86 Jahre. So hoch ist das Durchschnittsalter der Männer und Frauen, die ins Awo-Seniorenzentrum Kirchseeon einziehen. Die Zahl hat Heimleiterin Lydia Wörlein sofort parat. Wie auch die Namen fast aller 120 Bewohnerinnen und Bewohner ihres im Juli 2025 bezogenen Hauses. Was sie nicht hat: Eine spezielle Demenzstation mit abgesperrten Türen, damit die Bewohner nicht weglaufen können. „Wir wollten keine beschützende Wohneinheit, weil wir zunehmend weniger Unterbringungen mit richterlichem Beschluss haben, die dem vorangehen muss“, sagt Wörlein, die der Einrichtung bereits am vorherigen Standort viele Jahrzehnte geführt hat.

Laut Mandy Stamm, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Ebersberg, leben in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, in Bayern seien es in der Altersgruppe 65plus etwa 257 000 Betroffene. Details (Stand 2023) zu Geschlecht, Altersgruppe oder Landkreis zeigt der AOK-Gesundheitsatlas Deutschland. Etwa 70 Prozent, so Stamm, würden zu Hause gepflegt, der Rest in Heimen oder alternativen Wohnformen, wie den stark nachgefragten Demenz-WGs.

Im Awo-Heim Kirchseeon sind bewusst in die vier Wohngruppen auch Personen mit „Hinlauftendenzen“ integriert. Der Ausdruck bezieht sich auf den Zustand, in dem ein Demenzerkrankter sich unvermittelt aus einer für ihn sicheren Umgebung entfernt und aufgrund des Orientierungsverlustes nicht selbständig zurückkehren kann. Die Lösung: das Desorientierten-Fürsorgesystem. Dabei handelt es sich um rund ums Haus verbaute Funkschleifen, die mit personalisierten Transpondern verbunden sind, die man wie eine Uhr am Handgelenk trägt. Allerdings schließen sich in Kirchseeon nicht wie anderswo automatisch die Türen beim Nähern, sondern es geht, sobald das Gebäude verlassen wird, ein Handyalarm bei Pflegemitarbeitern, Betreuungskräften und in der Wohngruppe ein. Dann begleitet ein Mitarbeiter die Person zurück.