Klimaforscher Ottmar Edenhofer: Pragmatisch und flexibler sein. Foto: Picture Alliance/Dpa, Getty Images (3) Ottmar Edenhofer: „Wir können die Temperaturkurve zurückbiegen“ Schwarz-Rot treibt die Transformation nicht entschlossen genug voran, mahnt der Klimaforscher. Warum er Negativemissionen für unverzichtbar hält – und einen globalen CO₂-Preis fordert.

Silke Kersting, Klaus Stratmann 30.09.2025 - 17:20 Uhr Artikel anhörenBerlin. Ottmar Edenhofer, Direktor und Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), will der Industrie bei der Zuteilung kostenloser Emissionszertifikate entgegenkommen. Es erscheine ihm sinnvoll, „für manche Sektoren, die kurzfristig besonders unter Druck stehen, die kostenlose Zuteilung noch etwas länger laufen zu lassen“, sagte Edenhofer im Handelsblatt-Interview. „Wir sollten da pragmatisch und flexibel sein.“Edenhofer räumte ein, dass die CO2-Kosten in Europa die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents belasten: „Ich bin der Letzte, der die Bedeutung und Wucht dieses Punktes kleinreden wollte. Daher müssen wir die Energiewende kosteneffizienter gestalten.“Nach Überzeugung des Wissenschaftlers wird die klimaschädliche Kohlenutzung auch in den kommenden Jahren weltweit unvermindert weitergehen: „Wir erleben eine Renaissance der Kohle. Ein Ende dieser Renaissance ist nicht absehbar.“ Edenhofers Empfehlung: „Die reichen Länder würden davon profitieren, wenn sie sich zusammentäten und anderen Ländern den Kohleausstieg finanzieren würden.“Das Ziel der Weltgemeinschaft, die globale Erwärmung möglichst unter 1,5 Grad Celsius zu halten, ist laut Edenhofer nicht erreichbar. „Die 1,5-Grad-Grenze wird global gesehen überschritten werden. Es gibt nach meiner Einschätzung überhaupt keinen Zweifel daran, dass das passieren wird“, sagte er. Allerdings bestehe die Chance, „die Temperaturkurve wieder zurückzubiegen“. Auch, indem man der Atmosphäre in großem Stil Emissionen entziehe.Lesen Sie hier das gesamte Interview: