PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungSchuldenAuf in den InvestitionssozialismusVon Justus EnningaVeröffentlicht am 30.09.2025Lesedauer: 3 MinutenFinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) während der sogenannten Haushaltswoche des BundestagesQuelle: Bernd von Jutrczenka/dpaInvestitionen sind etwas Gutes. Sie sind die Realität gewordene Wette darauf, dass die Zukunft besser werden kann. Aber deshalb braucht es Investitionen auf dem Markt, nicht von einem Staat, dessen Politiker vorgeben, die Zukunft zu kennen.Der Streit um den Bundeshaushalt ist endgültig vorbei. Nach dem Bundestag hat auch der Bundesrat dem über eine halbe Billion Euro schweren Etat für das Jahr 2025 zugestimmt – ein weiterer Schritt Richtung Investitionssozialismus.Damit hat sich eine gefährliche Überzeugung endgültig durchgesetzt: Solange Staatsausgaben mit dem Zauberwort „Investitionen“ begründet werden, kennt auch die politische Mitte keine Grenzen mehr bei den Staatsausgaben. 115 Milliarden Euro weist der Haushalt als ‚Investitionen‘ aus – rund 23 Prozent des Gesamtetats. Doch nur 62,7 Milliarden stammen aus dem Kernhaushalt. Der Rest kommt auf Pump aus Sondervermögen wie dem Klima- und Transformationsfonds oder dem neuen ‚Infrastruktur und Klimaneutralität‘.Lesen Sie auchKritik an staatlichen Investitionen gibt es jedoch kaum. Seitdem die FDP aus dem Bundestag ausgeschieden und die Union wieder an den staatlichen Fleischtöpfen sitzt, erschöpft sich die Kritik der politischen Mitte an den Sozialausgaben. Steht aber das Wörtchen Investition vor einer Ausgabe gelten – meist schuldenfinanzierte – Staatsausgaben nicht mehr als Risiko für die kommende Generation, sondern als Auftrag: Wären noch mehr Investitionen möglich, dann wären eigentlich auch noch mehr Schulden gerechtfertigt.Natürlich sind Investitionen etwas Gutes. Sie sind die Realität gewordene Wette darauf, dass die Zukunft besser werden kann. Doch sie bleiben eine Wette, weil keiner die Zukunft kennt. Genau deshalb braucht es Investitionen auf dem Markt, nicht von einem Staat, dessen Politiker vorgeben, die Zukunft zu kennen. Die Qualität von Investitionen zeigt sich nämlich erst im Wettbewerb unterschiedlicher Zukunftsvisionen. Der Markt lässt Otto-Motor und E-Auto, Kuhmilch und Haferdrink, Intel-Chips und noch unbekannte Technologien gegeneinander antreten. Erst die Dezentralität und der Wettbewerb der Marktwirtschaft helfen uns die unterschiedlichen Wetten auf die Zukunft auf verschiedene Ideen, Unternehmen und Entscheider zu beurteilen. Wie bei einem gut diversifizierten ETF wird so das Risiko minimiert und die gesellschaftliche Rendite maximiert. Lesen Sie auchAm Anfang der 115 Milliarden im Bundeshaushalt steht nur der Staat – ob Bund, Länder oder Kommunen. Verteilt wird nach politischer Opportunität, Zeitdruck und Koalitionsarithmetik, nicht nach dem im dezentralen Wettbewerb erprobten Wissen privater Unternehmen. Auf den Investitionsstaat zu setzen, ist also wie unser Vermögen in eine einzige Aktie zu stecken.So wiederholt Schwarz-Rot den Fehler gescheiterter sozialistischer Planwirtschaften: Eine kleine politische Klientel bündelt zentrale Kapitalentscheidungen. Damit ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich Steuergeld finanzierte Investitionsdesaster wie bei Varta, Northvolt und Intel wiederholen. Investitionen funktionieren dagegen in der Marktwirtschaft, weil viele Entscheider ihr eigenes Geld einsetzen – mit echtem Risiko, auf Basis von echten Preisen, im Angesicht der Wünsche von Anbietern und Kunden. Der Markt – genauer: der Wettbewerb der Ideen – ist das notwendige Entdeckungsverfahren für die besten Investitionen und damit der sicherste Weg zu mehr Wachstum. Auf dem Weg in den Investitionssozialismus hat Schwarz-Rot genau das aber vergessen.Justus Enninga ist Ökonom, Journalist und Chief of Staff von Mathias Döpfner, CEO der Axel Springer SE
Schulden: Auf in den Investitionssozialismus - WELT
Investitionen sind etwas Gutes. Sie sind die Realität gewordene Wette darauf, dass die Zukunft besser werden kann. Aber deshalb braucht es Investitionen auf dem Markt, nicht von einem Staat, dessen Politiker vorgeben, die Zukunft zu kennen.






