Als der Ministerpräsident an diesem Mittwoch vor die Presse tritt, wählt er einen Vergleich. Energie sei wie Blut, sagt Markus Söder (CSU), und Energienetze seien wie Blutkreisläufe. Das Problem: Was den deutschen Kreislauf betrifft, sei man „schwächer als früher“ aufgestellt, bei den Preisen, aber auch bei der Versorgungssicherheit. Söders Fazit: Der Stromnetzausbau benötige „mehr Tempo“.In diesem Punkt herrscht im Münchner Prinz-Carl-Palais große Einigkeit: Der Ausbau der Netze muss schneller gehen, wenn nicht gar besser als bisher. Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) haben deshalb zu einem Stromnetzgipfel eingeladen, um hierzu die Meinung der Wirtschaft und im Besonderen der Energiebranche zu hören. Von einem „wichtigen Signal“ spricht hinterher Bayernwerk-Chef Egon Westphal. Denn: „Die Erneuerbaren sind entfesselt“ – aber die Kapazitäten im Netz sind begrenzt.Tatsächlich hinkt der Status quo dem Wunschzustand hinterher. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte zu Beginn dieser Woche einen von ihr beauftragten Monitoring-Bericht vorgestellt: Demnach geht die Energiewende zwar voran, doch ein inflexibles Stromnetz, mangelnde Speicherkapazitäten und eine schleppende Digitalisierung führen zu extremen Preisschwankungen und hohen Kosten. Die gelten der Wirtschaft als gewaltiger Standortnachteil im internationalen Wettbewerb.Was daraus schlimmstenfalls folgt, kann man derzeit im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg beobachten, wo das Rohrwerk Maxhütte mal wieder pleite ist. Nach Angaben der Insolvenzverwaltung liefen vor allem die Energiekosten den Umsätzen davon. Ohne einen konkurrenzfähigen Industriestrompreis „werden wir verlieren“, warnt am Mittwoch auch Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft: Ohne ihn „wird Bayern verlieren.“Sulzbach-Rosenberg:Maxhütte-Pleite: In Bayern geht eine Ära zu EndeWie kein anderer Betrieb stand die Maxhütte für Bayerns Industrialisierung, für Arbeit, Aufstieg, Wohlstand. Jetzt ist ihr letztes Überbleibsel, das Rohrwerk, insolvent – nicht zum ersten Mal. Doch diesmal bleibt es womöglich für immer zu.Dem will die Staatsregierung unter anderem Beschleunigung bei der Planung und Genehmigung von neuen Leitungen entgegensetzen. Die Verfahren hierzu sollen künftig in weniger als zwei Jahren abgeschlossen werden, sagt Söder. Dazu habe man die bayerischen Genehmigungsbehörden „massiv verstärkt“, bei Bedarf lasse sich das „nach oben skalieren“. Und: Man sei „offen von bayerischer Seite“, künftige Stromleitungen auch als Freileitungen zu planen. Das hatte die CSU früher noch vehement abgelehnt. 2015 etwa hatte die Bundesregierung auf Druck aus Bayern beschlossen, die großen Stromtrassen von Nord nach Süd trotz höherer Kosten unterirdisch zu verlegen.Aiwanger fordert „deutlich mehr Intelligenz“Nicht eingeladen zum Gipfel war die Opposition im Landtag. Einige Stunden vorher meldete sich deshalb die Grünen-Fraktion zu Wort. „Der Netzausbau wurde jahrelang von der CSU blockiert – ohne diese Blockadepolitik wären viele heutige Probleme gar nicht entstanden“, sagte Martin Stümpfig, der Energieexperte der Fraktion. Speicher würden kaum gefördert, Genehmigungsverfahren blieben überlastet, während der Ministerpräsident gleichzeitig fast ausschließlich auf Photovoltaik setze, ohne das Netz dafür fit zu machen. Allein 2024 mussten den Angaben der Grünen zufolge fast eine Million Megawattstunden Solarstrom in Bayern abgeregelt werden, konnten also nicht ins Netz eingespeist werden.Das grundsätzliche Problem des Abregelns kennen die Gipfelteilnehmer, sehen indes einen Teil der Beschleunigungs-Hausaufgaben auch in Berlin verortet. Zum Beispiel müsse der Bund ein anderes Vorgehen bei neuen Netzanschlüssen vorgeben: Vereinfacht hätten hier bislang zu oft Speicher Vorrang, während Industriebetriebe und Rechenzentren zu lange warten müssten. Aus Sicht von Wirtschaftsminister Aiwanger braucht es insgesamt „deutlich mehr Intelligenz“ beim Ausbau der Erneuerbaren und dem Optimieren des Netzes. Dann werde man die Energiewende „ins Ziel bringen“.