Der erste Spieltag der Champions League wartete mit Überraschungen auf, und sie waren gar nicht mal so klein: Der belgische Vertreter Union Saint-Gilloise debütierte im wichtigsten Vereinswettbewerb der Welt mit einem 3:1-Sieg bei der PSV Eindhoven, der FK Karabach landete einen noch erstaunlicheren Erfolg: Der Klub aus Aserbaidschan verwandelte am Mittwoch einen 0:2-Rückstand bei Benfica in Lissabon in einen 3:2-Sieg. Und dennoch war die Verblüffung über diese Gegebenheiten eher klein im Vergleich zu dem, was sich in der Nacht zum Mittwoch Bahn brach: Erst wurde Benficas Trainer Bruno Lage, 49, entlassen. Dann zeichnete sich ab, dass Benfica einen sehr prominenten Nachfolger präsentieren würde. Sein Name: José Mourinho, 62.Die vergangenen Tage hätten Spuren hinterlassen, sagte Benfica Präsident Rui Costa, als er mitten in der Nacht – in Deutschland war es da schon weit nach zwei Uhr morgens – in einer improvisierten Pressekonferenz vor die Medien trat. Vor der als peinlich empfundenen Pleite gegen Karabach hatte Benfica am Freitag in der Liga bloß ein 1:1 gegen Santa Clara erzielt, und das war nicht minder beschämend. Am Mittwochmorgen meldeten diverse portugiesische Medien übereinstimmend, dass Mourinho seinen Urlaub abbrechen werde, um einen Vertrag bis 2027 zu unterschreiben. „Dem Herrn, der mir nachfolgt, möchte ich alles Gute wünschen“, sagte Bruno Lage, als er am Mittwochvormittag auf dem Klubgelände auftauchte, um sich zu verabschieden. Wenn es Mourinho sein sollte, umso besser, fügte Lage hinzu: „Er ist ein Mann, der Benfica gut kennt.“Madrid in der Champions League:Real, die Schiedsrichter – und ein strittiger ElfmeterIn der Liga fühlte sich Real Madrid von Schiedsrichtern verfolgt. In der Champions League bezwingt das Team Olympique Marseille –dank eines mindestens glücklichen Handelfmeters.Das kann man wohl sagen. Erst vor ein paar Wochen scheiterte Mourinho mit Fenerbahce Istanbul in der Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League an Benfica, von den Türken wurde er dafür gefeuert. Doch die Kenntnis geht weit über die jüngere Vergangenheit hinaus. Für Mourinho würde sich sogar ein Kreis schließen. Zwar wird sein Wirken in Portugal vordringlich mit dem FC Porto in Verbindung gebracht; er holte mit den „Dragões“, den „Drachen“, 2003 den Uefa-Cup und 2004 die Champions League. Seinen ersten Job als Cheftrainer aber hatte er im Jahr 2000 bei Benfica übernommen, seinerzeit als Nachfolger von Jupp Heynckes.Mourinhos erstes Engagement bei Benfica endete in einem ZerwürfnisDas Engagement bei Benfica endete damals jäh und mit einem Zerwürfnis. Nach einem 3:0-Sieg gegen Benficas Lokalrivalen Sporting hatte Mourinho vom seinerzeit frisch gewählten Präsidenten Manuel Vilarinho eine Vertragsverlängerung verlangt. Vilarinho attestierte dem jungen Mourinho zwar in einem Interview, ein „exzellenter Trainer“ und „ein halber Hexer“ zu sein. „Er hatte damals eine wahre Drecksmannschaft“, sagte Vilarinho, dennoch holte Mourinho aus elf Spielen sechs Siege, drei Unentschieden und zwei Niederlagen. Den Trainer im Amt zu bestätigen, war ihm dennoch nicht geheuer, er sei das Gefühl nicht losgeworden, dass Mourinho als Trainer noch „nicht lesen und schreiben“ konnte. „Dies ist ein sehr trauriger Tag für mich“, sagte Mourinho, als er am 5. Dezember 2000 seinen Rücktritt bei Benfica verkündete.In den Folgejahren stellte Mourinho unter Beweis, dass er alles andere als ein fußballerischer Analphabet ist – unter anderem durch Meistertitel in vier Ländern (Portugal, England, Italien und Spanien). Er bewies auch in anderer Hinsicht, dass ihm die Literalität alles andere als fremd ist. Die Lektüre von Kleingedrucktem? Kein Problem! In seiner Karriere hat er mehr als 100 Millionen Euro an Abfindungen eingesackt. Für die Benfica-Fans, die seinerzeit im Pressesaal weinten, wäre Mourinhos Verpflichtung gleichbedeutend mit der Chance, das unvollendete Werk vom Beginn des Jahrhunderts noch abzuschließen.Mourinho würde in der Champions League übrigens nicht nur eine Heimpartie gegen Bayer Leverkusen (5. November) ins Haus stehen, sondern auch ein besonderes Duell. Ende Januar empfängt Benfica am letzten Gruppenspieltag Real Madrid – jenen Ex-Klub Mourinhos, für den er 2010 den damals frisch gekürten Champions-League-Sieger Inter Mailand verließ.
Die Rückkehr des Unvollendeten: José Mourinho soll Benfica Lissabon übernehmen
Nach einer blamablen Niederlage in der Champions League steht Benfica Lissabon vor einer Verpflichtung von José Mourinho.














