„Ich winselte einmal in der Nacht immerfort um Wasser“, schrieb Franz Kafka 1919 in seinem „Brief an den Vater“. Es ist eine seiner Erinnerungen an den für ihn übermächtigen Hermann Kafka. Sein Vater nahm ihn als Strafe in dieser Nacht irgendwann aus dem Bett, stellte ihn, das kleine Kind, vor die Haustür und ließ ihn „dort allein vor der geschlossenen Tür ein Weilchen im Hemd stehen“. Noch Jahre litt Franz Kafka unter der quälenden Vorstellung, dass ihn sein Vater einfach draußen abstellen konnte, dass er „ein solches Nichts für ihn war“.
Es ist eine der vielen traurigen Passagen in dem berühmten, nie abgeschickten Brief, in dem Kafka den Konflikt mit dem Vater irgendwie aufzuarbeiten, für sich zu bewältigen versucht. Der sehr persönliche Text ist lange schon ein Schlüssel in der Kafka-Forschung. Wie sich solche Textzeilen zart und bildhaft einprägen können, wie sich Privates in ein menschlich Allgemeines überführen lässt, zeigen nun „Kafkas Erzählungen“ am E.T.A.-Hoffmann Theater in Bamberg, inszeniert von Hausregisseur Jasper Brandis.
Der Autor und Dramaturg John von Düffel hat sich mit diesem Auftakt seiner Intendanz in Bamberg einen Traum erfüllt. Schon vor eineinhalb Jahren habe er gewusst, dass er mit „Kafkas Erzählungen“ sein Haus eröffnen wolle, sagt er nach dem Schlussapplaus am Freitagabend auf der großen Bühne. „Das, was ich mir erhofft habe, ist eingetreten.“ Mit Emphase schließt er dann seine sehr knappe Rede: „Der poetische Raum ist eröffnet!“ Und zugegeben, so ist es.






