PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungAntisemitismusErstmals verbinden sich drei Strömungen des Judenhasses zu einem FlussVeröffentlicht am 23.09.2025Lesedauer: 2 MinutenJacques Schuster, Chefredakteur WELT AM SONNTAGQuelle: Marlene Gawrisch/WELTEs gibt ein allgemeines Einvernehmen in Deutschland, die Juden wieder einmal als Gruppe in Haftung zu nehmen – als wäre jeder einzelne von ihnen ein Botschafter des Staates Israel.Traurigerweise ist es erneut nötig, einige Worte über den Antisemitismus zu verlieren. In Flensburg empörte jüngst ein Ladenbesitzer die Politik. Er hatte in das Schaufenster seines Geschäftes einen Zettel mit dem Satz geklebt: „Juden haben hier Hausverbot! Nichts persönliches (sic!), auch kein Antisemitismus, kann euch nur nicht ausstehen“.Der Vorfall mag ein einzelner sein, dennoch fügt er sich in eine Atmosphäre, die in der Geschichte der Bundesrepublik einzigartig ist. Zum ersten Mal verbinden sich die verschiedenen Strömungen des Judenhasses zu einem Fluss: Da sind diejenigen (meist auf der Linken), für welche der Antizionismus ein gerechtfertigter Antisemitismus ist, gefolgt von dem migrantischen Judenhass und dem rechtsradikalen Rassismus gegenüber Juden.Lesen Sie auchDrängte in den vergangenen Jahrzehnten mal die eine, mal die andere Gruppe in den Vordergrund, streiten nun alle drei gemeinsam – mehr und mehr getragen von einer gesellschaftlichen Atmosphäre, die die Radikalität der drei zwar für übertrieben hält, aber doch Verständnis für die Abneigung zeigt. Ein allgemeines Einvernehmen besteht darin, die Juden wieder einmal als Gruppe in Haftung zu nehmen, als wäre jeder einzelne von ihnen Botschafter des Staates Israel.Eine Berliner Grundschullehrerin erzählte kürzlich, ihr Kollegium sei dagegen gewesen, dass sie am Gedenktag zur Befreiung von Auschwitz über die Judenverfolgung in ihrer 6. Klasse sprach.Auch die Kinder maulten: Während die einen sich weigerten, vor dem Hintergrund des Gazakriegs über die Schoah zu reden, bestanden die anderen darauf, über den Opa zu sprechen, der in Kriegsgefangenschaft auch gelitten hätte. Deutschland im Jahr 2025.
Antisemitismus: Erstmals verbinden sich drei Strömungen des Judenhasses zu einem Fluss - WELT
Es gibt ein allgemeines Einvernehmen in Deutschland, die Juden wieder einmal als Gruppe in Haftung zu nehmen – als wäre jeder einzelne von ihnen ein Botschafter des Staates Israel.






