PfadnavigationHomeGeschichteU-Boot-KriegZwei Torpedos von U 29 versenkten den britischen Flugzeugträger „Courageous“Veröffentlicht am 17.11.2025Lesedauer: 5 MinutenSo stellte die NS-Propaganda den Untergang des britischen Trägers HMS „Courageous“ darQuelle: picture alliance/akg-imagesNur wenige Tage nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ging die Royal Navy mit schwach geschützten Flugzeugträgern auf U-Boot-Jagd. Vor der irischen Küste geriet die HMS „Courageous“ am 17. September 1939 ins Visier eines deutschen U-Boots.Nach dem Zweiten Weltkrieg bekannte einer der Sieger, der britische Premier Winston Churchill: „Die einzige Sache, die ich während des Krieges wirklich fürchtete, war die U-Boot-Gefahr.“ Daran dürfte ein persönliches Trauma mitgewirkt haben. Am 3. September 1939 hatte Churchill erneut das Amt des Ersten Lords der Admiralität (Marineminister) übernommen, das er bereits 1914/15 innehatte. Obwohl die kaiserliche Hochseeflotte im Ersten Weltkrieg vor allem mit ihrem U-Boot-Krieg die Royal Navy beschäftigt hatte, waren deren Vorbereitungen für eine U-Boot-Bekämpfung auf das Niveau einer Nebensache abgesunken, urteilten die US-Historiker Henry Adams und Philip Lundeberg. Nur zwei Wochen später verlor die Royal Navy ihr erstes Großkampfschiff durch einen deutschen U-Boot-Angriff, den Flugzeugträger HMS „Courageous“. Die wechselvolle Karriere des 22.500 Tonnen großen Schiffs steht für die mäandrierenden Vorstellungen von den Einsatzmöglichkeiten von Großkampfschiffen während und nach dem Ersten Weltkrieg. Unterstützt von Churchill hatte der Erste Seelord (Stabschef der Marine) John Fisher die britischen Ressourcen in die Entwicklung schneller Großkampfschiffe gesteckt. Diese Schlachtkreuzer waren wie Schlachtschiffe bewaffnet, ihnen aber in der Geschwindigkeit – 25 gegenüber 21 Knoten – überlegen. Dieser Vorteil wurde jedoch mit einer deutlichen Reduktion der Panzerung erkauft. Mit schwerwiegenden Folgen: In der Skagerrak-Schlacht 1916 wurden drei dieser Riesen von den Deutschen versenkt.1915 wurde eine Klasse von sogenannten Leichten Schlachtkreuzern in Dienst gestellt. Auch sie waren mit vier 38-Zentimeter-Geschützen ausgerüstet, doch hatte man, um eine Geschwindigkeit von 31 Knoten zu erreichen, die Panzerung noch einmal verringert. Geplant war, die „Courageous“ und ihre Schwesterschiffe „Glorious“ und (die wiederum deutlich veränderte) „Furious“ in der Ostsee einzusetzen, um Russland zur See zu unterstützen. Die Oktoberrevolution der Bolschewiki im Herbst 1917 machte derartiges Kalkül jedoch zur Makulatur.Auf den Konferenzen, mit denen die Großmächte in den 1920er-Jahren ihre Marinerüstung durch Tonnagereduktion zu begrenzen suchten, wurden die Schiffe der „Courageous“-Klasse den Schlachtschiffen zugerechnet. Daher beschloss die Royal Navy, sie zu Flugzeugträgern umzubauen. Die „Courageous“ verlor ihre schweren Artillerie-Türme. Stattdessen erhielt sie ein gepanzertes Flugdeck und 48 Jagdflugzeuge und Torpedo-Bomber. Wiederholte Modernisierungen sorgten dafür, dass das Schiff technisch auf der Höhe der Zeit stand, als England am 3. September 1939, drei Tage nach dem deutschen Angriff auf Polen, dem Dritten Reich den Krieg erklärte.Lesen Sie auchDas Urteil, dass die Royal Navy unvorbereitet in den U-Boot-Krieg eintrat, trifft auch auf die Hitlers Kriegsmarine zu. In der hektischen Wiederaufrüstung in den 1930er-Jahren hatte die Marine