Das Szenario ist eines Königs würdig: Vor dem Seitenportal des Wiener Burgtheaters – der Seite zum Volksgarten hin – haben sie einen Baldachin aus schwarzem Vorhangstoff aufgestellt. Links und rechts davon zwei Feuerschalen auf mächtigen Stelen. Schwarzer Rauch steigt auf, wenn die Flammen in der warmen Herbstluft züngeln. Der Eingang zum Treppenhaus ist schon seit Mittag offen für alle, die von Claus Peymann, von 1986 bis 1999 Direktor des Hauses, Abschied nehmen und sich ins Kondolenzbuch eintragen wollen. Ganz oben auf der mit einem Trauerteppich und Buchsbäumchen geschmückten Feststiege, dieser kaiserlichen Prunktreppe unter feierlicher Deckenbemalung, ist sein Sarg aufgebahrt, eine einfache schwarze Holzkiste. Es ist ein bewegender Anblick. Der Gang allen Lebens. Bedenke, Mensch, dass du sterblich bist. Selbst der große, laute, großmäulige Peymann, der sich von niemandem je schrecken ließ – (mund)tot für immer?