PfadnavigationHomeICONISTFitness & WellnessDanny MartinEr sägt Baumstämme so schnell, wie der Metzger Wurst schneidetVon Frank LorentzVeröffentlicht am 30.10.2025Lesedauer: 5 MinutenDanny Martin, sechsfacher deutscher Meister im HolzfällenQuelle: Sebastian Marko/Limex Images/Sebastan MarkoDanny Martin ist Deutschlands erfolgreichster Sportholzfäller. In seiner Trainingshalle lagern 30 Äxte und drei getunte Sägen, so laut wie ein startender Jet. Jetzt tritt er in Mailand für Deutschland an – und will erstmals einen WM-Titel nach Europa holen.Zum Trainieren braucht Danny Martin Holz, viel Holz. Darum kauft er gerade ein Waldstück, 7000 Quadratmeter, die Sache liegt beim Notar. Die Grundfläche der Halle, in der er trainiert, ist größer als die seines benachbarten Einfamilienhauses am Rand der hessischen Ortschaft Sinntal-Sterbfritz. In der Halle lagern die Geräte, die er braucht, um seinen Sport auszuüben: darunter drei Motorsägen, Typ „Hot Saw“, übersetzt: heiße Säge. 30 Kilo schwer, getunt und 80 PS stark. Anschaffungspreis: 15.000 Euro. Die Monstersägen brauchen Rennsprit, wären hinüber, liefen sie eine Minute unter Vollgas, und machen beim Anlassen so viel Krach wie ein startender Jet – 126 Dezibel. Das ist ein wesentlicher Grund, warum Martin am Rand der Ortschaft lebt. Außerdem in der Halle zu finden: 30 Äxte zum Stückpreis von 600 Euro. Highend-Spezialgerätschaften, im Baumarkt um die Ecke nicht erhältlich. Danny Martin ist 37 Jahre alt, 187 Zentimeter groß und 117 Kilo schwer. Er ist zum zweiten Mal verheiratet und hat vier Kinder. Der gelernte Maurer arbeitet als Oberbrandmeister bei der Feuerwehr. Und er ist Sportholzfäller. Der beste, den es in Deutschland gibt. Sechsmal wurde er deutscher Meister, zudem ist er amtierender Champion im deutschsprachigen Raum. Wenn am kommenden Wochenende in Mailand die Weltmeisterschaft der Sportholzfäller über die Bühne geht, dann ist er derjenige, der Deutschland im Einzelwettbewerb vertritt. „Ich war schon immer jemand, der sich für Dinge interessiert, die nicht jeden interessieren“, sagt er. Auch in der Mannschaftskonkurrenz wird er am Start sein.Der Sport entstand im 19. JahrhundertExtremsportarten gibt es viele. Big-Wave-Surfen. Höhlentauchen. Downhill-Skateboarding, sprich Skateboarden mit 130 Sachen. Sportholzfällen ist die buchstäblich schärfste Disziplin von allen. Die Geschichte dieses Sports reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Damals begannen die Holzfäller in Australien und Neuseeland, sich bei Wettbewerben zu messen. Was Männer halt so tun, wenn sie unter sich sind.Bald darauf schwappte das Spektakel in die USA und nach Kanada. Weltmeisterschaften gibt es seit 2005, organisiert werden sie vom Stuttgarter Unternehmen Stihl, nach eigenen Angaben Motorsägen-Weltmarktführer. Die Meister aus den vier Ursprungs-Nationen sind bei einer WM traditionell gesetzt und favorisiert. Hinzu kommen die besten acht Europäer. In Mailand sind dies – neben Danny Martin – die Landesmeister aus Italien, Tschechien, Belgien, Schweden, Polen, Frankreich und den Niederlanden. Noch nie holte ein Europäer den Titel. Europa ist der Underdog, das der Übermacht aus Übersee, die regelmäßig die Titel abräumt und aus anderem Holz geschnitzt zu sein scheint, Paroli bieten will.Wer den Stamm zuerst durchbricht, gewinntSicher, es gibt auch Frauen, die Holzfällen als Sport betreiben. Dennoch handelt es sich um eine männerdominierte Szene. Kraft und Werkzeug – eine klassisch männliche Kombination, in diesem Fall noch dazu umweht von einem Hauch von Wildwest. Das Holz. Die archaischen Äxte! Fans von Gedichten oder Klarinettenkonzerten