PfadnavigationHomeICONISTTrendsNetflix-Doku „Rebel Royals“Die Prinzessin, ihr Sex-Schamane – und ihr Weg in die LächerlichkeitVeröffentlicht am 25.09.2025Lesedauer: 5 MinutenHusten „negative Energien aus“: Märtha Louise und Durek VerrettQuelle: Courtesy of NetflixNorwegens Königstochter Märtha Louise hat eine Doku über ihr Leben drehen lassen. Darin präsentiert ihr Ehemann, der exzentrische Schamane Durek Verret, sein beachtliches Ego. Die Norweger sind alles andere als begeistert.Am Anfang hecheln sie. Die Kamera zeigt das Paar in einer Séance, sie sitzen im Schneidersitz, die Augen geschlossen, und schnappen aufgeregt nach Luft wie zwei Menschen, die gerade eine verschluckte Fischgräte ausgespuckt haben.Aber sie husten nur „negative Energien aus“, lassen „böse Geister aus ihrem Körper“, während sie kurz zuvor mit Verstorbenen oder Engeln gesprochen haben, sagt er – Märtha Louise, Prinzessin von Norwegen, und ihr Mann, Durek Verrett, sind anders als andere. Dies zeigen sie der Welt in der Dokumentation „Rebel Royals“, die nun auf Netflix zu sehen ist. In anderthalb Stunden plaudern die beiden über ihre Liebe, die böse Presse, die diese verhindern wollte, und das Verrett gegenüber angeblich feindlich gesinnte Königshaus.Während sich außerhalb Skandinaviens wohl kaum jemand ernsthaft über den selbst ernannten „Schamanen“ Verrett echauffieren kann, begegnen ihm die Norweger mit großer Skepsis. Denn der Kalifornier bezeichnet sich selbst als Mischwesen aus „Weltraumeidechse und Andromedaner“, verkaufte zu Corona-Zeiten für 222 Dollar ein „Lichtamulett“, das vor Covid-19 schützen sollte, und behauptete, in einem vorherigen Leben ein ägyptischer König gewesen zu sein. Bei den Bewohnern des Königreichs, deren analytischer Verstand so kühl ist wie die Wassertemperatur eines nordnorwegischen Fjordes, sank seine Glaubwürdigkeit damit rasch auf den Wert eines gewöhnlichen Rabattmarkenfälschers.Schamane mit haushohem Ego und Gucci-Klamotten Das norwegische Königshaus steht gerade ramponiert da. Ab dem 3. Februar 2026 verhandelt das Osloer Gericht gegen Marius Høiby, den Sohn von Prinzessin Mette-Marit, wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs in mehreren Fällen; an 24 Tagen wird die Kammer das Intimleben des 27-Jährigen ausbreiten – weltweite Live-Berichterstattung inklusive. In Umfragen geben mittlerweile 60 Prozent der Bevölkerung an, dass das Königshaus an Glaubwürdigkeit verloren habe.Lesen Sie auchDurek Verrett dagegen wünscht sich in der Doku, auch „ein Royal zu sein“ und zur Familie „dazuzugehören“. Er meint, dass er dem steifen Haus etwas Farbe verleihen würde, und gemessen an seiner Kleidung stimmt das auch. Doch der Amerikaner fühlt sich unverstanden und sagt, dass er aus Sicht der Bevölkerung „deren Prinzessin geklaut“ hätte. Außerdem macht er sich über die nordische Bescheidenheit lustig: „Ich hasse die, sie ist wirklich abstoßend“, sagt er und tut vor der Kamera so, als müsse er sich übergeben.In der Tat kann die Art Protestantismus mit menschlichem Antlitz, wie er zwischen Meer und Fjell zelebriert wird, auf Kontinentaleuropäer irritierend wirken. Stets wird untertrieben, höflich gelächelt, Konflikte heruntergespielt, die heimelige Gemütlichkeit als Lebenszweck bemüht. Verrett, der stets von seinem hochhausgroßen Ego spricht, der Gucci-Klamotten trägt, sich schminkt und sich stundenlang über seine sexuellen Vorlieben auslassen kann, fällt da aus dem Rahmen.Die Medien stellen sich vor das KönigshausAnscheinend hält er es aber auch nicht für angebracht, sich in Oslo so zu verhalten, wie es die Osloer tun. Als er bei seiner ersten Begegnung mit dem