PfadnavigationHomeRegionalesHamburgGeld, Einfluss, UnabhängigkeitDiese Stiftungen finanzieren die Volksinitiative „Hamburg testet Grundeinkommen“Veröffentlicht am 18.09.2025Lesedauer: 5 MinutenVertreter der Volksinitiative „Hamburg testet Grundeinkommen“ feierten das erfolgreiche Volksbegehren - den Schritt vor dem Volksentscheid – auf dem Rathausmarkt.Quelle: picture alliance/dpa/Markus KlemmDer Volksentscheid „Hamburg testet Grundeinkommen“ am 12. Oktober soll ein gesellschaftliches Experiment in der Hansestadt starten. Finanziert wird die Initiative aber nicht in erster Linie von Hamburgern. Es sind wenige große Geldgeber, etwa aus den USA.Die Volksinitiative „Hamburg testet Grundeinkommen“ will ein Modellprojekt starten, das bundes- und wohl auch weltweit beachtet werden wird. Ein bedingungsloses Grundeinkommen für 2000 ausgewählte Hamburgerinnen und Hamburger soll zeigen, wie staatliche Einkommenszahlungen so ausgestaltet sein können, dass sie den größten Nutzen bringen. Unterschiedliche Modelle eines Grundeinkommens sollen gleichzeitig getestet und die Effekte wissenschaftlich beobachtet und verglichen werden.Die Initiatoren machen wenig Hehl daraus, dass Hamburg dabei ein praktisches Vehikel ist. „Volksinitiative, Volksbegehren, jetzt Volksentscheid: Hier passt es einfach!“, heißt es auf der Webseite der Initiative zum Volksentscheid. In der Hansestadt gibt es mit der Möglichkeit mit direktdemokratischen Initiativen unumstößlich Vorhaben durchzusetzen.Lesen Sie auchZudem, so die Initiatoren, sei Hamburg geprägt „von einer lebendigen Zivilgesellschaft, starken sozialen Bewegungen und aktiver Bürgerbeteiligung“. Das biete „ideale Voraussetzungen für eine breite gesellschaftliche Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) und eine hohe Akzeptanz des Modellversuchs“, heißt es auf der Webseite. Und weiter: „Der Stadtstaat ist groß und sozial divers genug, um hier aussagekräftige und übertragbare Erkenntnisse zu gewinnen und hat den Vorteil übersichtlicher Verwaltungsstrukturen, um das Modellprojekt gezielt zu steuern.“Wer den Rechenschaftsbericht liest, erkennt: Die Kampagne wird nicht zu vorderst von einer breiten Hamburger Basis getragen, sondern von wenigen großen Geldgebern – und die sitzen fast alle außerhalb der Stadt, zum Teil sogar außerhalb Europas. Hierüber berichtete zuerst das „Hamburger Tagesjournal“.Die Haleakala-Stiftung ist der größte Unterstützer. Sie überwies 180.000 Euro für die Volksinitiative und weitere 160.000 Euro für das Volksbegehren. Zusammen sind das 340.000 Euro. Gegründet wurde die Stiftung von den Berlinern Paul Grunow und Frauke Eysell. Grunow hat sich als Fotovoltaik-Unternehmer einen Namen gemacht. Die Stiftung, die ihren Sitz in Bochum hat, fördert regelmäßig direktdemokratische Projekte. Auch der zweite Volksentscheid, der am 12. Oktober in Hamburg zur Abstimmung steht – der „Zukunftsentscheid“ – erhielt Geld von Haleakala, allerdings nur 10.000 Euro.Lesen Sie auchDie Eutopia Foundation aus den USA steuerte 40.000 Euro für die Volksinitiative zum Grundeinkommen und 160.000 Euro für das Volksbegehren bei. Hinter Eutopia stehen der deutsch-amerikanische Unternehmer Albert Wenger und seine Frau Gigi Danziger. Wenger ist New Yorker Wagniskapitalgeber, der in Unternehmen wie Twitter, Coinbase oder Duolingo investierte. Eine von Wengers Thesen: Die Arbeitswelt wird sich durch Automatisierung und künstliche Intelligenz so stark verändern, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen notwendig wird. In Hamburg war Wenger zuletzt beim OMR-Festival, sagte dort im Podcast: „Jeder sollte einen Sockel haben, unter den er nicht fallen kann, egal, was man tut.