sind in der Szene nicht zu finden. Vielmehr zeigt man Muckis und posiert mitunter so martialisch wie beim Wrestling.Lesen Sie auchSechs Disziplinen haben die Sportler bei einer Einzel-WM zu absolvieren. Dreimal mit der Axt, dreimal mit der Säge. Immer treten zwei Athleten gegeneinander an. Eine Disziplin heißt zum Beispiel „Underhand Chop“: Die Sportler stehen breitbeinig auf liegenden Baumstämmen und müssen sie zwischen ihren Füßen durchhacken. Derjenige, dessen Stamm zuerst durchbricht, gewinnt. „Springboard“ heißt: Sie müssen in einen stehenden meterhohen Stamm unten eine tiefe Kerbe schlagen, ein langes Brett hineinschieben und dann draufspringen. Als Nächstes, weiter oben, eine zweite Kerbe, ein zweites Brett rein und noch einmal draufspringen. Danach ist der Kopf des Stammes abzuschlagen. Technik und Kraft sind wichtig. Turnerisches Können und Körperbeherrschung sind von Vorteil.Da geht nix mit ÜberlegenEin Hardcore-Sport, bei dem so erstaunliche Sätze fallen wie: „Ich habe immer an die Säge geglaubt.“ Oder: „Ich wollte Weltrekord schneiden.“ Die schärfste Disziplin ist die „Hot Saw“: Hier gilt es, von einem Baumstamm – Durchmesser: 46 Zentimeter – drei Scheiben abzusägen. Der Weltrekord liegt bei 4,3 Sekunden. Martins Bestzeit: 4,84 Sekunden. Ein Metzger, der mit der Hand drei Scheiben von einer Lyoner abschneidet, ist nicht viel flotter. „Das ist alles Automatismus“, sagt Martin. „Da geht nix mit Überlegen. Die 30 Kilo der Säge stören nur, wenn man sie vom Auto lädt. Beim Schnitt hat man andere Probleme.“Zum Beispiel: den Halt nicht zu verlieren, während man das röhrende Höllengerät sauber und schnell hoch und runter bewegt. An den Füßen trägt Martin dann Schuhe mit Spikes, wie sie beim Speerwerfen üblich sind. Das Publikum liebt die Show der Sportholzfäller – Titelkämpfe füllen Arenen. „Wir sind immer ausverkauft“, sagt Martin. „6000 Zuschauer haben wir immer.“Der deutsche Vorzeige-Holzfäller, der bei der WM 2023 Bronze gewann und sich seine Ausrüstung mit Sponsorenhilfe leisten kann, verdankt seine Karriere seinem Mundwerk – und einer Wette. 2010 tönte er, er könne mit einer Spaltaxt schneller Holz zerhacken als ein Traktor mit Spaltvorrichtung. Top, die Wette galt. Martin gewann. Bald nahm er an Sichtungstrainings teil und erwies sich als Naturtalent. „Ich musste nie viel trainieren“, sagt er. Ihm zufolge ist man in Australien und Neuseeland den Europäern deshalb voraus, weil die dortigen Athleten in der vierten, fünften, manchmal schon achten Generation Holzfällen als Sport betreiben. Der Vater tat es, der Opa, der Ur- und der Ururopa. Sie bekommen die Technik in die Wiege gelegt, haben sie quasi in den Genen. Lesen Sie auch„Das ist kaum zu begreifen, wie flexibel die Körper sind“, sagt Martin, der sich auch buchen lässt als Showholzfäller bei Hochzeiten oder Messen – und dessen siebenjähriger Sohn ebenfalls schon auf den Geschmack gekommen ist und auf die sportliche Tour Holz hackt. Zweite Generation. Der Anfang ist gemacht.Ob bei ihm zu Hause manchmal Förster auf der Matte stehen und ihn bitten, mal kurz eine kranke Buche umzuhauen? „Nein“, erwidert er lachend. „Aber Nachbarn, die sagen: Danny, kannst du mir Brennholz machen? Bei dir geht das so schnell. Da antworte ich dann: Tut mir leid, dafür habe ich keine Zeit.“
Timbersports: Er sägt Baumstämme so schnell, wie der Metzger Wurst schneidet - WELT
Danny Martin ist Deutschlands erfolgreichster Sportholzfäller. In seiner Trainingshalle lagern 30 Äxte und drei getunte Sägen, so laut wie ein startender Jet. Jetzt tritt er in Mailand für Deutschland an – und will erstmals einen WM-Titel nach Europa holen.






