„Wir haben immer mehr Menschen in diesem Land, die arbeiten schlicht und ergreifend nicht, um zu leben, sondern um irgendwie zu überleben“, ruft Dennis Radtke in den Saal. Im Sommer sei er in Wattenscheid an einer Tankstelle mit dem Verkäufer ins Gespräch gekommen. Der habe ihm gesagt: „Junge, ich bin einfach im Arsch.“ Er sei 70, habe 47 Jahre Gerüstbau gemacht. Trotzdem müsse er jetzt in der Tankstelle arbeiten, weil das Geld nicht reiche.

Es sind Erfahrungen wie diese, die Radtke umtreiben. Er ist seit einem Jahr Vorsitzender des Arbeitnehmerflügels der CDU, der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Der Flügel ist am Samstag zu seinem Bundesausschuss, einer Art kleinem Parteitag, zusammengekommen. Bezeichnenderweise in einem Saal der Frankfurter IG Metall.

„Eine veritable Vertrauenskrise unserer Demokratie“

Radtke, er ist auch Mitglied des Europaparlaments und des CDU-Bundesvorstands, verlangt schon lange ein Nachjustieren des Kurses seiner Partei. Die CDU müsse die soziale Sicherheit genauso wichtig nehmen wie die äußere und die innere Sicherheit, findet er. „Das Aufstiegsversprechen, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist kaputt“, sagt er in seiner Rede in Frankfurt. Seine Großväter hätten sich mit harter Arbeit noch etwas aufbauen können. Heute gebe es aber sehr viele Menschen, die genauso hart arbeiten würden, sich aber nichts mehr aufbauen könnten, für die etwa der Kauf eines Häuschens oder einer Wohnung unerreichbar sei.