Der 4. Juli 1954 war der Tag, an dem sich das Wunder von Bern zutrug, der Sieg der Herberger-Elf gegen Ungarn im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft. Keine zehn Jahre nach dem Krieg und gegen jede Erwartung der echten Kenner. Wunder ist ein großes Wort, aber der Live-Reporter Herbert Zimmermann hatte schon bei Spielbeginn geknarzt, die Endspielteilnahme von Walter, Rahn und Eckel sei „ein echtes Fußball-Wunder“. Interessant, wie balkendick es sich am folgenden Tag auf der Titelseite der Süddeutschen Zeitung niederschlagen würde.
Als Aufmacher immerhin, sogar mit Bild. Überschrift: „Deutschland schlägt Ungarn 3:2.“ Ein Maximalmaß an Sachlichkeit als Titel einer Nachricht, die am Ende nur eine unter vielen war an diesem Montag, 5. Juli 1954. Weiter auf der ersten Seite der SZ an jenem Tag: „Französisch-deutsche Verstimmung“, „Waffenstillstand-Konferenz bei Hanoi“, „London versteht Adenauers Motive“. Am Tag zwei nach seiner Vollbringung war dann das Wunder schon kein Top-Thema mehr, während die Waffenstillstand-Konferenz sich nicht nur trotzig in den Schlagzeilen hielt, sondern konkreter verortet wurde: „in einer Bambushütte bei Hanoi“. Und aus dem Streiflicht leuchtete der Satz: „In unseren Tagen, im Zeitalter der Reproduktion, findet das Große Welttheater tagtäglich im kleinsten Zimmer statt.“ Mit dem Großen Welttheater waren aber keine Fußballschlachten gemeint, sondern die Bad Hersfelder Festspiele.








