PfadnavigationHomeICONISTModeZwischen Hype und KontinuitätDas Comeback von Oasis ist auch ein modisches EreignisVon Jochen OverbeckVeröffentlicht am 17.09.2025Lesedauer: 3 MinutenSneaker für Liam: Der Oasis-Sänger mit seinem Adidas-ModellQuelle: Oasis Collaboration AdidasDie Reunion der Gallagher-Brüder ist mehr als ein musikalisches Comeback: Von Adidas bis Paul Smith spannt Oasis ein Netz an Kooperationen – und bringt nicht nur die Britpop-Ausgehuniform zurück. Eine Zusammenarbeit fällt dabei besonders auf.Die Reunion-Tour der Britpop-Band Oasis hat Liam und Noel Gallagher zu größeren Stars gemacht, als sie es in ihren besten Zeiten in den 1990er-Jahren jemals waren. Die Euphorie um das Comeback der Brüder aus Manchester fand in der Modewelt einen dankbaren Resonanzraum – beginnend mit der Werbekampagne von Stone Island im Herbst 2024, für die Liam modelte. Inzwischen haben Oasis ein Netz an Kooperationen gespannt, das von Global Playern wie Adidas und Levi’s bis zu kleineren Streetwear-Marken wie Represent reicht.Diese Liaison zwischen Musik und Mode ist keineswegs neu: So erhielten die US-Rapper RUN DMC 1986 nach ihrem Song „My Adidas“ einen Werbedeal über damals astronomische 1,6 Millionen Dollar. Im Gegenzug machte die Band den Sneaker „Superstar“ zum Symbol der Hip-Hop-Kultur, ein Bild, das Adidas mit Sondereditionen später immer wieder aktualisierte. Dass Popstars nicht nur in und mit Marken posieren, sondern ihre Ästhetik direkt in Produkte übersetzen, führten Rihanna und Drake vor: die eine durch ihre Zusammenarbeit mit Puma, der andere mit eigenen Nike-Kollektionen. Auch die virtuelle Comic-Band Gorillaz brachte ihr ästhetisches Konzept in Kooperationen mit Converse und Fred Perry ein.Lesen Sie auchDie Zusammenarbeit von Oasis mit Adidas Originals ist naheliegend: Die Shirts mit den drei Streifen waren neben britischen Marken wie Fred Perry, Merc oder Ben Sherman schon in den 1990er-Jahren prägende Elemente der Britpop-Ausgehuniform. Bei den Turnschuhen hätte man vielleicht einen Rückgriff auf die Klassiker „Samba“ oder „Rekord“ erwartet, veröffentlicht wurde aber eine Noel-Variante des „Marathon SPZL“, während man Liam mit dem Modell „Achille SPZL“ paarte.Überraschender wird es, wenn der Blick auf zwei andere Marken fällt: Das Streetwearlabel Represent, 2011 in Manchester gegründet, wurde durch limitierte Drops und Social-Media-Hypes groß. Auf den Teilen der Kapselkollektion „Live Forever“ verbindet die Brand das Logo und Fotografien der Brüder auf verwaschen wirkenden Shirts und Hoodies mit der eigenen Bildsprache. Eine Win-win-Situation: Represent öffnet sich für ältere Fans, während Oasis Zugang zur Streetwear-Kultur der Gen Z erhalten. Ganz anders der Ansatz bei Paul Smith. Während Represent die Jugend anspricht, zielt Paul Smith auf die Generation der 40- bis 50-Jährigen, die mit Oasis erwachsen wurde. Hier geht es weniger um Hype als um Kontinuität: Die Band wird als Teil des kulturellen Erbes in die britische Modegeschichte eingemeißelt. Das Design wirkt mit Abbildungen von Backstage-Bändern, Effektgeräten sowie einer Streifen-Version des Logos indes etwas hüftsteif.Das ist nicht alles. Oasis hat sein Logo auch an H&M lizenziert. Liam tat sich zudem mit Clarks zusammen, Noel mit dem tschechischen Sneaker-Hersteller Novesta. Und dann ist da noch ein Teil, an dem Oasis zur Abwechslung nichts verdienten. Die Band stellte ihr Logo dem Bohemian FC aus Dublin für ein limitiertes Charity-Trikot zur Verfügung. Das Blau weckt Erinnerungen an die frühen Shirts der Mancunians, im Promo-Video sehen wir die Britpop-Ikone Paul Weller als Kugelausgeber in einem Billardsalon, im Hintergrund läuft das Akustik-Stück „Married With Children“, das 1994 das Oasis-Debüt „Definitely Maybe“ passgenau beendete. Selten klang Helfen so schön.