Florence Gaub hat gleich zu Beginn drei Botschaften. Erstens hätten die Deutschen schon immer Angst gehabt: „Es hat sich nur geändert, wovor wir uns fürchten.“ Zweitens sei die aktuelle Weltlage zwar schlimm, aber der Eindruck falsch, „dass es gerade so schlimm sei wie nie zuvor“. Und drittens habe es jede Gesellschaft in der Hand, selbst etwas zu tun und sich auf Bedrohungen vorzubereiten. Dieses Gefühl der Eigenwirksamkeit könne sogar glücklich machen, sagt die Leiterin des Forschungszentrums des Defense College der Nato in Rom und verweist auf Finnland. Die 1977 geborene Gaub steht Montagabend bei den Munich Economic Debates von Ifo-Institut und Süddeutscher Zeitung auf der Bühne.

Der Titel ihres Vortrags „Zukunft ist mehr als das neue Gestern – Neue Rahmenbedingungen für die deutsche Sicherheitspolitik“ deutet an, dass sich die Militärexpertin weniger für Waffensysteme oder den Umbau der Bundeswehr interessiert, sondern für die großen Zusammenhänge. Bei der Nato arbeitet die Deutsch-Französin als Forscherin stets mit einem „Korridor, in dem Zukunft stattfinde“. Viele Rahmenbedingungen seien bekannt und lassen sich auch Deutschlands Sicherheitspolitik im vierten Jahr des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine skizzieren.