Er ist 92 Jahre alt und immer noch für eine Überraschung gut: der italienische Künstler Michelangeo Pistoletto. Der als „Mann mit den Spiegeln“ bekannte Maler, Aktions- und Objektkünstler arbeitet mit zeitgenössischer Medientechnik und hat begonnen, Künstliche Intelligenz einzusetzen – mit verblüffend interessanten Ansätzen und brandaktuellen Ergebnissen.

Auf den ersten Blick ähnelt „Girl Photographing a QR Code“ von 2021 noch sehr seinen früheren Werken. Nur dass die auf der Spiegelfläche fixierte Figur ein Smartphone hält, als ob sie ein Selfie machen wolle. Doch statt in ihr Selbstbildnis blickt sie in einen QR-Code. Eine Kritik an der Bilderflut unserer Zeit? Wer den Code scannt, gelangt in das Metaverse von Michelangelo Pistoletto und begleitet ihn auf einem Rundgang durch seine Ausstellung.

Bei einem weiteren, etwas später entstandenen Werk montierte er in einen Schnappschuss seines eigenen Porträts Tattoos mit zwölf QR-Codes, die, wie er selbst sagt, „prägende Momente meines Lebens widerspiegeln und so meine Erinnerung an mich selbst in der Raum-Zeit des Spiegelbildes erweitern“.

Selbst bei Abbildungen funktioniert das Einlesen des QR-Codes: Im Werk A aus der Serie „Michelangelo Pistoletto & AI“ geht es um Autorenschaft und Authentizität.