PfadnavigationHomeRegionalesHamburgSeniorenticket, Stau und ParkplätzeParteien ringen um Hamburgs verkehrspolitischen KursVeröffentlicht am 10.09.2025Lesedauer: 5 MinutenDer Verkehr fließt in Hamburg oft nur langsam - Baustellen sind dafür aber nur ein GrundQuelle: Christian Charisius/dpaIn der Hamburgischen Bürgerschaft wurde über Verkehrspolitik gestritten. Im Fokus standen das Seniorenticket, Parkplätze, Baustellen und die Frage, wie die Stadt mit begrenztem Verkehrsraum umgehen soll. Der grüne Verkehrssenator fehlte – aus einem speziellen Grund.Die Verkehrspolitik in Hamburg sorgt seit Jahren für hitzige Debatten – und auch nach der Sommerpause bleibt sie ein dominierendes Thema in der Bürgerschaft. Auf Antrag der CDU wurde in der ersten Sitzung nach den Hamburger Ferien am Mittwoch erneut über die Zukunft der Mobilität in der Hansestadt gestritten. Im Zentrum der Diskussion: das bislang nicht eingeführte vergünstigte Seniorenticket, der Umgang mit Parkraum und die Frage, wie Hamburg dem täglichen Stau begegnen soll.CDU-Fraktionschef Dennis Thering eröffnete die Debatte mit scharfer Kritik an der rot-grünen Koalition. Auch nach der Bürgerschaftswahl im März dauere das „rot-grüne Weiter-so“ an. Er forderte den Bau von Quartiersgaragen als Ausgleich für wegfallende Parkplätze und ein Deutschlandticket für Senioren. Das im Wahlkampf versprochene vergünstigte Ticket sei bis heute nicht umgesetzt worden – ein „respektloser Umgang mit älteren Menschen“, so Thering. Für die CDU sei Mobilität im Alter keine Wohltat, sondern ein Ausdruck von Teilhabe und Würde.Lesen Sie auchNeben dem Ticket forderte Thering einen grundsätzlichen Kurswechsel in der Verkehrspolitik: Schluss mit dem „Staukurs“, Schluss mit dem „ideologischen Parkplatzabbau“. Die CDU plädiert für eine verkehrspolitische Strategie, die auch den Autoverkehr berücksichtige und nicht einseitig auf Einschränkungen setze.Für die SPD verteidigte Ole Thorben Buschhüter die Verkehrspolitik des Senats und warf der CDU vor, weiterhin „im Wahlkampfmodus“ zu agieren. Die rot-grüne Koalition habe eine klare Agenda und setze diese um – auch beim Seniorenticket. Zwar sei das Ticket bisher nicht eingeführt, doch Buschhüter versicherte, dass es komme. Derzeit werde die konkrete Ausgestaltung berechnet, inklusive Preis und Haushaltsbelastung.Buschhüter verwies zudem auf das Parkraummoratorium, das als Prüfverfahren für Straßenbauprojekte eingeführt wurde. Dadurch seien bereits über 400 Parkplätze erhalten worden. Der Verlust weiterer Stellplätze sei laut SPD „aus guten Gründen“ erfolgt – etwa für breitere Gehwege, Bushaltestellen oder mehr Straßenbegleitgrün.Lesen Sie auchAuch beim Thema Stau widersprach Buschhüter der CDU: Der Zeitverlust im Stau sei zuletzt sogar gesunken – trotz wachsendem Verkehrsaufkommen. „Hamburg ist bundesweit Vorreiter mit digitaler Verkehrslenkung“, sagte Buschhüter. Aber klar sei auch, man könne dadurch nicht mehr Raum auf den Straßen schaffen. Es müsse daher mehr auf Alternativen zum Auto gesetzt werden. „Wir machen den Verkehr nicht besser mit mehr Autoverkehr, sondern nur mit weniger.