Als er das erste Mal an einem Steuerrad stand, war Karl Hofstätter neun Jahre alt. «Da konnte ich gar nicht drübergucken», erinnert sich der Kapitän fast 60 Jahre später. Kurzerhand habe man ihm eine umgedrehte Bierkiste als kleines Podest hingestellt. «Das war für so einen Dreikäsehoch natürlich ein tolles Gefühl.»Heutzutage sitzt Hofstätter entspannt auf einem ledernen Sessel und manövriert die «Königin Silvia» mit der Hand an der Hauptsteuerung. Anstelle eines großen Rads braucht er dafür nur noch einen kleinen Hebel zum Drehen.Als Kapitän und Geschäftsführer der Weißen Flotte Heidelberg ist Hofstätter im Dreiländereck Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen unterwegs. Und im weitesten Sinne einer der Nachfolger der Großherzoglich Badischen Rheindampfschifffahrtsgesellschaft, die vor 200 Jahren - am 22. September 1825 - in Karlsruhe gegründet wurde. «Als erste Firma wollte sie Personen und Fracht zwischen Mannheim und Basel befördern», heißt es in der Festschrift zu 200 Jahre Karlsruher Institut für Technologie (KIT).Kleiner Karl bekam Fernweh am NeckarHofstätter ist in Neckargemünd aufgewachsen. «Wenn ich Schiffe gesehen habe, habe ich Fernweh gekriegt», erzählt er. Vom Wirtschaftsgymnasium in Heidelberg sei er lieber mit dem Schiff als mit dem Bus heimgefahren. «Die Eltern haben gemotzt, weil das viel länger gedauert hat.»Ende der 1970er habe die Fernsehserie «MS Franziska» seinen Wunsch bekräftigt, Binnenschiffer zu werden. In der Schule ging es etwa um Elektronik und Steuerung. «Und man lernt kochen», sagt Hofstätter. An Brandteig und Gulasch erinnere er sich. Zu Hause koche aber seine Frau. «Sie kann das viel besser.»Rund 800 Kapitäne und Schiffsoffiziere gibt es heute in Deutschland laut ihrem Verband - ohne Hochsee- und Küstenfischerei. Hofstätter hat nach sieben Jahren das Schifffahrtspatent - das Schiffsführerzeugnis - gemacht. «Schifffahrt lernt man nicht aus einem Buch», ist er überzeugt.«Heute ist schönes Wetter, alles easy Ententeich», sagt er beim Blick voraus. Aber Flüsse hätten Untiefen. Bei Hochwasser mit Strömungen anlegen, mit Windböen umgehen, die verzögerte Reaktion eines Schiffs bedenken - dafür brauche man Erfahrung. «Und jedes Schiff ist anders.»Immer wieder sind zudem Kanuten, Stand-up-Paddler oder Tretboote mitten auf dem Neckar unterwegs. «Da bleibt mir nur zu hupen», sagt er - und tut's.Herausforderungen für BinnenschifferIm Generallandesarchiv Karlsruhe schlummern die Statuten der Großherzoglich Badischen Rheindampfschifffahrtsgesellschaft. Elf Seiten. In Artikel 3 geht es um den Zweck: den Rhein mit Dampfbooten «zu jedem nicht verbotenen Zweck zu befahren, und auf solchen Menschen, Waaren und Landeserzeugnisse aus badischen Häfen in badische Häfen zu verbringen (...)».Das Auftauchen erster Dampfschiffe war nach Worten von Geschichtsprofessor Kurt Möser vom KIT eine wirkliche Revolution. Mit ihnen seien der
«Alles easy Ententeich» - aus dem Leben eines Kapitäns - WELT
Vor 200 Jahren wurde die Großherzoglich Badische Rheindampfschifffahrtsgesellschaft gegründet. Vieles hat sich verändert. Ein Kapitän erzählt vom Leben auf Flüssen und Kanälen quer durch Europa.






