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as anonyme Flugblatt schrieb ein Stück bundesdeutscher Geschichte, und kein gutes. 1977 kommentierte ein „Göttinger Mescalero“ die Ermordung des Generalbundesanwaltes Siegfried Buback durch die linksextremistische Terrorgruppe RAF mit dem Satz, er könne „eine klammheimliche Freude nicht verhehlen“ über „den Abschuß von Buback“. Zwar sprach er sich dann gegen politische Morde aus, doch das widerliche Zitat wurde zu einem Synonym für die Verrohung des Geistes in polarisierten Zeiten. Man fühlt sich, nach dem Mord an Charlie Kirk in den USA, daran erinnert angesichts vieler Reaktionen vor allem im Internet, das sich in solchen Fällen einmal mehr in eine verbale Jauchegrube verwandelt.

Von rechts kommen wüste Rachegelüste gegen Demokraten und Linke, die mit dem Verbrechen gar nichts zu tun haben. Und links geben sich auch hierzulande manche wenig Mühe, ihre Version der klammheimlichen Freude zu verhehlen angesichts des gewaltsamen Todes des rechtskonservativen Aktivisten. Sogar ein Mitarbeiter von Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek beteiligte sich mit einem niederträchtigen Post. Es gibt viele gute Gründe, Charlie Kirks extreme politische Positionen abzulehnen. Aber wohin geraten demokratische Gesellschaften, wenn nicht einmal ein politischer Mord all die Kulturkämpfer auf beiden Seiten zur Besinnung bringt?