Welche grundlegenden Erkenntnisse man aus einzelnen Spielen ziehen kann, darüber ist im deutschen Frauenfußball zuletzt häufig debattiert worden. Die Leistungen der Nationalmannschaft bei der EM im Sommer wurden teilweise zu einem Mahnmal für fußballerische Unterlegenheit, der ganz große Abgesang blieb trotzdem aus. Das Ausscheiden von Eintracht Frankfurt in der Qualifikation zur Champions League gegen Real Madrid bot dann die Erkenntnis, dass die Bundesliga-Mittelklasse kaum mit internationaler Mittelklasse mithalten kann. Aber es war trotzdem nur: ein Duell in zwei Spielen.Nun, am Dienstagabend in Barcelona, kamen weitere besorgniserregende 90 Minuten hinzu. Und allmählich erhärtet sich die These, dass die Bundesligaklubs zumeist erschreckend chancenlos sind im Vergleich mit den Besten der Welt.Start der Champions League der Frauen:Wo stehen die deutschen Teams?Im internationalen Vergleich sind Deutschlands Frauen im Klubfußball auf Rang vier zurückgefallen – mit mäßigen Aussichten auf Besserung. Dem ambitionierten FC Bayern steht gleich eine harte Prüfung bevor.Es genügte ein Blick auf die Anzeigetafel: Ein desaströses 1:7 stand da im Estadi Johan Cruyff, mit dem die Frauen des FC Bayern gegen den FC Barcelona in ihre Champions-League-Saison gestartet sind. Es war ein Ergebnis mit Potenzial für Schockwellen, nicht nur am Standort München, auch im deutschen Frauenfußball insgesamt.Die Chancenlosigkeit ließ sich in Hunderten kleinen Szenen messen, jede einzelne war ein Stich ins Herz. Unter anderem eine Szene aus der vierten Minute, als Alexia Putellas am Strafraum mit unendlich viel Platz ausgestattet war und auf Vorlage von Klara Bühl, die auf unerklärliche Weise von der Seitenlinie vor den eigenen Strafraum gepasst hatte, den Ball ins Kreuzeck schoss. Oder Tore wie das 3:0 von Esmee Brugts oder das 6:1 von Claudia Pina, als Barcelonas Spielerinnen ohne jegliche Gegenwehr durch den Münchner Sechzehner spazierten. Sie mussten nicht einmal auffällig gut dribbeln.Barcelona tanzte Tango, die Münchnerinnen nur Langsamen WalzerWie ein abendlicher Spaziergang über den Hausberg Montjuïc fühlte sich dieses Spiel für Barcelona an, die Gastgeberinnen hatten keine Gegenwehr zu fürchten, es standen nur Zuschauerinnen um sie herum. Eine deutsche Elf kann mit spanischem Kombinationsfußball zumindest physisch mithalten, das hat die Nationalmannschaft im EM-Halbfinale bewiesen – der FC Bayern allerdings war an diesem Abend nicht fähig, in dieses Spiel zu finden. Keine Zweikampfstärke war zu sehen, keine Passsicherheit, keine Übersicht. Bühls zwischenzeitlicher Anschlusstreffer zum 1:3 geriet bereits zur Halbzeitpause zur Makulatur, weil kurz darauf Salma Paralluelo das vierte Tor für Barcelona erzielte und die Partie früh entschied. Das Spiel war ein schneller Tango, die Münchnerinnen wollten trotzdem Langsamen Walzer tanzen.Was von dieser Partie bleibt, sind mehr als nur Detailanalysen, sondern auch ein paar einigermaßen fundamentale Fragen. Einerseits nach der individuellen Qualität: Dem FC Bayern fehlten unter anderem in Lena Oberdorf und Giulia Gwinn zwei weiterhin rekonvaleszente Spielerinnen, die sicherlich geholfen hätten, um die Übermacht im Mittelfeld auszugleichen. Dass Barcelonas Kader noch mal besser bestückt ist, trotz zahlreicher Weggänge im Sommer, steht genauso außer Frage. Doch der deutsche Branchenprimus ist längst mehr als ein Best-of der deutschen Nationalmannschaft: München hat mit der Verpflichtung von internationalen Spitzenkräften wie Magdalena Eriksson, Pernille Harder oder Kapitänin Georgia Stanway in den vergangenen Jahren den Anspruch formuliert, dass das internationale Spitzenfeld nicht in weite Ferne rücken darf. Eigentlich.Die andere Frage ist, welche Einzelspielerinnen genau die systematische Unterlegenheit hätten ausgleichen sollen. Dieses 1:7, es war auch eine taktische Niederlage des Trainers José Barcala, dessen Matchplan von der ersten Minute an missriet. Dass aus einem 1:4 zur Halbzeit eine noch deutlich schmerzhaftere und im neuen Champions-League-Modus womöglich fatal hohe Niederlage wurde, ist ebenfalls dem Trainer anzulasten, der seiner Elf von außen keine Sicherheit geben konnte. Ein Plan B, eine Art Sicherheitsvariante, die den Erkenntnissen des Bundestrainers Christian Wück aus dem Sommer hätte folgen können, war jedenfalls nicht zu erkennen.In der Bundesliga sind die Münchnerinnen viel besser gestartetBarcala wird als Coach vorerst an dieser Enttäuschung gemessen werden, und nicht mehr an der Serie, die die Münchnerinnen unter ihm zum Saisonstart in der deutschen Liga hingelegt hatten. Sechs Spiele, fünf Siege, kein Gegentor, dazu der Supercup-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg, das mag eine überzeugende Bilanz sein – aber für die Champions League, das hat sich am Dienstagabend gezeigt, ist sie kaum aussagekräftig. Der zweite Test wartet schon in acht Tagen, am zweiten Spieltag zu Hause gegen Juventus Turin.Es bleibt neben Qualität und Taktik allerdings noch eine dritte Frage, vielleicht die entscheidende: Haben die Beteiligten den Ernst der Lage verstanden, angesichts eines so blamablen 1:7? „Wir haben einige Dinge gut gemacht, aber es gab auch viel Negatives“, sagte Bühl nach dem Spiel: „Jede von uns hat ihr Bestes gegeben.“ Wer wollte, konnte aus dieser Analyse viel ablesen. Über den Münchner Auftakt in die Champions-League-Saison, über die Ansprüche des deutschen Meisters – und über die Position, in der sich der deutsche Frauenfußball aktuell wiederfindet.
Frauen des FC Bayern verlieren 1:7: Ergebnis mit Potenzial für Schockwellen
Mit 1:7 gehen die Frauen des FC Bayern zum Auftakt der Champions League in Barcelona unter – das Ergebnis wirft existenzielle Fragen auf.










