PfadnavigationHomePanoramaEpstein-AffärePrinz Andrew verzichtet auf seine royalen Titel – Guiffres Familie spricht von „Gerechtigkeit“Veröffentlicht am 18.10.2025Lesedauer: 4 MinutenDer in die Affäre um Sexualstraftäter Jeffrey Epstein verwickelte britische Prinz Andrew gibt seine verbliebenen royalen Titel und Pflichten auf. Zugleich wies er erneut alle Anschuldigungen im Fall Epstein zurück.Die Memoiren von Virginia Guiffre besiegelten wohl sein Schicksal: Prinz Andrew zieht sich noch mehr aus der Öffentlichkeit zurück und verzichtet auf seine letzten royalen Titel und Pflichten. Auch König Charles machte offenbar Druck.Nach der Aufhebung der königlichen Titel von Prinz Andrew hat sich die Familie seines mutmaßlichen Opfers zufrieden gezeigt. Seine Schwester Virginia Giuffre sei mit der Entscheidung des britischen Königshauses seiner Ansicht nach rehabilitiert, sagte Sky Roberts der BBC. „All die Jahre der Arbeit, die sie investiert hat, werden nun einer gewissen Gerechtigkeit zugeführt.“ Giuffre hatte Prinz Andrew vorgeworfen, sie im Alter von 17 Jahren missbraucht zu haben. Sie beging im April Suizid.„Wir haben heute viele Tränen der Freude und der Trauer vergossen“, sagte Roberts am späten Freitagabend der BBC. „Ich denke, ich bin glücklich, weil dies Virginia in vielerlei Hinsicht rehabilitiert.“ Seine Schwester wäre vermutlich „sehr stolz“.Zuvor hatte der in der Affäre um Sexualstraftäter Jeffrey Epstein tief gefallene britische Prinz auch seine verbliebenen royalen Titel und Pflichten aufgegeben. Das sagte der 65-Jährige in einer vom Palast veröffentlichten Erklärung. In Diskussionen mit seinem Bruder, König Charles III., und seiner Familie seien sie zu dem Schluss gekommen, dass „die anhaltenden Anschuldigungen gegen mich von der Arbeit Seiner Majestät und der königlichen Familie ablenken“, ließ Andrew mitteilen.Andrew kam so wohl einer Aberkennung zuvorMit der Erklärung kam der zweitälteste Sohn von Queen Elizabeth II. weiteren Spekulationen und einer womöglich noch größeren Demütigung – der Aberkennung der Ehren durch den König selbst – zuvor. Am 21. Oktober, erscheinen die Memoiren von Virginia Roberts Giuffre, dem wohl bekanntestes Opfer in dem Missbrauchsskandal – sie hatte dem Prinzen vorgeworfen, sie als Minderjährige missbraucht zu haben.„Wie ich bereits gesagt habe, weise ich die gegen mich erhobenen Vorwürfe entschieden zurück“, ließ Andrew mitteilen. Der Skandal belastet das Königshaus seit Jahren. Ein Prinz bleibt der 65-Jährige weiterhin, den Titel trägt er schon seit seiner Geburt. Seine beiden Töchter Beatrice und Eugenie bleiben Prinzessinnen. Er werde seinen Titel – Andrew ist Herzog von York (Duke of York) – und die ihm verliehenen Ehren nicht mehr führen, sagte Andrew. Gänzlich aberkannt werden kann ihm die Herzogswürde der Nachrichtenagentur PA zufolge nur durch das Parlament. Zu den aufgegebenen Ehren gehören der Ritterorden des Royal Victorian Order und seine Rolle als „Royal Knight Companion“ im elitären Hosenbandorden des Königs. Auch für seine Ex-Frau hat die Entscheidung Folgen: Sie ist jetzt wieder „nur“ Sarah Ferguson. Lesen Sie auchAndrew hatte sich im Zuge der Epstein-Affäre bereits vor Jahren weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Seine Rolle als offizieller Vertreter des Königshauses, militärische Ränge und Schirmherrschaften hatte er bereits verloren. Der Prinz war mit dem 2019 in Haft gestorbenen US-Unternehmer befreundet - Epstein hatte über Jahre einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Mädchen zum Opfer gefallen sind.Erste Auszüge aus „Nobody's Girl“ kursieren bereitsIn Auszügen hatten britische Medien bereits in den vergangenen Tagen über Giuffres Memoiren („Nobody's Girl“) berichtet, in denen die Vorwürfe gegen Andrew erneuert werden. Die gebürtige US-Amerikanerin hatte in der Vergangenheit bereits teils vor laufenden Kameras von dem Leid berichtet, das ihr als Jugendlicher und junger Frau angetan worden sein soll.Lesen Sie auchGiuffre hatte Prinz Andrew auch verklagt, 2022 erreichte sie einen wohl millionenschweren Vergleich. Sie hatte sich im Alter von 41 Jahren das Leben genommen. Andrew hatte immer bestritten, Giuffre überhaupt gekannt zu haben. Von beiden existiert jedoch ein Foto, das in Großbritannien mittlerweile sinnbildlich für den Epstein-Skandal steht. In einem BBC-Interview hatte Andrew einst versucht, den Verdacht gegen sich zu zerstreuen. Doch das misslang gründlich. Der angebliche Lieblingssohn der Queen verstrickte sich in Widersprüche und wirkte arrogant. Das Interview wurde später sogar zur Grundlage einer Netflix-Verfilmung. Andrews Beteuerungen, sich nicht an Giuffre zu erinnern, wirkten unglaubwürdig.Vor allem aber war es der Mangel an Mitgefühl gegenüber den Opfern Epsteins, der Andrew zum Verhängnis wurde. Immer wieder war der Prinz in den vergangenen Monaten mit mutmaßlich neuen Beweisen konfrontiert worden, laut derer er sich praktisch nie wirklich von Epstein distanziert habe.Jetzt ließ Andrew mitteilen, er habe sich „wie schon immer“, dafür entschieden, seine Pflicht seiner Familie und seinem Land gegenüber an erste Stelle zu setzen. Er stehe zu seiner Entscheidung von vor fünf Jahren, sich aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen. „Mit der Zustimmung Seiner Majestät sind wir der Meinung, dass ich nun einen Schritt weiter gehen muss“, sagte er der Erklärung zufolge.AP/dpa/sara/lay/krott