PfadnavigationHomeICONISTTrendsArtikeltyp:MeinungMuggendorfer KürbisfestHier läuft man garantiert keine Gefahr, Bill Kaulitz und Boris zu begegnenVeröffentlicht am 08.10.2025Lesedauer: 3 MinutenKeine derben Fratzen: die Muggendorfer Kinder arbeiten mit einem feinen Linolschnitt-WerkzeugQuelle: Frédéric SchwildenIn einem kleinen Luftkurort in der Fränkischen Schweiz findet bis heute das schönste Fest der Welt statt: das Muggendorfer Kürbisfest. Es gibt Blasmusik und Trachtentänze und natürlich auch das traditionelle Getränk Bier. Und ganz wesentliche Unterschiede zum Oktoberfest.Dass westliche Akademiker sich in den vergangenen Jahren zunehmend für die Belange indigener Völker interessieren, finde ich bis heute richtig und ehrenwert. Wir können viel von den auf den ersten Blick vielleicht archaischen Traditionen und Riten anderer Kulturen lernen. Ich erinnere mich noch an die Kunst-Ausstellung Documenta Fifteen in Kassel, bei der das indonesische Kunstkollektiv ruangrupa nach dem „Lumbung“-Prinzip arbeitete. Lumbung ist eine Reis-Scheune. In Indonesien wird überschüssiger Reis aus der Ernte in einer Scheune aufbewahrt und anschließend zum Wohl der Gemeinschaft verteilt. Bis heute frage ich mich natürlich, warum man in Kassel dazu noch Antisemitismus brauchte, aber das ist eine andere Sache.Jedenfalls, mein indigenes Lieblingsvolk sind die guten Menschen aus Muggendorf, einem kleinen Luftkurort in der Fränkischen Schweiz. Und die begehen an diesem Sonntag ihren traditionellen indigenen Brauch Kürbisfest. Das Kürbisfest hat mit dem Brauch Erntedank zu tun. Beim Kürbisfest der Muggendorfer, die in einem Tal am Fluss Wiesent unweit der Burgruine Neideck leben, kommen die Menschen des Dorfes am alten Sportplatz zusammen. Es gibt Blasmusik und Trachtentänze und natürlich auch das traditionelle Getränk Bier. Dann, wenn es dunkel wird, kommen die Kinder des Ortes und bringen ihre traditionell geschnitzten Kürbisse mit.Lesen Sie auchAnders als beim irischen Halloween, wo man üblicherweise mit einem Küchenmesser derbe Fratzen in einen Kürbis schneidet, arbeiten die Muggendorfer Kinder mit einem feinen Linolschnitt-Werkzeug. Mit diesem tragen sie nur die obere Schicht der Schale ab. So entstehen feinere und differenziertere Bilder. Die Kürbisse werden ausgehöhlt. Elektrische Lichter oder Kerzen bringen die Bilder in 50 Shades of Orange zum Strahlen.Als Kind durfte ich selbst an diesem Spektakel teilnehmen. Ich kam 1996 mit acht Jahren nach Muggendorf. Und wurde dort in der Volksschule Wiesenttal von meinem Lehrer Manfred Weigelt in die Kunst des Kürbis-Schnitzens eingeführt. Bis heute denke ich gern an ihn. Er trank immerzu Kaffee aus seiner blauen Thermoskanne und rauchte dazu Gauloises.Jedenfalls ist das Muggendorfer Kürbisfest bis heute für mich einer der schönsten Bräuche der ganzen Welt. Und anders als beim Oktoberfest läuft man in Muggendorf keine Gefahr, auf Bill Kaulitz, Bärbel Bas oder Boris Becker zu treffen.Und so freu’ ich mich darauf, wie die Kinder mit ihren auf Bollerwagen gelegten Kürbissen zum alten Sportplatz laufen. Wie es langsam dunkel wird. Wie der Pfarrer den Erntedank-Gottesdienst hält. Wie es kälter und die Luft feuchter wird. Wie dann irgendwann das große Erntefeuer angezündet wird und Funken durch den Abendhimmel fliegen, und man die glühende Hitze aus den guten Herzen der Muggendorfer spürt. Wobei die Hitze natürlich auch vom Festbier und den guten Obstlern kommen kann. Aber falsch ist das trotzdem nicht.
Muggendorfer Kürbisfest: Keine Gefahr, Bill Kaulitz und Boris zu begegnen - WELT
In einem kleinen Luftkurort in der Fränkischen Schweiz findet bis heute das schönste Fest der Welt statt: das Muggendorfer Kürbisfest. Es gibt Blasmusik und Trachtentänze und natürlich auch das traditionelle Getränk Bier. Und ganz wesentliche Unterschiede zum Oktoberfest.









