PfadnavigationHomeICONISTTrendsArtikeltyp:MeinungStefan Raab ShowKeine Idee, kein Witz – keine Ahnung, wo das hinführen sollVeröffentlicht am 25.09.2025Lesedauer: 5 MinutenWitzigkeit hat ihre Grenzen: Gastgeber Stefan Raab in seiner „Die Stefan Raab Show“ bei RTLQuelle: RTL / Raab Entertainment / Bene MüllerStefan Raab wagt bei RTL einen zweiten Anlauf nach seinem misslungenen Comeback. Die Show trägt seinen Namen, das Konzept gleicht dem von „TV Total“ – nur mit noch mehr RTL-Cross-Promotion. Sympathisch war Raab nie, doch jetzt fehlt ihm auch die Originalität.Es gehört sich für Menschen mit Manieren nicht, über jemanden, der ganz offensichtlich am Boden liegt – selbst wenn er das nicht wahrhaben will – auch noch einen Kübel Häme auszuschütten. Oder gar auf einen Wehrlosen kräftig draufzuhauen. Kommen wir damit zu Stefan Raab. Stefan Raab ist weder wehrlos, noch war er je ein Mann von Manieren. Raab war schon immer der Entertainer im deutschen Fernsehen, der seine Witze vor allem auf Kosten anderer machte. Gern auch auf Kosten von Leuten, die sich nicht wehren konnten – die etwa einfach zur falschen Zeit im falschen Sender an einem Maschendrahtzaun standen. Sympathisch war der Raab-Humor nie, böse und lustig aber schon, vom Publikum genossen als eine Art „guilty pleasure“.Was Raabs auf Häme beruhende Art von Humor rettete und besonders, ja sogar lange Jahre innovativ machte, waren vor allem die Mittel, die er oft sogar neu ins deutsche Fernsehen einführte. Etwa seine mit der Ukulele begleiteten kleinen Schmähliedchen, die „Raabigramme“. Oder die bösen TV-Schnipsel, die hinter einer Batterie von Knöpfen auf seinem „TV total“-Moderatorentisch auf den passenden Einsatz warteten. Oder eben Shows wie „Schlag den Raab“, die tatsächlich nur funktionierten, weil darin mit Raab ein prominenter Fernsehstar total verbissen mitmachte, der vor Ehrgeiz berstend auch noch die absurdesten Spielchen anging. Und dabei keine Sekunde den Eindruck vermittelte, dass er irgendeinem No-Name-Gegner auch nur das Schwarze unter den Fingernägeln gönnte.„Sneak Preview“ als pompös inszenierter Rettungseinsatz „Das Warten hat ein Ende“ – nun kommen „die besten 15 Minuten des Tages“: mit nicht weniger kündigt Raab seit Montag seine neue Show an. Jeden Abend in dieser Woche, immer für 15 Minuten um 20.15 Uhr, kapert der einstige ProSieben-„King of Kotelett“ das Programmschema seines neuen Heimatsenders RTL. Es ist eine „Sneak Preview“, eine Kurzversion seiner „Die Stefan Raab Show“, die ab kommender Woche dann immer mittwochs in der Primetime bis 21.30 Uhr bei RTL laufen soll. Man kann die PR-Aktion dieser Woche auch nüchterner als pompös inszenierten Rettungseinsatz bezeichnen – einen vermutlich letzten Versuch des Kölner Privatsenders, seine teure Investition in die Marke Stefan Raab noch halbwegs zu refinanzieren. Um es kurz zu machen: Jede der bisherigen 15-Minuten-Sendungen wirkt, als habe man bei RTL in Kisten mit alten VHS-Kassetten und CDs von „TV total“-Sendungen gegrabbelt, eine davon in den Recorder gesteckt und Kulisse wie Konzept von 2005 nachgebaut. Auch der Humor ist aus der Zeit – und leider nicht gut gealtert. Lesen Sie auchRaab steht wie damals in seiner Uniform aus schlabbrigen Bluejeans und hellblauem Hemd über weißem T-Shirt vor Publikum und seiner Band, die immer noch die „Heavytones“ sind. Er macht ein paar halbherzige tagesaktuelle Anspielungen (am Tag nach dem EM-Triumph der deutschen Basketballer versucht er zu Beginn einen Korbleger, der – ein