte Petelkau: „Eine direkte Wahl des Vorstands ist immer erforderlich, um handlungsfähig zu bleiben.“ Kienitz erklärte, es sei nicht unüblich, dass sich die Fraktion in den Tagen nach der Wahl konstituiere. Der Termin sei im Voraus bekannt gewesen. Auch die Fraktion werde an diesem Wochenende über das Wahlergebnis sprechen.Lesen Sie auchVerständnis zeigte der ehemalige Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach. „Auch ich hatte damit gerechnet, dass nach der Kommunalwahl und dem suboptimalen Ergebnis der CDU mal nüchtern Inventur gemacht wird. Sachpolitisch und auch personell. Aber es soll wohl alles so weitergehen wie bisher“, sagte Bosbach.Bei der Kommunalwahl am 14. September hatte CDU-Oberbürgermeisterkandidat Markus Greitemann 19,47 Prozent der Stimmen erzielt und damit den Einzug in die Stichwahl verpasst. Die CDU kam bei der Ratswahl auf 19,89 Prozent und erhielt 18 der 90 Sitze. Sie lag damit knapp vor der SPD und deutlich hinter den Grünen. Bereits 2020 lag das Ergebnis mit 21,49 Prozent etwas höher, 2014 hatte die CDU noch 27,23 Prozent erreicht, 2009 waren es 27,87 Prozent.ceb
Austritt nach 50 Jahren: Alt-OB Schramma verlässt CDU – scharfe Kritik an Kölner Parteiführung und fehlender Aufarbeitung - WELT
Nach fast 50 Jahren verlässt Kölns früherer Oberbürgermeister Fritz Schramma die CDU. In einem Interview erhebt er schwere Vorwürfe gegen die Parteiführung. Auch seine Frau und Tochter treten aus. Die Kölner CDU reagiert mit Bedauern auf den Austritt.






