Die Protestbewegung in Serbien beweist immer wieder aufs Neue, dass sie sich von den Repressionen und der Aussitz-Taktik ihrer Regierung nicht ermüden lässt. Anfang dieser Woche gab es einen historischen Anlass, um sich auf den Straßen von Belgrad und Novi Sad zu versammeln: Am Sonntag jährte sich zum 25. Mal der Sturz des Präsidenten und mutmaßlichen Kriegsverbrechers Slobodan Milošević. Jener 5. Oktober 2000 hatte als Fest der Demokratie begonnen, als kollektiver Aufbruch in ein neues Serbien, in dem Korruption und Gewaltherrschaft keine Rolle mehr spielen sollten. Hunderttausende versammelten sich damals im Zentrum Belgrads, um zu skandieren: „Gotov je!“ – er ist erledigt.

Und tatsächlich: Der Sicherheitsapparat hatte sich abgewandt von dem angeschlagenen Herrscher, der die Wahl verloren, sich aber weiter an die Macht geklammert hatte. Als ihm klar sein musste, dass auch der Geheimdienst ihm nicht mehr helfen würde, ergriff Milošević in der Nacht die Flucht. Und die protestierenden Massen bejubelten den Sturz eines verhassten Gewaltregimes.

Schaukelpolitik im Äußeren, Repression im Inneren

Allein, die Euphorie hielt nicht allzu lange. Am 12. März 2003 erschoss ein Heckenschütze den jungen Premierminister Zoran Đinđić, der die Proteste gegen Milošević mit angeführt und ihn dann gegen große Widerstände im eigenen Land ans UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert hatte. Die Todesschüsse auf Đinđić markierten das vorläufige Ende des Kampfes gegen Korruption und organisiertes Verbrechen.