PfadnavigationHomePanoramaKriminalität in SchwedenDie 15-Jährige konnte wählen, ob sie auf die Tür oder den Kopf des Opfers zielt. Sie wählte den KopfVeröffentlicht am 10.09.2025Lesedauer: 4 MinutenGegen 280 Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren wurden 2024 in Schweden Verfahren wegen Mordes, Totschlags oder anderer Gewaltverbrechen eingeleitetQuelle: Stefan Jerrevong/TT/picture allianceIn Schweden rekrutieren kriminelle Banden zunehmend Teenagerinnen für brutale Taten bis hin zu Auftragsmorden. Mädchen müssen Härte und Entschlossenheit beweisen, um sich in der Szene zu behaupten. Die Staatsanwaltschaft schildert erschütternde Details.Schwedens Regierung zieht die Reißleine: In der Zeitung „Expressen“ kündigte die Koalition in dieser Woche an, wegen des zunehmenden Anheuerns von Kindern für Morde und Bombenanschläge das Strafmündigkeitsalter für solche Taten auf 13 abzusenken. Auch junge Mädchen lassen sich in Schweden immer öfter vom organisierten Verbrechen anwerben – für Taten bis hin zu Auftragsmorden. Sie wollen in puncto Brutalität und Skrupellosigkeit mit ihren männlichen Altersgenossen mithalten.Dafür müssen sie „zeigen, dass sie sogar noch entschlossener und härter sind“ als Jungen, sagt die Stockholmer Staatsanwältin Ida Arnell. Die Strafverfolgungsbehörden hatten solche Taten junger Mädchen lange nicht auf dem Schirm.Gegen etwa 280 Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren wurden im vergangenen Jahr in Schweden Ermittlungsverfahren wegen Mordes, Totschlags oder anderer Gewaltverbrechen eingeleitet. Welche dieser Taten mit dem organisierten Verbrechen im Zusammenhang stehen, ist nicht bekannt.Lesen Sie auchDas Land ist seit Jahren mit ausufernder Bandenkriminalität konfrontiert: Die Gangs, die großteils aus jungen Männern mit Migrationshintergrund bestehen, kämpfen um die Kontrolle des Drogenmarktes, sie liefern sich Schießereien und verüben Anschläge mit selbst gebauten Sprengsätzen.In Schweden fokussiert sich die Debatte vor allem auf die Folgen von gescheiterte Integration. Ministerpräsident Ulf Kristersson hatte bei einer Rede zur Lage der Nation im Spätsommer 2024 erklärt: „Eine verantwortungslose Einwanderungspolitik und eine gescheiterte Integration haben uns hierhergeführt.“ Ausgrenzung und Parallelgesellschaften böten den Nährboden für kriminelle Banden. „Dort können sie rücksichtslos Kinder anwerben und künftige Mörder ausbilden“, sagte der Regierungschef damals.Lesen Sie auchHeute bezeichnet die Regierung in Stockholm das organisierte Verbrechen als „systemische Bedrohung“. Es soll sogar das Sozialsystem, die Lokalpolitik sowie das Justiz- und Bildungssystem und Jugendknäste unterlaufen haben.Schusswaffenangriffe und Bombenanschläge sind in dem skandinavischen Land mittlerweile ein nahezu tägliches Phänomen. Weil die Strafmündigkeit in Schweden mit 15 Jahren beginnt, heuern die Banden oftmals Heranwachsende an, insbesondere über verschlüsselte Websites. „Generell sind die jungen Kinder in diesen Chats auf Blut aus“, sagt Arnell – und das unabhängig von ihrem Geschlecht.Geplant werden die brutalen Taten laut Polizei zunehmend aus dem Ausland. Um auf Gegner zu schießen, sie zu verprügeln oder Bombenanschläge zu verüben, werden oftmals Fremde rekrutiert – Jungen und Mädchen.Mädchen zwischen Täter- und Opferrolle„Mädchen werden oft als Opfer dargestellt“, sagte der schwedische Justizminister Gunnar Strömmer im April. „Aber ihre Beteiligung an kriminellen Kreisen ist viel verbreiteter, als wir lange angenommen haben.“Strömmer gab damals zu, dass das Problem nicht ausreichend untersucht werde. „Vorgefasste Auffassungen von der Rolle von Frauen und Mädchen im Verbrechen bergen das Risiko, dass diese weder als Kriminelle noch als Menschen gesehen werden, die Hilfe brauchen.“Lesen Sie auchSchwedens Nationaler Rat für Verbrechensvorbeugung arbeitet derzeit an einer eingehenden Studie zur Art der Verbrechen, die von Frauen und Mädchen begangen werden, sowie zu der Gewalt, der sie andererseits ausgesetzt sind. Die Schlussfolgerungen sollen im Oktober veröffentlicht werden.KSAN, der Dachverband von Organisationen, die sich mit Drogen- und Alkoholmissbrauch von Frauen und deren Folgen befassen, erklärte in einem im März veröffentlichten Bericht, Mädchen könnten „eine treibende Kraft sein und kriminelle Aktivitäten erleichtern“. Zugleich seien sie oft „selbst Opfer und zutiefst gefährdet“.Drogen, Trauma und GewaltCo-Autorin Maria Ljuslin führte aus: „Eine große Mehrheit von ihnen hat ein Drogensucht-Problem und irgendeine Form eines unbehandelten Traumas.“ Zwei Drittel der Mädchen, die Vergehen im Zusammenhang mit Drogenkriminalität verübten, seien zugleich Opfer von sexueller Gewalt, hieß es in dem Bericht.Natalie Klockars ist das Kind einer drogenabhängigen Mutter und eines Vaters, fing mit 19 als Drogendealerin an. Als Frau war es für sie leicht, einen riesigen wohlhabenden Kundenstamm aufzubauen, den sie mit von ihr angeheuerten Mädchen mit Drogen versorgte. „Die Leute haben mir vertraut. Niemand hat mich verdächtigt“, sagt die 28-Jährige in einem Gespräch mit AFP in einem Park im Zentrum von Stockholm. Nach einem Überfall von Rivalen ist sie nach eigenen Angaben mittlerweile aus dem Drogengeschäft ausgestiegen.Doch die Gewalt in der kriminellen Szene schreckt junge Frauen und Mädchen nicht unbedingt ab. Staatsanwältin Arnell berichtet vom Fall eines Mädchens, das für einen Anschlag angeheuert wurde. Die 15-Jährige habe wählen können, ob sie auf die Tür des Anschlagsopfers zielt oder auf dessen Kopf.„Sie wählte den Kopf“, sagt Arnell. Die 15-Jährige wurde mit einem 17-jährigen Jungen festgenommen, der schließlich den Abzug betätigte. Das Opfer trug lebensgefährliche Schusswunden an Hals, Bauch und Beinen davon.AFP/ceb
Schweden: Die 15-Jährige konnte wählen, ob sie auf die Tür oder den Kopf des Opfers zielt. Sie wählte den Kopf - WELT
In Schweden rekrutieren kriminelle Banden zunehmend Teenagerinnen für brutale Taten bis hin zu Auftragsmorden. Mädchen müssen Härte und Entschlossenheit beweisen, um sich in der Szene zu behaupten. Die Staatsanwaltschaft schildert erschütternde Details.