“Die dritte große Geldgeberin für „Hamburg testet Grundeinkommen“ ist die dm-Werner-Stiftung. Sie überwies 140.000 Euro für das Volksbegehren. Ihr Engagement knüpft an die Überzeugungen des 2022 verstorbenen dm-Gründers Götz Werner an, der als einer der bekanntesten Befürworter des Grundeinkommens in Deutschland galt.Insgesamt summieren sich die Großspenden dieser drei Stiftungen auf 680.000 Euro. Unter den in der Rechenschaftslegung ausgewiesenen Großspendern – also Spenden ab 2500 Euro – ist etwa auch der Düsseldorfer Trivago-Gründer Rolf Schrömgens. Er gab 65.000 Euro für das Volksbegehren. Aber es findet sich dort nur ein Hamburger. Die Initiative verweist darauf, dass es daneben zahlreiche Kleinspenden gebe. Wie hoch deren Anteil am Gesamtbudget ist, bleibt offen.Lesen Sie auchRechtlich ist diese Finanzierung unproblematisch. Auch der Zukunftsentscheid hat außerhalb Hamburgs, etwa in Berlin und außerhalb der Bundesrepublik in den Niederlanden finanzielle Unterstützung von Stiftungen und Privatpersonen erhalten. Politisch wirft sie Fragen auf. Welche Erwartungen verbinden die Geldgeber mit ihrer Unterstützung? Und wie stark ist die Hamburger Zivilgesellschaft tatsächlich bereit, ein solches Projekt zu tragen, wenn sich unter den Großspendern kaum lokale Unterstützer finden?Stimmt Hamburg am 12. Oktober mehrheitlich zu und wird die erforderliche Zahl von etwa 265.000 Ja-Stimmen erreicht, tritt der vorgelegte Entwurf zum Grundeinkommen als Gesetz in Kraft und bindet Bürgerschaft und Senat. Die Landesregierung hätte danach bis zu zwei Jahre Zeit, einen Forschungspartner auszuwählen und mit der Umsetzung zu beginnen. Der Modellversuch soll drei Jahre laufen und ab 2027 starten. Geplant sind 2000 Teilnehmende, die einen repräsentativen Querschnitt der Stadtgesellschaft abbilden. Sie leben konzentriert in ein oder zwei Quartieren, um Auswirkungen auf das nachbarschaftliche Zusammenleben sichtbar zu machen. Getestet werden sollen unterschiedliche Modelle: variierende Auszahlungshöhen und verschiedene Rückfinanzierungsvarianten über Steuern. Die Höhe der individuellen Zahlung hinge vom eigenen Einkommen ab; gesichert werden soll in jedem Fall das Existenzminimum.Auch der Hamburger Senat ist gegen das VorhabenDie Gesamtkosten für den Hamburger Haushalt veranschlagt die Initiative mit rund 50 Millionen Euro, davon etwa 42 Millionen für die Auszahlungen und rund acht Millionen für Vorbereitung und begleitende Forschung.Vor allem diese Kosten haben nach eigener Darstellung dazu geführt, dass etwa SPD und Grüne das Ansinnen ablehnen. Die Stellungnahmen der Bürgerschaft zeichnen ein klares Bild: SPD und Grüne empfehlen die Vorlage abzulehnen und verweisen auf geringen Erkenntnisgewinn bei nennenswerten Haushaltsrisiken; die CDU warnt vor einem teuren „Gießkannen“-Experiment und ruft ausdrücklich zum Nein auf; Zustimmung kommt allein von der Linksfraktion, die den Versuch als sozialpolitisch sinnvollen Praxistest einordnet; die AfD kritisiert den Vorstoß ebenfalls. Auch der Hamburger Senat ist gegen das Vorhaben. Einen ersten Versuch der Volksinitiative, in Hamburg unterschiedliche Grundeinkommensmodelle zu testen, brachte der Senat sogar vor Gericht. Die Richterinnen und Richter des Hamburgischen Verfassungsgerichts erklärten 2023 den damaligen Gesetzentwurf der Initiative für unzulässig, weil er unklar formuliert und in Teilen widersprüchlich war. Vor allem fehlten präzise Angaben zu Finanzierung, Teilnehmerauswahl und wissenschaftlicher Begleitung. Grundsätzlich stellte das Gericht aber fest, dass ein Modellversuch zum Grundeinkommen in die Kompetenz des Landes falle. Die Initiatoren nutzten diese Öffnung: Für den zweiten Anlauf überarbeiteten sie den Entwurf ihres Gesetzestextes vollständig. Der Text enthält nun eine klare Kostengrenze, detaillierte Vorgaben zur Durchführung und eine verpflichtende Evaluation. Auch der Weg durch die direkte Demokratie wurde diesmal formal sauber beschritten – von der neuen Volksinitiative über das Volksbegehren mit mehr als 95.000 gültigen Unterschriften bis hin zum Volksentscheid am 12. Oktober.
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Der Volksentscheid „Hamburg testet Grundeinkommen“ am 12. Oktober soll ein gesellschaftliches Experiment in der Hansestadt starten. Finanziert wird die Initiative aber nicht in erster Linie von Hamburgern. Es sind wenige große Geldgeber, etwa aus den USA.