Königspaar Harald und Sonja in Kimono und Cowboystiefel auftrat, gelang es beiden Regenten offenbar minutenlang nicht, ihre Verblüffung zu verbergen. Für Verrett ein Zeichen ihrer Ablehnung, denn er wollte doch „einfach nur ich selbst sein“. Außerdem bescheinigte er dem König, keine Ahnung von dem Rassismus zu haben, der ihm jeden Tag entgegenschlage.Das war keine gute Idee. Denn nun stellen sich die Medien des Landes vor das Königshaus. Einen „Vatermord“ warf die führende Zeitung „Aftenposten“ am Mittwoch der Kronprinzessin vor, die ihren Gatten so losledern ließ.Märtha Louise klagt indes über die Presse, die sie verfolgen würde; ihr Mann sekundiert: „Die Medien mögen mich nicht.“ Sie bezahlten auch gut, fügt seine Frau an, und meint damit wohl, dass Informanten geschmiert würden. „Sagt ausgerechnet die, die ihre Hochzeit an ein Klatschblatt verkauft hat“, ätzt „Aftenposten“. Tatsächlich hat die britische Regenbogen-Postille „Hello“ eine unbekannte Summe an die Vermählten bezahlt, um die Hochzeit exklusiv vermarkten zu können. Der Steuerzahler nämlich ist außen vor; Märtha Louise hat sich 2022 vom Königshaus losgesagt, übernimmt keine Pflichten mehr, erhält keine Apanage und trägt nur noch den Titel „Prinzessin“. Das Schloss pochte darauf, dass das Paar seine Wirtschaftsaktivitäten wie die Distribution von heilenden „Lichtamuletten“ vom Königshaus trennt.Lesen Sie auchDiese Vereinbarung hat sie aus Sicht des Königspaares gebrochen. In einer seltenen Mitteilung gab das Schloss auf Anfrage bekannt, dass die Prinzessin und Verrett das Abkommen verletzt hätten. „Wie wir bereits früher vermittelt haben, wünschte sich das Königshaus, nicht zu dieser Produktion beizutragen.“ Doch Harald tauchte in mehreren Archivszenen auf.Das Volk liebt mich, meint Märtha Louise dennoch voller Inbrunst im Interview. Zeigen wollte sie sich ihm aber nicht im schönsten Moment ihres Lebens. Im Film bewegt sich das Paar im Garten ihres Hochzeits-Hotels „Union“ zwischen Bettlaken, die Helfer aufspannen und sie so vor Kameralinsen abschirmen. „Mein Gott ist das heiß hier“, stöhnt der Schamane, als er wie Hui Buh, das Schlossgespenst, unter dem Laken in der Limousine umherkutschiert wird, damit die paar Passanten bloß kein Handy-Foto machen.Der Film ist voll mit solch unfreiwillig komischen Momenten. Die Kommentatorin der Zeitung „Verdens Gang“ meint, dass sich die beiden mit der Doku der „völligen Lächerlichkeit“ preisgegeben hätten. Ob das eine Neuigkeit ist, steht dahin. Denn Märtha Louise stand in der Vergangenheit häufig in der Kritik wegen ihrer „Engelschule“ oder anderen esoterischen Ausflügen in die Welt der paranormalen Phänomene. Insofern scheint sie mit dem astro-reptiloiden Schamanen ihren Seelenverwandten gefunden zu haben. Deutlich zeigt der Film, dass sie ihn über alles liebt und glücklich mit ihm ist.Mittlerweile scheinen sich nicht mehr alle Norweger sicher zu sein, ob es eine gute Idee ist, sich Royals zu leisten. Die 500 Mitglieder starke Mini-Organisation „Norwegen als Republik“ hat ausgerechnet, dass die königliche Familie den Steuerzahler umgerechnet 53,7 Millionen Euro im Jahr kosten würde – Peanuts für ein Land, das im Jahr einen Haushaltsüberschuss zwischen 40 und 50 Milliarden Euro erwirtschaftet und dessen Ölfonds 1,6 Billionen Euro wert ist.Aber Sinnhaftigkeit ist eben ein Wert für sich. Unter dem „Aftenposten“-Artikel steht ein Leser-Kommentar, der die meisten Likes erhielt: „Es ist schwierig, Märtha Louise für das zu respektieren, was sie tut“, schreibt dort ein Nutzer. „Für mich haben sie und der Sohn der Kronprinzessin das Interesse für eine Republik wachsen lassen.“