PfadnavigationHomeRegionalesHamburgSenioren-WG auf SyltMeerblick für 500 Euro WarmmieteVeröffentlicht am 20.10.2025Lesedauer: 4 MinutenMartha Berendes, erste Vorsitzende des Vereins „Gemeinsam Leben und Wohnen“, steht am Fenster eines Zimmers in der zukünftigen Senioren-Wohngemeinschaft (WG) auf SyltQuelle: Lea Albert/dpaHinter den Dünen von Westerland entsteht eine Wohngemeinschaft für Senioren. Bezahlbar, barrierefrei und mit Meerblick – für viele die Chance, auf Sylt zu bleiben, wenn das eigene Haus zu groß und Pflegeplätze zu teuer werden. Ein Verein macht es möglich.Meerblick statt Einsamkeit: Hinter den Dünen von Westerland entsteht eine neue Wohngemeinschaft für Seniorinnen und Senioren. Elf Menschen sollen hier künftig zusammenleben – mit Dachterrasse, Gemeinschaftsküche und bezahlbarer Miete. Für viele ist das mehr als ein Wohnprojekt: Es ist die Chance, auf Sylt bleiben zu können, wenn das eigene Haus zu groß und die Pflegeplätze zu teuer werden.„Mit einer monatlichen Warmmiete von 500 Euro inklusive aller Nebenkosten handelt es sich hier um ein bezahlbares Angebot, das einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität älterer Menschen auf der Insel leisten wird“, sagt Martha Berendes, erste Vorsitzende des Vereins „Gemeinsam Leben und Wohnen“.Lesen Sie auchWenn alles nach Plan läuft, werden die Seniorinnen und Senioren ihre rund 23 Quadratmeter großen Zimmer mit eigenem Bad auf der Nordseeinsel im nächsten Frühjahr beziehen. Der dafür gegründete Verein mietet als Träger die Wohnungen vom kommunalen Liegenschafts-Management und vermietet dann an die WG-Bewohner unter. In den noch leer stehenden künftigen WG-Zimmern hatten zuletzt Auszubildende des Gastgewerbes gewohnt. In dem Komplex befinden sich auch Seniorenwohnungen und eine Senioren-Tagespflege.Zweite Senioren-WG auf SyltDas Projekt ist auf Sylt erprobt: Vor rund vier Jahren war im gleichen Gebäude ein Stockwerk tiefer eine erste Wohngemeinschaft gegründet worden. Elf Bewohner leben hier seit März 2022. Von Beginn an mit dabei war Detlef Piepenburg. Der Anfang sei holprig gewesen, aber nach den ersten Anlaufschwierigkeiten läuft es jetzt, sagt der 72-Jährige. „Finanziell sind wir gut gestellt, das, was an Miete und Betriebskosten reinkommt, deckt auch die Kosten“, sagt Piepenburg, der Schatzmeister des Vereins ist.Für den Einzug gelten drei Bedingungen: Die Bewohner müssen mindestens 60 Jahre alt sein, seit mindestens zwei Jahren auf Sylt leben, und sie dürfen kein Immobilieneigentum besitzen. Alle Bewohner werden zudem Mitglied im Verein „Gemeinsam Leben und Wohnen“. Es habe auch Bewerbungen gegeben von Menschen aus der Schweiz und Wohnsitz in anderen Bundesländern, die seit Jahren auf Sylt Urlaub machten und jetzt einen festen und preiswerten Alterssitz suchten, sagt Berendes.Lesen Sie auchDie barrierefreie Wohngemeinschaft liegt hinter einer Düne, rund 100 Meter von der Strandpromenade in Westerland entfernt. Es gibt eine Gemeinschaftsküche, einen gemeinsamen Wohnbereich, einen Außenbereich mit Strandkörben, Pavillon und Hochbeet, einen Balkon und eine Dachterrasse mit Meerblick sowie einen Hauswirtschaftsraum mit Waschmaschine und Trockner.Die Zeit drängt. „Viele fragen alle 14 Tage nach dem konkreten Einzugstermin“, sagt Berendes. Denn einige der künftigen Mieter verlören in diesem Jahr ihre Personalwohnung, weil sie in Rente gingen – andere seien schlicht von Kündigungsfristen betroffen und bräuchten Planungssicherheit.WG gegen die EinsamkeitDer Schritt in die WG sei für viele nicht einfach, und zunächst gebe es eine Hemmschwelle, sagt Piepenburg. „Aber viele sitzen allein in einem großen Haus mit vier Etagen und Garten, der Partner ist gestorben, und sie müssen das Haus sauber halten und möglicherweise den Garten pflegen.“ Ab einem gewissen Alter sei das für einige nicht leistbar. „Der Umzug ist für viele dann schlagartig Altersheim, diesen Gedanken muss man ja auch erstmal überwinden.“Lesen Sie auchEinige ältere Leute auf Sylt hätten keine Nachbarn mehr und seien einsam, sagt Berendes. „Die haben da ihr Häuschen noch, und links und rechts nur Touristen, nur Ferienwohnungen und gar keinen Ansprechpartner mehr.“ Viele Angehörige könnten sich nicht um ihre alten Eltern kümmern, weil sie weit weg auf dem Festland in anderen Bundesländern lebten.Problem auf Sylt: Wohnungen für Senioren fehlen„Es gibt für Senioren zu wenige bezahlbaren Wohnungen für Sylter und zu wenige bezahlbare Pflegeplätze“, sagt Ulrike Körbs (Insulaner), Vorsitzende des Sozialausschusses der Gemeinde Sylt. Der einzige Ausweg sei dann oft der Umzug aufs Festland. Auf dem Festland gebe es mehr sozial geförderten und bezahlbaren Wohnraum für Senioren. „Das gibt es auf Sylt nicht“, sagt Körbs.Auf Sylt stehen dem Kreis Nordfriesland zufolge 77 Pflegeplätze zur Verfügung – davon neun „eingestreute Kurzzeitpflegeplätze“. Im Schnitt liege der Eigenanteil bei Pflegeeinrichtungen auf dem Festland und den nordfriesischen Inseln zwischen 3000 und 3500 Euro monatlich (Pflegegrad 2 bis 5).Auf Sylt gibt es bei 18.429 gemeldeten Einwohnern pro 1000 Einwohner 4,17 stationäre Pflegeplätze. Im gesamten Kreis Nordfriesland sind es den Zahlen des Kreises zufolge mit 11,3 stationären Pflegeplätzen pro 1000 Einwohner deutlich mehr als auf der größten deutschen Nordseeinsel.lno/juve
Senioren-WG auf Sylt: Meerblick für 500 Euro Warmmiete - WELT
Hinter den Dünen von Westerland entsteht eine Wohngemeinschaft für Senioren. Bezahlbar, barrierefrei und mit Meerblick – für viele die Chance, auf Sylt zu bleiben, wenn das eigene Haus zu groß und Pflegeplätze zu teuer werden. Ein Verein macht es möglich.






