14,5 Prozent bei der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen, 19 Prozent in der aktuellen Forsa-Sonntagsfrage, wenn jetzt Landtagswahl in Bayern wäre: Der anhaltende Höhenflug der AfD treibt den Präsidenten des Bayerischen Gemeindetags, Uwe Brandl (CSU), dieser Tage ganz besonders um. Der Grund: In einem halben Jahr finden im Freistaat die nächsten Kommunalwahlen statt. Und Brandl befürchtet, dass die 14,5 Prozent in NRW und die 19 Prozent in der Sonntagsfrage für Bayern „die Range sind, die für die AfD drin sind“ am Wahltag am 8. März 2026. Das wäre, wie in NRW, eine Verdreifachung ihres Ergebnisses bei der Kommunalwahl 2020. Damals erzielte die AfD 4,7 Prozent.Derzeit beginnen die Parteien überall im Land, ihre Kandidatenlisten für die Gemeinde- und Stadträte, die Kreis- und die Bezirkstage aufzustellen. Wie Brandl einräumt, hat er zwar keinen genauen Überblick, wie es dabei für die AfD läuft. „Aber meine 30 Jahre Erfahrung als Bürgermeister sagen mir, dass jede Partei oder Gruppierung, die es schafft, für eine Kommunalwahl eine Kandidatenliste zusammenzubringen, es ebenfalls schafft, am Wahltag wenigstens ein Mandat in dem jeweiligen Gremium zu holen“, sagt Brandl. „Und dieses eine Mandat kann ausreichen, dem Bürgermeister und dem Gemeinderat die Arbeit richtig schwer zu machen“ – mit Anträgen zur Geschäftsordnung etwa.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Zugleich stellen Brandl und seine Mitarbeiter im Gemeindetag fest, dass sich die Parteien und kommunalpolitischen Gruppierungen insgesamt schwertun, ausreichend Kandidaten für die Kommunalwahl zu finden. „Wir bekommen derzeit jede Menge Anrufe mit Klagen, dass Bewerber für die Listen fehlen, besonders krass ist der Mangel bei Frauen“, sagt Brandl. „So schlimm war es noch nie.“ Insgesamt sind bei den bevorstehenden Kommunalwahlen ungefähr 39 000 Mandate in Gemeinde- und Stadträten sowie Kreis- und Bezirkstagen zu vergeben. Außerdem werden in den 2056 kreisangehörigen Gemeinden und 71 Landkreisen die meisten Bürgermeister und Landräte neu gewählt.Was die Bürgermeister und die Landräte anbelangt, ist Brandl nicht so pessimistisch – und zwar sowohl was die Kandidatenfindung der Parteien betrifft, als auch etwaige Erfolge der AfD bei der Wahl selbst anbelangt. Bürgermeister- und Landratswahlen gelten grundsätzlich als Persönlichkeitswahlen. Das heißt, dass Bewerber fest im Gemeindeleben verankert sein müssen, wenn sie Aussicht auf Erfolg haben sollen: also in den Vereinen, in der Wirtschaft und im gesellschaftlichen Leben der jeweiligen Kommune.Landespolitik:Ist die AfD in Bayern noch zu stoppen?Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der SZ würden 19 Prozent bei einer Landtagswahl für die AfD stimmen. Die Politikwissenschaftlerin Jasmin Riedl erklärt, woran das liegt – und was die etablierten Parteien anders machen sollten.„Und zumindest bisher kann ich nicht erkennen, dass die AfD in diesem Milieu der Honoratioren Fuß gefasst hat“, sagt Brandl. „Zwar mag es da auch den einen oder anderen Sympathisanten geben, aber nach meinem Wissen hat sich noch nicht wirklich einer geoutet.“ Insgesamt sei es nach wie vor so, dass die AfD ihre Gefolgsleute „mehr im Stammtischmilieu hat“ – und dort sei die Bereitschaft für ein ernsthaftes Engagement ja eher gering. Brandl sagt das freilich unter dem Vorbehalt, dass „sich all das von heute auf morgen ändern kann“.Hauptgrund der angespannten Situation in den Kommunen ist für Brandl deren finanzielle Misere. Die Schulden der Gemeinden, Landkreise, Städte und Bezirke hätten sich binnen zwei Jahren mehr als verdoppelt: von 2,5 Milliarden Euro in 2023 auf inzwischen 5,3 Milliarden Euro. Die Explosion der Sozialausgaben sei dabei der entscheidende Faktor. Sie seien allein in den vergangenen drei Jahren um 30 Prozent nach oben geschnellt.Gemeindetagspräsident Uwe Brandl Carsten Koall/dpaAuch der Freistaat setze vielfach falsche Akzente. Als Beispiel nennt Brandl die einkommensunabhängige Bezuschussung der Kita-Beiträge mit 100 Euro pro Kind und Monat. „Das ist der Sündenfall“, sagt er. „Denn auf der anderen Seite fehlen überall im Land Kita-Plätze!“ Zugleich müssten Gemeinden immer öfter die Zuschüsse für die Vereine streichen, Hallenbäder, Turn- und Sporthallen schließen oder – wie in Zirndorf – Sparkommissionen einsetzen.Für Brandl kommt es jetzt darauf an, dass die Kommunen schnell wieder handlungsfähig werden. „Wir Kommunen sind der Ort, an dem die Menschen die Politik direkt zu spüren bekommen“, sagt er. Wenn die Staatsregierung etwas dagegen tun wolle, dass die Gesellschaft auch in Bayern an den Rändern immer weiter ausfranst, müsse sie unbedingt die Kommunen stärken. Etwa indem sie dafür sorge, dass die 100 Milliarden, die der Bund aus seinem Sondervermögen für die Länder und die Kommunen reserviert hat, möglichst direkt und unbürokratisch verteilt werden.Brandl fordert 70 Prozent des Geldes für die Kommunen. „Bisher sieht es freilich nicht danach aus“, sagt Brandl. Die Staatsregierung wolle den bayerischen Anteil in bestehende Förderprogramme stecken. „Bis es dann bei uns Gemeinden landet, vergeht viel Zeit“, sagt Brandl. „Wir brauchen es aber schnell.“