Zeichen – erst im zweiten Versuch gelingt). Er drückt statt auf Buzzerknöpfe auf ein Touchpad, um die üblichen Kommentarschnipsel einzuspielen. Er macht Musik, singt im Deutschrap-Autotune-Stil seine Version der deutschen Nationalhymne mit neuer Musik zum alten Text (der Politiker Bodo Ramelow hatte sich einen neuen Text bei gleichbleibender Musik gewünscht). Er macht verächtliche Witzchen, freut sich etwa darüber, dass „die Asis“ vom „Sommerhaus der Stars“ nun eine Viertelstunde auf ihren Auftritt warten müssten, weil er sende. Er fährt zum Drive-in von Burger King und bestellt dort nur Produkte von McDonald’s, danach zu McDonald’s und ordert am Autoschalter ausschließlich Ketchup, Mayo, Süße Sauce. Es ist ein Trauerspiel. Wie frostig die Stimmung selbst beim sonst durch einen „Warm-upper“ professionell vorgeheizten Saalpublikum war, zeigt sich daran, dass während des Nationalhymnen-Stand-ups inklusive Einspielungen von Sarah Connors „Brüh im Lichte“ und der schrecklich verhunzten The BossHoss-Version exakt niemand lachte. Wäre es nicht Stefan Raab, der – siehe oben – kein Mitleid kennt und will, man müsste es mit ihm haben.Lesen Sie auchWie es aussieht, wird also auch der (vor)letzte Versuch scheitern, die Nostalgie-Offensive zu retten, die sich der einstige RTL-Chef Stephan Schäfer ausdachte und sein Nachfolger Stefan Schmitter nur noch halb überzeugt fortführte. Sie basierte auf dem Glauben, dass die Jugend für das lineare „normale“ Fernsehen ohnehin verloren sei und die Rettung nur mit bekannten Fernsehgesichtern gelingen könne. Leuten wie Jan Hofer, Thomas Gottschalk, Hape Kerkeling oder eben, von RTL als größter Coup gefeiert, das langjährige Aushängeschild der Konkurrenz: Stefan Raab. Der hatte sich tatsächlich zehn Jahre aus der Öffentlichkeit (vor der Kamera) verabschiedet. Was mit einem arg übernostalgisch inszenierten Event begann (Box-Rematch gegen Regina Halmich), entwickelte sich seitdem für RTL zur großen, durch Durchhalte-Pressemitteilungen leidlich kaschierten Enttäuschung. Nichts von dem, was Raab macht, funktioniert wirklich gut – weder die erst auf dem Streaming-Aboportal RTL+, dann frei bei RTL ausgestrahlte Spielshow „Du gewinnst hier nicht die Million bei Stefan Raab“, noch der lahme „Schlag den Raab“-Aufguss „Stefan und Bully gegen irgendson Schnulli“ mit Bully Herbig. Selbst die ESC-Suche, die RTL zur „Chefsache“ erklärte, war nicht annähernd so erfolgreich wie zu Raabs besten Zeiten. Seine „Stefan Raab Show“ und eine Quizshow zusammen mit Elton sollten seine letzten Chancen sein.Dass bereits im Februar 2025 im Dschungelcamp, der erfolgreichsten RTL-Sendung überhaupt, als Running Gag immer wieder darauf hingewiesen wurde, wie viel man nun sparen müsse, weil Stefan Raab „beim RTL“ so viel Geld bekomme, dürfte angesichts der Flaute im Werbemarkt und den arg hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Quoten der Raab-Shows einen mehr als wahren Kern haben.Wohin das führen soll? Offensichtlich zu nichts Gutem. Raabs Ankündigung für die nächste Kurzsendung: „Morgen haben wir Nudisten im Publikum. Die haben sich hoffentlich gewaschen. Und nun viel Spaß mit den Asis.“
Stefan Raab Show: Keine Idee, kein Witz – keine Ahnung, wo das hinführen soll - WELT
Stefan Raab wagt bei RTL einen zweiten Anlauf nach seinem misslungenen Comeback. Die Show trägt seinen Namen, das Konzept gleicht dem von „TV Total“ – nur mit noch mehr RTL-Cross-Promotion. Sympathisch war Raab nie, doch jetzt fehlt ihm auch die Originalität.