“Buschhüter erwähnte auch, dass Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) während der Debatte nicht anwesend sei – aus einem für ihn auf den ersten Blick untypischen Grund: Er befinde sich auf der Internationalen Automobilausstellung in München. „So weit geht seine Liebe zum Auto“, kommentierte Buschhüter augenzwinkernd. Tjarks, der selbst meist mit dem Fahrrad oder der S-Bahn unterwegs ist, gilt seinen Kritikern als Autogegner – für die SPD hingegen steht er offenbar für eine moderne und technologieoffene Verkehrspolitik.Grünen-Verkehrsexpertin Rosa Domm warf der CDU vor, seit Jahren „dieselben Märchen“ zu erzählen – etwa, dass mehr Fahrspuren zu weniger Stau und mehr Parkplätze zu höherer Wohnqualität führten. Das Gegenteil sei der Fall: Nur die Mobilitätswende mit weniger Autos und mehr Umweltverbund – also Fuß-, Rad- und Nahverkehr – könne Hamburgs Verkehrsprobleme lösen.Lesen Sie auchDomm betonte, dass der öffentliche Raum begrenzt sei und Zielkonflikte unausweichlich seien. Wer gleichzeitig mehr Parkplätze, mehr Bäume und mehr Radwege fordere, ignoriere die physische Realität zwischen zwei Häuserwänden „Sie wünschen sich immer alles auf einmal und alles für alle. Aber das funktioniert in einem Verkehrsraum, der begrenzt ist, am Ende nicht“, sagte Domm.Heike Sudmann von der Linksfraktion kritisierte die CDU für ihre aus ihrer Sicht rückwärtsgewandte Verkehrspolitik. Die Forderungen nach mehr Parkplätzen und weniger Stau erinnerten sie an die 1980er Jahre – und seien angesichts von Klimakrise und Verkehrswende nicht mehr zeitgemäß.Zudem kritisierte sie, dass die CDU sich als Kämpfer für die Autofahrer darstellt, die auf das Auto angewiesen sein. Sudmann hält das für ein vorgeschobenes Argument. „Wenn nur die Menschen Autofahren würden, die wirklich darauf angewiesen sind – etwa für Schichtarbeit oder im Hafen – hätten wir weder einen Stau noch ein Parkplatzproblem“, so die Linken-Chefin.Lesen Sie auchAllein von der AfD gab es in der Debatte Zustimmung für die Kritik der CDU. Fraktionschef Dirk Nockemann bezeichnete die Verkehrspolitik des Senats als „gezielte Behinderung“ des motorisierten Individualverkehrs. Die Stadt sei „übersät von Baustellen“, Spuren würden reduziert, Parkplätze gestrichen – all das führe zu einem „Stauchaos“, das nicht nur Autofahrer, sondern auch Gewerbetreibende und Handwerker treffe.Nockemann warnte vor den wirtschaftlichen Folgen: Viele Betriebe nähmen keine Aufträge mehr in der Innenstadt an, weil die Zufahrt zu kompliziert und das Parken zu teuer sei. Auch der Einzelhandel in der City leide unter sinkender Erreichbarkeit „Jeder vernichtete Parkplatz ist ein Sargnagel in unserem städtischen Einzelhandel“, sagte Nockemann. Die AfD sehe in der aktuellen Verkehrspolitik eine ideologisch motivierte Einschränkung der Mobilität, erklärte Nockemann. Seine Fraktion fordere eine Rückkehr zu einer „bürgerfreundlichen Verkehrsführung“.Die Bürgerschaftsdebatte hat gezeigt, dass die verkehrspolitischen Vorstellungen der Fraktionen weiterhin deutlich auseinandergehen. Mit dem angekündigten Masterplan Parken, der geplanten Einführung des Seniorentickets und der laufenden Diskussion um die Nutzung des öffentlichen Raums stehen in den kommenden Monaten mehrere Entscheidungen an, die die Richtung der Hamburger Verkehrspolitik maßgeblich beeinflussen dürften.