Der frühere Wirecard-Manager Jan Marsalek lebt offenbar unter falscher Identität in Moskau. Das berichten das ZDF-Magazin „frontal“, der Spiegel, der Standard, PBS-Frontline und die Rechercheplattform The Insider nach einer gemeinsamen Recherche. Dabei sind sie nach eigenen Angaben auch an die Handynummer von Marsalek gelangt.
Sie berichten, dass ausgewertete Bilder von Überwachungskameras und Handydaten darauf hindeuteten, dass Marsalek regelmäßig für den russischen Inlandsgeheimdienst FSB arbeitet. Sein Mobiltelefon sei im Jahr 2024 Hunderte Male in der Nähe der FSB-Zentrale in Moskau erfasst worden. Zahlreiche Aufnahmen zeigen Marsalek den Berichten zufolge in Krawatte und Anzug auf dem Weg von einer U-Bahn-Station zur Geheimdienstzentrale. Handydaten legten zudem nahe, dass er regelmäßig in einem Ibis-Hotel in der Moskauer Innenstadt sei. Quellen in Moskau hätten bestätigt, dass Marsalek für den FSB tätig ist.
Marsalek gilt als Hauptverdächtiger im Wirecard-Skandal – dem größten Betrugsfall in der Geschichte der Bundesrepublik. Deutsche Ermittler suchen ihn wegen des Verdachts auf Milliardenbetrug und Spionage. Womöglich baute er schon während seiner Zeit bei Wirecard einen russischen Spionagering in Europa auf, wie Recherchen von SZ und Profil nahelegen. Im Mai wurden in Großbritannien Mitglieder eines Agentenrings verurteilt, dessen Hintermann nach Auffassung des Gerichts in Moskau saß: Jan Marsalek.









