Hier, in diesem hellen, lang gezogenen Raum mit den schlichten Betonwänden soll sich die Zukunft des bayerischen Autobauers BMW mitentscheiden. Und die 17-jährige Sarah und der 20-jährige Marius sollen Teil dieses Wegs sein, dessen Ende klar definiert ist. Die beiden machen eine Ausbildung zum Mechatroniker bei der BMW-Group, wie der Weltkonzern mittlerweile offiziell heißt, und erklären den Besuchern an diesem Donnerstagvormittag sehr versiert am Beispiel eines eigens dafür präparierten Minis die Funktionsweise eines Elektromotors. Sie sprechen über „Hochvolt-Batterien“ und die Energierückgewinnung beim Bremsen. Denn die Zukunft der Bayerischen Motoren Werke in München ist primär eines: elektrisch.BMW befindet sich wie die gesamte Autobranche mitten in der Transformation und trotzt dabei auch jüngsten Bestrebungen, den Verbrenner plötzlich wieder als Teil der Lösung – insbesondere für die schwächelnde deutsche Automobilindustrie – begreifen zu wollen. Der Autobauer nimmt in seinem Stammland, dem Münchner Norden, sehr viel Geld in die Hand, um die Neuausrichtung zur E-Mobilität erfolgreich gestalten zu können: Insgesamt etwa eine Milliarde Euro wurde weltweit in den vergangenen drei Jahren in die Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten investiert. Und zusätzlich mehr als 600 Millionen am Standort München. Vor allem in Gebäude und Infrastruktur.Hier sollen künftig in der neuen Herzkammer des Autobauers die Mitarbeiter fit gemacht werden: im „Talent Campus“ direkt auf dem BMW-Stammgelände zwischen Lerchenauer und Riesenfeldstraße in Milbertshofen. An diesem Donnerstag wurde er im Beisein von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) feierlich eröffnet.Lichtdurchlutet und mit hellem Holz verkleidet: der neue Talent Campus in Milbertshofen. Paul DittmannEs ist ein helles, lichtdurchflutetes Gebäude, dessen Inneres – bis auf den Testraum der Auszubildenden – nahezu komplett mit hellem Holz ausgekleidet ist. Auf dem Dach deckt eine Photovoltaik-Anlage den gesamten Bedarf des Neubaus, der sich auch von außen filigran und unauffällig in die Umgebung einfügt. Er sei aber vor allem eines, wie Münchens Wirtschaftsreferent Christian Scharpf (SPD) bei der Eröffnung betont: „Ein Meilenstein in Ihrer Firmengeschichte und ein klares Bekenntnis zu Ihrer Heimat.“Seit mehr als 100 Jahren produzieren die Bayerischen Motoren Werke im Münchner Norden Automobile. Zunächst auf der grünen Wiese, im Laufe der Zeit aber wuchs die Stadt um das Stammwerk herum; mittlerweile bilden dichte Wohnbebauung und die Produktionshallen von BMW eine Symbiose, die es in deutschen Großstädten nicht mehr allzu oft gibt: ein Nebeneinander von produzierendem Gewerbe und urbanem Leben.Und das soll sich auch im neuen Talent Campus widerspiegeln, wie Ilka Horstmeier, Personal- und Immobilien-Chefin von BMW, sagt. „Mit diesem lichtdurchfluteten Gebäude begeistern und befähigen wir unsere 40 000 Mitarbeiter für die Mobilität der Zukunft. Und zwar in guter Beziehung zu unserer Nachbarschaft – und einem klaren Bekenntnis zum Standort München.“ Auch bei BMW, so Horstmeier, werde viel darüber diskutiert, ob der Konzern Transformation und Erneuerung schaffen könne. „Wir sagen ganz klar: Ja. Deswegen investieren wir auch so viel in Deutschland und in München.“Die Auszubildenden Marius und Sarah kennen sich mit Elektroantrieben aus. Paul DittmannBundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche zeigt sich beeindruckt vom neuen BMW-Campus. Alleine auf Elektromobilität aber will sie bei der Transformation der Autobranche nicht setzen. Paul DittmannUnd zwar nicht nur in einen neuen Campus, in dem Mitarbeiter an neuen Formen der Robotik arbeiten und forschen, die künftig die Produktion erleichtern sollen, oder sich mit KI-gestützten Systemen beschäftigen. Nahezu direkt neben dem neuen Campus hat der Konzern in den vergangenen eineinhalb Jahren das altehrwürdige Stammwerk, in dem ein Jahrhundert lang der Verbrenner das Maß aller Dinge war, abgerissen und in eine Produktionsstätte der E-Mobilität verwandelt.Von 2027 an sollen in der bayerischen Landeshauptstadt ausschließlich vollelektrische Fahrzeuge gebaut werden. All seine Hoffnungen setzt der Autobauer dabei in die neue Elektro-Klasse, dessen Flaggschiff künftig der SUV IX3 mit einer Reichweite von mehr als 800 Kilometern sein soll. „Nirgends sonst kann man die Industrietransformation so gut beobachten wie hier“, sagt Horstmeier. „Für uns beginnt eine ganz neue Ära, und die betrifft unsere Strukturen, unsere Arbeitsweisen und unsere Mitarbeiter.“Wirtschaftsministerin Katharina Reiche zeigt sich beim Rundgang durch den Talent Campus beeindruckt von den Bemühungen des Autobauers. Mit der neuen Klasse habe sich BMW auf den Weg der Transformation gemacht, auch wenn dieser kein einfacher sei, so die CDU-Politikerin. Ein so klares Bekenntnis zur Elektromobilität, wie es BMW in München abgibt, vermeidet Reiche bei ihrem Besuch. Sich allein auf eine Technologie zu fixieren, sei aus ihrer Sicht nicht der richtige Weg, um mehr CO₂-Emissionen einzusparen. Es müssten auch andere Technologien, etwa E-Fuels, berücksichtigt werden.Für die Azubis Sarah und Marius aber kann der eingeschlagene Weg eine Chance sein. Schließlich, so sagt Vorständin Horstmeier, biete BMW den Auszubildenden etwas, das gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Sicherheit biete: eine Übernahmegarantie.
BMW eröffnet Talent Campus in München
BMW will seine Mitarbeiter für die Zukunft der Elektromobilität ausbilden. Der Campus spiegelt die Transformation des Unternehmens wider, das künftig vollelektrische Fahrzeuge produzieren möchte.