ihre Kraft in den Bau von Überwasserschiffen gesteckt und sich in Diskussionen über die richtigen Typen für den U-Boot-Bau verzettelt, statt diesen voranzutreiben. So kam es, dass das Deutsche Reich nur mit 57 frontreifen U-Booten in den Zweiten Weltkrieg eintrat, von denen nur 23 für Operationen im Atlantik infrage kamen. Von den übrigen hatten zehn ihre Ausbildung noch nicht beendet, und 24 kleine Boote waren allenfalls für den küstennahen Einsatz geeignet.Dennoch wollte der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Erich Raeder, der Marine nicht die Schmach seiner Vorgänger im Ersten Weltkrieg zukommen lassen, deren Schlachtflotte die britische Blockade fast ausschließlich in den Häfen erlebt hatte. Daher wurden nicht nur die beiden Panzerschiffe „Admiral Graf Spee“ und „Deutschland“ bereits im August 1939 in den Atlantik geschickt, sondern auch einige U-Boote. Eines von ihnen, U 30, torpedierte am 3. September die britische „Athenia“, von der erst nach der Explosion erkannt wurde, dass es sich um ein unbewaffnetes Passagierschiff handelte. 112 Menschen starben. Am 14. September erzielte U 39 auf dem Flugzeugträger HMS „Ark Royal“ einen Treffer, der allerdings ohne Folgen blieb, weil – was damals erstaunlich häufig vorkam – der Torpedo nicht explodierte (der Träger wurde am 13. November 1941 im Mittelmeer von U 81 versenkt). Wie die „Ark Royal“ wurde auch die „Courageous“ für die U-Boot-Jagd eingesetzt. Allerdings hatte man ihr nur zwei Zerstörer als Begleitschutz zugestanden. Am Abend des 17. Septembers sichtete der Kommandant von U 29, Otto Schuhart, den Verband vor der irischen Küste. Das Boot vom Typ VII A verdrängte unter Wasser 759 Tonnen, hatte eine Reichweite von 10.000 Kilometern und verfügte über fünf Torpedorohren. Mit mehr als 700 Exemplaren in verschiedenen Versionen wurde er zum meistgebauten U-Boot-Typ des Zweiten Weltkriegs.Lesen Sie auchBevor der britische Kommandant William Tofield Makeig-Jones seine Flugzeuge starten konnte, trafen zwei von Schuharts Torpedos die „Courageous“. Nach nur 17 Minuten sank das Schiff, 517 von 1258 Besatzungsmitgliedern starben, die Überlebenden wurden von den Zerstörern und drei zivilen Dampfern gerettet. Mit dem Schiff gingen zwei Staffeln Torpedo-Bomber unter.Dass Schuhart nach seinem Erfolg von der deutschen Propaganda nicht zum strahlenden Helden herausgestellt wurde, spiegelt wohl auch die Wahrnehmung der Zeitgenossen, für die ein Schlachtschiff noch eine wesentlich größere Beute darstellte als ein Träger. Als es U 47 unter dem Kommando von Günther Prien in der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober 1939 gelang, unbemerkt in die britische Flottenbasis Scapa Flow auf den schottischen Orkney-Inseln einzudringen und das Schlachtschiff „Royal Oak“ zu versenken, hatte NS-Propagandaminister Joseph Goebbels seinen idealtypischen Heroen gefunden. Das rettete Schuhart womöglich das Leben. Nach sieben Feindfahrten, auf denen er elf Schiffe mit 62.000 BRT versenkte, wurden er und U 29 in die Ausbildung versetzt, während Prien 1941 im Frühjahr 1941 aus dem Südatlantik nicht zurückkehrte. Schuhart dagegen überlebte im Gegensatz zum Gros der U-Boot-Fahrer den Krieg. Er starb 1990 in Stuttgart.Schon in seiner Geschichts-Promotion beschäftigte sich Berthold Seewald mit Brückenschlägen zwischen antiker Welt und Neuzeit. Als WELT-Redakteur gehörte die Militärgeschichte zu seinem Arbeitsgebiet.