PfadnavigationHomekmpktWissenschaftlich geprüftDarum ist das die vielleicht beste Kinderserie aller ZeitenVeröffentlicht am 06.10.2025Lesedauer: 6 MinutenWillkommen bei den Heelers! Dad Bandit, Mum Chilli (oben von links nach rechts), die Schwestern Bingo und Bluey (unten von links nach rechts)Quelle: Disney PlusBildschirmzeit für die Kleinsten – ein kontroverses Thema. Es kommt eben auf die Inhalte an. Ein australisches Forschungsteam hat nun herausgefunden, dass eine Serie einen ganz besonderen Mehrwert für Kleinkinder liefert.Sie ist sechs Jahre alt, lebt mit ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Bingo sowie ihren Eltern im australischen Brisbane und ist womöglich der beste Resilienz-Coach im TV. Die Rede ist von Bluey, einer Blue-Heeler-Hündin und Hauptfigur der gleichnamigen Kinderserie, die in Deutschland beim Streaminganbieter Disney Plus zu sehen ist. Zu dieser Erkenntnis kam zumindest ein medienpädagogisches Forschungsteam der CQUniversity Australia, das insgesamt 150 Folgen der Erfolgsserie analysierte. Allein im vergangenen Jahr hat „Bluey“ in den USA für mehr als 35 Milliarden gestreamte Minuten gesorgt und war damit die meistgesehene Serie dort, wie das Branchenmagazin „Variety“ berichtete. Im Sommer 2027 soll sogar ein Kinofilm erscheinen. Das wohl aus gutem Grund, wie die im Fachjournal „Educational and Developmental Psychologist“ veröffentlichten Studienergebnisse unterstreichen. Ehe wir dir aber verraten, wieso ausgerechnet diese australische Zeichentrickserie über eine Hundefamilie so pädagogisch wertvoll sein soll, kannst du uns noch diese eine Frage beantworten: TV für Kinder: Ein Streitthema – doch „Bluey” bietet einen entscheidenden pädagogischen Mehrwert Ob und wie viel Zeit Kinder vor Bildschirmen verbringen sollen, wird in der Forschung immer wieder kontrovers diskutiert. Unter Eltern ist bildschirmfreie Erziehung fast schon eine Glaubensfrage. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt für Kinder unter drei Jahren am besten gar keine Bildschirmmedien, für Kinder zwischen drei und sechs Jahren 30 Minuten täglich und für die Altersgruppe von sechs bis neun Jahren maximal 45 Minuten am Tag. In der Realität dürfte dieses Zeitfenster bei vielen Kleinkindern deutlich höher liegen. Es kommt jedoch auch darauf an, wie audiovisuelle Medien konsumiert werden – also etwa begleitend mit den Eltern oder allein – und auch was für Inhalte angesehen werden. Lesen Sie auchSo schlagen einige Forscher bei Serien wie „Paw Patrol“ oder „CoComelon“ Alarm: Die in rasanter Abfolge geschnittenen Szenen in grellen Farben können Kinder schnell überreizen – und die Entwicklung des Gehirns negativ beeinflussen, wie der Psychologe Mark Travers etwa im US-amerikanischen „Forbes“-Magazin erklärt. Wenn Vorschulkinder allerdings bereits TV schauen, dann sollten Eltern vielleicht eher die australische Zeichentrickserie „Bluey“ einschalten. Denn die hat im Gegensatz zu „CoComelon“ und Co. laut Bradley Smith, Psychologe an der CQUniversity, einen Vorteil, wie er in einem Beitrag auf der Wissenschafts-Plattform „The Conversation“ schreibt: Bluey unterhält nicht nur Kinder, sie zeigt auch, wie man mit den Höhen und Tiefen des Lebens umgehtDamit vermittele die Serie eine psychologische Kernkompetenz, deren Basis bereits im jungen Alter gelegt wird und von der Menschen in ihrem späteren Leben immens profitieren können. Unter Resilienz versteht man die Fähigkeit, mit Herausforderungen umzugehen, sich an Rückschläge anzupassen und sich von Schwierigkeiten zu erholen. Untersuchungen zeigen, dass Resilienz Kindern hilft, mit Stress umzugehen, ihre Emotionen zu regulieren, bessere Beziehungen aufzubauen und sogar bessere Leistungen in der Schule zu erbringen. Ohne sie sind Kinder möglicherweise anfälliger für Ängste, Depressionen und schlechte Bewältigungsstrategien im späteren Leben. Doch wie bitte soll eine Blue-Heeler-Hündin Kindern etwas über psychologische Widerstandsfähigkeit und den Umgang mit Rückschlägen vermitteln? „Bluey“: Diese Punkte sprechen für die australische Kinderserie „Geschichten in Filmen, Büchern und im Fernsehen