PfadnavigationHomeRegionalesHamburgVerteidigungsindustrieRheinmetall plant Munitionsfabrik in Lettland – 80.000 Geschosse für Europas WehrhaftigkeitVeröffentlicht am 25.09.2025Lesedauer: 3 MinutenIm neu eröffneten Artilleriewerk von Rheinmetall in Niedersachsen kann man heute schon sehen, wie auch die Produktion in Lettland aussehen könnteQuelle: Julian Stratenschulte/dpaRheinmetall und die lettische staatliche Verteidigungsgesellschaft planen eine Munitionsproduktion in Lettland aufzubauen. Das Projekt soll die Nato-Ostflanke stärken und Europas Abhängigkeit von Importen verringern. Eine Absichtserklärung wurde in Hamburg unterzeichnet.Rheinmetall und die lettische Staatsgesellschaft SIA „Valsts aizsardzības korporācija“ planen gemeinsam eine Munitionsproduktion in Lettland aufzubauen. Beide Seiten haben dazu am Donnerstag in Hamburg eine Absichtserklärung unterzeichnet, die den Weg für konkrete Investitionen ebnet. Ziel ist es, die Versorgung der Nato-Staaten zu sichern und die Abhängigkeit von Importen zu verringern. Lettlands Ministerpräsidentin Evika Siliņa betonte: „Die Eröffnung einer Produktionslinie in Lettland wird die Versorgungssicherheit in der baltischen Region und in Nordeuropa erheblich verbessern“. Der geplante Bau der Munitionsfabrik sei „ein klares Signal für unsere Entschlossenheit, in unsere Sicherheit zu investieren.“Die Vereinbarung kommt in einer Phase, in der die Nato-Staaten ihre Verteidigungsfähigkeit massiv ausbauen. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ist die Nachfrage nach Munition sprunghaft gestiegen. Die baltischen Staaten, die sich an der Ostflanke des Bündnisses befinden, sehen sich besonders gefordert, ihre Verteidigungsbereitschaft zu erhöhen.Lettland hat deshalb in den vergangenen Jahren seine Verteidigungsausgaben deutlich gesteigert und will nun zusätzlich eigene Produktionskapazitäten aufbauen. „Wir tun das für unsere Streitkräfte, für unsere Menschen, deren Sicherheit und Schutz oberste Priorität haben“, betonte Siliņa. „Dieses Projekt ist wichtig für Lettland, für Deutschland und für Europa.“ Die 2023 gegründete staatliche Verteidigungsgesellschaft ist eine Holding, die den Aufbau einer nationalen Rüstungsindustrie koordiniert und Investitionen in Schlüsseltechnologien vorantreibt.Lesen Sie auchFür Rheinmetall ist die Kooperation Teil einer umfassenden Expansionsstrategie. Der Konzern hat in den vergangenen Monaten mehrere neue Standorte angekündigt oder eröffnet, darunter eine der größten Munitionsfabriken Europas in Unterlüß (Niedersachsen) sowie ein geplantes Werk in Litauen. Mit diesen Projekten reagiert Rheinmetall auf die wachsende Nachfrage nach Artilleriemunition, die für die Unterstützung der Ukraine und die Stärkung der Nato-Streitkräfte entscheidend ist. Lettland soll nun der nächste Standort in diesem Netzwerk werden. „Wir bauen derzeit weltweit Kapazitäten für Munition und Verteidigungstechnologien aus, weil wir täglich Aggressionen sehen – auch von Russland“, sagte Rheinmetall-Chef Armin Papperger. „Wir müssen vorbereitet sein.“Spätestens im Frühjahr 2026 soll der Baustart für die Munitionsfabrik sein, die Artilleriemunition des Kalibers 155 Millimeter herstellen soll. Ein Jahr später soll die Fertigung der Munition beginnen. Rheinmetall und die lettische Staatsgesellschaft planen mit Investitionen von 275 Millionen Euro. Davon sollen eine Geschossfertigung und eine Füllanlage entstehen, die eine Jahreskapazität von mehreren Zehntausend Geschossen haben wird. Papperger kündigte an: „In Lettland entsteht eine etwas kleinere Fabrik als in Unterlüß, aber sie wird Kapazitäten von 60.000 bis 80.000 Artilleriegranaten pro Jahr erreichen – zusätzlich zu nationalem Bedarf auch für den Export.“Lesen Sie auchDie EU hatte sich im vergangenen Jahr das Ziel gesetzt, eine Million Artilleriegranaten für die Ukraine bereitzustellen, konnte dieses Ziel aber bislang nicht vollständig erreichen. Neue Produktionskapazitäten gelten daher als dringend notwendig. Für Lettland ist das Projekt ein Schritt, um die eigene Verteidigungsindustrie zu stärken und unabhängiger von internationalen Lieferketten zu werden. Für Rheinmetall bedeutet es eine weitere Verlagerung von Produktionskapazitäten in Richtung Nato-Ostflanke – näher an die Regionen, in denen die Sicherheitslage am angespanntesten ist. „Lettland wird damit ein integraler Bestandteil der Nato und Europas Verteidigungsarchitektur“, sagte Papperger.