PfadnavigationHomePanoramaRio de Janeiro„Riesige Tragödie“ – Zahl der Toten bei extrem gewalttätiger Drogen-Razzia steigt auf 132Veröffentlicht am 29.10.2025Lesedauer: 3 MinutenBrasiliens Metropole Rio de Janeiro hat den blutigsten Polizeieinsatz seiner Geschichte erlebt. Bei stundenlangen Feuergefechten mit der Polizei sind laut Behörden dutzende Drogendealer getötet worden. Auch mehrere Beamte starben.Es war die größte und gewalttätigste Razzia gegen die organisierten Drogenkartelle von Rio de Janeiro. Human Rights Watch spricht von einer Tragödie.Nach dem blutigen Polizeieinsatz der brasilianischen Polizei gegen Drogenhändler in Rio de Janeiro steigt die Zahl der Toten weiter. „Nach unseren jüngsten Zahlen sind es 132 Tote“, teilte die Behörde, die bedürftigen Menschen rechtlichen Beistand leistet, der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch mit. Eine Bestätigung der Zahl durch eine weitere Quelle lag zunächst nicht vor. Der Gouverneur des Bundesstaates Rio, Cláudio Castro, hatte zuvor mitgeteilt, bei dem Polizeieinsatz gegen Drogenhändler seien am Dienstag rund 60 Menschen getötet worden, die Zahl könne aber steigen, da die Toten erst in der Leichenhalle gezählt würden. Auf einem Platz in der Favela Penha reihten trauernde Angehörige am Mittwochmorgen (Ortszeit) mindestens 50 Leichen auf einer Straße nebeneinander auf. Rund 2500 brasilianische Polizisten und Soldaten hatten am Dienstag die blutige Razzia gestartet. Claudio Castro, Gouverneur des Bundesstaates, sagte: „Wir stellen uns entschlossen dem Narko-Terrorismus entgegen.“ Die Aktion gilt als einer der gewalttätigsten Polizeieinsätze in der brasilianischen Geschichte. Mindestens eine Menschenrechtsorganisation forderte eine Untersuchung der Todesfälle.Die Aktion, bei der mehrere Hubschrauber und 32 gepanzerte Fahrzeuge zum Einsatz kamen, richtete sich gegen die berüchtigte Bande Comando Vermelho (Rotes Kommando) in den weitläufigen Armenvierteln Complexo do Alemão und Penha, wie die Polizei mitteilte. Gouverneur Castro erklärte in einem Video auf X, 64 kriminelle Verdächtige seien „neutralisiert“ und 81 festgenommen worden. Zudem seien 75 Gewehre sowie eine große Menge Drogen beschlagnahmt worden. Er bezeichnete den Einsatz als die größte Polizeiaktion in der Geschichte der Stadt.Unter den Leichen, die ins Getulio-Vargas-Krankenhaus in Penha gebrachten wurden, gab es auch tote Beamte. Die Polizei bestätigte die Todesfälle zunächst nicht. Eine unbekannte Zahl weiterer Menschen wurde verletzt.Lesen Sie auchCésar Muñoz, Direktor von Human Rights Watch Brasilien, nannte die Ereignisse vom Dienstag eine „riesige Tragödie“ und ein „Desaster“. Muñoz forderte: „Die Staatsanwaltschaft muss eigene Ermittlungen aufnehmen und die Umstände jedes Todesfalls aufklären.“Lesen Sie auchIn den sozialen Medien kursieren Videos, die Feuer und Rauch zeigen, die aus den beiden Favelas aufsteigen, während Schüsse zu hören sind. Die Bildungsbehörde der Stadt teilte mit, dass 46 Schulen in den beiden Stadtvierteln geschlossen wurden. Die nahegelegene Bundesuniversität von Rio de Janeiro sagte Abendkurse ab und riet Personen auf dem Campus, Schutz zu suchen.Laut lokalen Medien blockierten mutmaßliche Gangmitglieder als Reaktion auf die Razzia Straßen im Norden und Südosten Rios. Mindestens 70 Busse wurden beschlagnahmt und für die Blockaden verwendet, was laut dem Verkehrsverband Rio Ônibus „erheblichen Schaden“ verursachte.Das Comando Vermelho entstand ursprünglich in Rios Gefängnissen. Es hat seine Kontrolle über Favelas in den letzten Jahren ausgedehnt. Rio de Janeiro ist seit Jahrzehnten Schauplatz tödlicher Polizeieinsätze. Im März 2005 wurden in der Region Baixada Fluminense rund 29 Menschen getötet, im Mai 2021 starben 28 Menschen in der Favela Jacarezinho.Obwohl die Aktion am Dienstag früheren Einsätzen ähnelte, war ihr Ausmaß beispiellos, sagte Luís Flávio Sapori, Soziologe und Experte für öffentliche Sicherheit an der Päpstlichen Katholischen Universität von Minas Gerais. „Was diesen Einsatz unterscheidet, ist die Zahl der Opfer. Das sind Kriegszahlen“, sagte er.Solche Einsätze seien ineffektiv, weil sie selten die Drahtzieher treffen, sondern meist nur austauschbare Untergebene. „Es reicht nicht, auszurücken, Schüsse auszutauschen und wieder abzuziehen. Es fehlt an Strategie in der öffentlichen Sicherheitspolitik von Rio de Janeiro“, sagte Sapori. AP/fro/saha
Rio de Janeiro: „Riesige Tragödie“ – Zahl der Toten bei extrem gewalttätiger Drogen-Razzia steigt auf 132 - WELT
Es war die größte und gewalttätigste Razzia gegen die organisierten Drogenkartelle von Rio de Janeiro. Human Rights Watch spricht von einer Tragödie.














