PfadnavigationHomeRegionalesHamburgNeue StudieHohe Identifikation mit dem Beruf Lehrer trifft auf massive Unzufriedenheit mit den BedingungenVeröffentlicht am 04.10.2025Lesedauer: 4 MinutenQuelle: Julian Stratenschulte/dpaLehrer müsste man sein, mittags Feierabend und obendrauf gibt noch sechs Wochen Sommerferien. Eine Studie in Hamburg räumt nun mit dieser Mär auf: Tatsächlich arbeiten Lehrerinnen und Lehrer mehr als sie müssten. Ein Zustand, den die Bildungsbehörde wiederum zurückweist.Hamburgs Lehrkräfte arbeiten laut einer Studie der Universität Göttingen deutlich mehr als vorgesehen und somit regelmäßig über der Belastungsgrenze. Bezogen auf eine tarif- beziehungsweise beamtenrechtliche 40-Stunden-Woche kommen die Lehrerinnen und Lehrer in der Hansestadt Woche für Woche auf 41 Stunden und 56 Minuten je Vollzeitstelle, wie Studienleiter Frank Mußmann von der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften sagte.Insgesamt leisteten 63 Prozent aller Lehrkräfte Mehrarbeit, häufig in Form von Abend- und Wochenendarbeit, wiederkehrenden Spitzenbelastungen und ohne ausreichende Erholungszeiten. Besonders alarmierend sei: Ein Viertel der Vollzeitbeschäftigten überschreite während der Schulzeit sogar die im Arbeitsgesetz festgelegte Höchstgrenze von 48 Stunden pro Woche.Für die Untersuchung haben den Angaben zufolge 735 Lehrerinnen und Lehrer ihre Arbeitszeit im zweiten Schulhalbjahr 2023/2024 detailliert erfasst, wodurch der Stadtstaat nun erstmals wissenschaftliche Daten zur tatsächlichen Arbeitszeit ihrer Lehrkräfte habe. Für die Studie befragt wurden den Angaben zufolge Lehrkräfte von 67 Stadtteilschulen und 65 Gymnasien, unterstützt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Lesen Sie auchAus Sicht der GEW offenbaren die Ergebnisse nicht nur überhöhte Arbeitszeiten, sondern ein klares Muster: „Hohe Identifikation mit dem Beruf trifft auf massive Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen – ein Faktor, der die Attraktivität des Lehrerberufs in Hamburg weiter sinken lässt.“Demnach ist die Studie „der lange geforderte Realitätscheck für das Hamburger Planungsmodell“, sagt der Vorsitzende der GEW Hamburg, Sven Quiring. Die starre Lehrerarbeitszeitverordnung von 2003 bilde die tatsächliche Arbeitszeit längst nicht mehr ab. Zwei Stunden pro Woche fehlten systematisch, neue Aufgaben summierten sich inzwischen auf über zehn Stunden wöchentlich. Pädagogische Kernaufgaben wie Klassenleitung sowie Vor- und Nachbereitung sprengten regelmäßig die Vorgaben. Quiring: „Es wird Zeit zum Handeln, es wird Zeit für echte Zeit.“Wenn im Durchschnitt ein Viertel der Lehrkräfte die gesetzliche Höchstarbeitszeit überschreitet, handelt es sich laut GEW um einen „klaren Verstoß gegen den Arbeitsschutz“. Es gehe nicht um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Problem. Folglich fordert die GEW Hamburg 350 zusätzliche Vollzeitstellen, eine verbindliche Arbeitszeiterfassung für alle Schulbeschäftigten und eine Reform der Lehrerarbeitszeitverordnung. Ferner sollte es eigene Zeitbudgets für Leitungsaufgaben, Konzepte zur Digitalisierung und Medienbildung an den einzelnen Schulen sowie eine Dienstvereinbarung für altersgerechtes Arbeiten geben.Schulbehörde weist Forderungen zurückUnterdessen weist die Schulbehörde von Senatorin Ksenija Bekeris (SPD) die Forderungen der GEW deutlich zurück, insbesondere nach mehr Lehrerstellen. „Hamburg hat seit 2011 über 6500 zusätzliche Stellen für pädagogisches Personal an allgemeinbildenden Schulen geschaffen“, betont der Sprecher der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB), Peter Albrecht. Das entspreche einem Plus von 35 Prozent, während die Schülerschaft um 24 Prozent angestiegen sei. Die Schulen verzeichneten Rekordeinstellungen bei neuen Lehrkräften sowie Lehrkräften im Vorbereitungsdienst (Referendariat), die vor einigen Jahren eingeleitete Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Lehrberufs seien erfolgreich. Albrecht: „Einen allgemeinen Lehrkräftemangel hat Hamburg nicht, offensichtlich ist der Lehrberuf sehr attraktiv. Das zeigen auch die Rekord-Zahlen bei den Lehramtsstudiengängen an der Universität Hamburg.“Lesen Sie auchDie in der Studie berechneten 75 Überstunden pro Jahr bedeuteten umgerechnet weniger als zwei Überstunden pro Woche. „Bezogen auf rund 23.000 Hamburger Lehrkräfte macht die Gesamtzahl der Überstunden gerade mal 27 Überstunden pro Lehrperson und Jahr aus“, sagt der Behördensprecher weiter. Eine auch nur minimale Anpassung der Faktoren des Lehrerarbeitszeitmodells, wie von der GEW gefordert, hätte gravierende Auswirkungen und würde Hunderte von zusätzlichen Lehrerstellen bedeuten. „Zusammen mit den 350 geforderten Stellen zum Abbau von Überstunden kämen schnell 100 Millionen Euro Zusatzkosten pro Jahr zusammen“, so Albrecht, was in Zeiten von Haushaltsengpässen und einer unklaren wirtschaftlichen Entwicklung nicht finanzierbar wäre. Um auf die Belastung von Lehrkräften zu reagieren, habe die Bildungsbehörde das Projekt Personalgesundheit im Sinne eines ganzheitlichen Gesundheitsmanagements gestartet. Auch zur Entlastung der Lehrkräfte baue der Stadtstaat flächendeckend die Schulsozialarbeit an den Schulen aus. So wurden allein zum aktuellen Schuljahr 2025/26 genau 102 neue Stellen für Schulsozialarbeit geschaffen, begleitet von einer jährlichen Investition mit einem Volumen von rund 7,2 Millionen Euro.
Lehrer: Hohe Identifikation mit dem Beruf trifft auf massive Unzufriedenheit - WELT
Lehrer müsste man sein, mittags Feierabend und obendrauf gibt noch sechs Wochen Sommerferien. Eine Studie in Hamburg räumt nun mit dieser Mär auf: Tatsächlich arbeiten Lehrerinnen und Lehrer mehr als sie müssten. Ein Zustand, den die Bildungsbehörde wiederum zurückweist.