können Kindern zeigen, wie sie Herausforderungen meistern können – nicht durch Belehrungen, sondern durch das Vorleben von Verhaltensweisen wie Emotionsregulation, Problemlösung und Empathie“, erklärt Smith, der an der Studie beteiligt war. Tierfiguren können dabei spielerisch fiktive Vorbilder für die Kinder sein. Genau hier setzt auch die Serie „Bluey“ an, die seit 2018 im australischen öffentlich-rechtlichen Programm ABC Kids läuft. Die Serie ist bekannt für ihre realistische Darstellung des Familienlebens mit kleinen Kindern: von kleinkindlichen Wutanfällen über extraordinäre Wunschzettel bis hin zu Streitereien mit anderen Kindern. Die kurzen Geschichten werden humorvoll erzählt und bieten sowohl für Kinder als auch Eltern vor dem TV Wiedererkennungspotenzial. Mutter und Vater teilen sich die Sorgearbeit, erziehen bedürfnisorientiert und nehmen an den fantasievollen Rollenspielen ihrer Töchter teil. Aber auch schwierige Themen werden kindgerecht angesprochen, wie etwa Fehlgeburten oder unerfüllter Kinderwunsch. Jede Episode dauert gerade einmal fünf bis sieben Minuten – ideal also für die empfohlene Mediennutzungsdauer von Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren. Über die Hälfte aller „Bluey“-Folgen stärkt die Resilienz von Kindern Um festzustellen, inwiefern die insgesamt 150 Folgen von „Bluey“ aber tatsächlich einen Mehrwert für die jüngsten Zuschauer liefern, haben die Medienpädagogen und –Psychologen die Serie nach dem sogenannten Grotberg-Resilienz-Modell analysiert. Dabei handelt es sich um ein in der Psychologie weithin anerkanntes Modell, das Resilienz in drei Schlüsselelemente unterteilt: Ich habe: umfasst die Unterstützungssysteme rund um ein Kind, wie Familie, Freunde und Vorbilder in der Gemeinschaft, auf die es sich verlassen kann. Ich kann: umfasst praktische Bewältigungsstrategien wie Problemlösung, Umgang mit Emotionen und das Bitten um Hilfe, wenn nötig. Ich bin: umfasst die inneren Stärken eines Kindes wie Selbstvertrauen, Optimismus, Emotionsregulation und Selbstwertgefühl. Dabei fanden die Forscher heraus: Fast die Hälfte aller Episoden, nämlich 73 von 150, enthielten eine klare Botschaft zur Resilienz als primäres oder sekundäres Thema. Fast zwei Drittel der Resilienz-Momente wurden von einem Elternteil ermöglicht – meist von Blueys Mutter. Dies passt zur Kategorie „Ich habe“, die hervorhebt, wie Kinder in schwierigen Situationen Kraft aus der Fürsorge von Erwachsenen schöpfen. Die Serie bietet vielfältige Lösungsansätze Ein Beispiel dafür sei Folge 19, „Die Aufführung“, der zweiten Staffel, in der die Mutter ihrer Tochter Bingo dabei hilft, mit negativen Emotionen umzugehen. Als Bingo versehentlich ein Frühstückstablett fallen lässt, bricht sie in Tränen aus. Daraufhin sagt die Mutter, was sie in solchen Momenten macht: „Ich weine ein bisschen, dann rappele ich mich wieder auf, klopfe mir den Staub ab und mache weiter.“ Später in der Folge nutzt Bingo diese Strategie in einer ähnlichen Situation. In fast jeder Folge wird zudem dargestellt, wie Kinder ihre Konflikte und Herausforderungen selbstständig lösen können. „Wir haben festgestellt, dass Bluey fast alle Kernelemente der Resilienz anspricht: Vertrauensvolle Beziehungen, emotionale Kommunikation, Problemlösung, Selbstregulierung, Empathie und vieles mehr“, erklärt Smith. Einen Tipp hat der Psychologe allerdings an Eltern: Wenn Eltern mitschauen, werden solche Momente zu Gesprächsanlässen. Zum Beispiel: Was glaubst du, wie Bluey sich in diesem Moment gefühlt hat? Hast du dich schon einmal so gefühlt? Oder: Was würdest du in dieser Situation tun?Über das zu sprechen, was Kinder auf dem Bildschirm sehen, könne helfen, zu reflektieren, zu verarbeiten und die Fähigkeiten zu entwickeln, mit ähnlichen Situationen umzugehen, sich anzupassen und zu wachsen. Ist „Bluey“ nun also die beste Kinderserie der Welt? Vielleicht – zumindest ist sie eine der wenigen Serien, bei denen der pädagogische Mehrwert wissenschaftlich untersucht wurde. Wie stehst du zu Medienkonsum von Kindern? Teile deine Meinung und Erfahrungen gerne in einem Kommentar mit der WELT-Community.