PfadnavigationHomeSportMassenstürze beim Riderman„Dann hörte ich die Räder ineinander knallen und flog durch die Luft“Von Luca WiecekRedakteur im Sport-KompetenzzentrumVeröffentlicht am 10.09.2025Lesedauer: 4 MinutenRund 50 Rettungsfahrzeuge waren nach dem Massensturz nahe Bad Dürrheim im EinsatzQuelle: Andreas Maier/dpaNach dem Massensturz bei einem Radrennen in Baden-Württemberg werden neue Details bekannt. Die Fahrer seien mit über 70 km/h unterwegs gewesen, die Zahl der Verletzten steigt auf rund 100. Teilnehmer schildern schlimme Szenen.Etwa in der Mitte reißt das Feld ab. Die Fahrer fallen entweder übereinander auf die Straße oder auf den Grasstreifen links neben der Fahrbahn – „wie im Dominoeffekt“ beschreiben es Teilnehmer später. „Das sind die Bilder, die wir nicht sehen wollen“, ordnet der Kommentator sofort im Livestream ein: „Wir hoffen, dass da nicht allzu viel passiert ist.“Seine Hoffnung bleibt unerfüllt. Bei dem Massensturz im Jedermann-Radrennen Riderman werden laut aktualisierten Angaben der Polizei am Montagmittag rund 100 Teilnehmer verletzt, 38 von ihnen schwer. Zunächst war von 30 Schwerverletzten die Rede. Die beste Nachricht des Tages: Niemand schwebt in Lebensgefahr. Insgesamt zähle die Polizei zudem knapp 60 bis 70 Leichtverletzte, so die aktualisierte Bilanz. In einer Pressemitteilung des Veranstalters vom Sonntag ist von 38 Personen die Rede, die ins Krankenhaus gebracht wurden – „davon erlitten 20 mittelschwere und 18 leichte Verletzungen“.Laut Polizei kam es in einer Linkskurve zu einem ersten Massensturz, weil sich dort zu viele Fahrer zur gleichen Zeit auf der schmalen Fahrbahn drängten. Dies habe unkontrollierte Stürze ausgelöst. „Eine große Anzahl der Radrennfahrer stürzte hierbei ineinander auf die Fahrbahn“, hieß es in einer Mitteilung der Polizei. Danach kam es zu einem Stau unter den Fahrern unweit der ersten Sturzstelle, wieder seien zahlreiche Teilnehmer gestürzt. Zum ersten Sturz kam es unmittelbar nach der Unterführung unter einer Autobahnbrücke der A 864 zwischen Bad Dürrheim und Biesingen (Baden-Württemberg). Auf der abschüssigen Strecke wurde zügig und schnell gefahren. Organisator und Rennleiter Rik Sauser sprach davon, dass die Fahrer zum Zeitpunkt des Sturzes etwa mit 70 bis 75 km/h unterwegs gewesen seien.„Um mich rum war Chaos“„Es wurde irgendwo gebremst. Und dann reicht es halt, dass irgendwo einer das Vorderrad überlappt. Es fielen um mich herum nur noch Leute, und ich war der Erste, der sturzfrei durchgefahren ist“, berichtete Teilnehmer Florian Hollander dem SWR. Er blieb unverletzt. „Um mich herum war Chaos, ich konnte mich aufrecht halten, hatte aber einen Platten hinten und konnte nicht mehr weiterfahren“, sagte Hollander.Lesen Sie auchAuch Student Felix Bos war unter den Teilnehmern – und eines der Sturzopfer. Er schilderte „Bild“ seine Eindrücke des schweren Unfalls: „Du hast nur Sekundenbruchteile – also kaum Zeit – diesen einen Gedanken zu fassen: ‚Jetzt kracht es.‘ Dann hörte ich die Räder ineinander knallen und flog durch die Luft. Gleichzeitig kamen die Schreie der anderen.“ Er habe sich großflächige Schürfwunden an Ellbogen, Schulter und Gesäß zugezogen. Lesen Sie auchBeim Rettungsdienst lösten die Stürze einen sogenannten „Massenanfall von Verletzten“ aus, bei dem mit einer großen Anzahl von Patienten zu rechnen ist. Nach Angaben des Veranstalters waren rund 50 Rettungsfahrzeuge und vier Rettungshubschrauber im Einsatz. Laut Bos seien rote, gelbe und grüne Bänder verteilt worden, je nach Schwere der Verletzung. Er habe ein grünes bekommen, „leicht verletzt“ also. Bos sei nach etwa einer Stunde ins Krankenhaus gebracht worden, habe sich neben den Schürfwunden eine Handgelenkprellung zugezogen. „Meine Schmerzen kann ich ertragen. Ich bin froh, dass das für mich so glimpflich ausging und niemand lebensbedrohlich verletzt wurde. Aber da wird es sicherlich einige Leute geben, die jetzt mit Knochenbrüchen flachliegen“, sagte er.Staatsanwaltschaft ermitteltWas den Sturz letztlich genau auslöste, ist noch unklar. Eine Einwirkung von außen auf das Renngeschehen wird laut Polizei ausgeschlossen. Organisator Sauser sei von einem geplatzten Reifen im Feld berichtet worden, bestätigen wollte er diese Angabe aber nicht. Die Staatsanwaltschaft Konstanz hat Ermittlungen aufgenommen, wie ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Man wolle herausfinden, wie es zu den Stürzen gekommen sei. Erst danach werde geprüft, ob ein Vorwurf der Körperverletzung erhoben werden könne oder nicht.Nach den Unfällen wurden alle Rennveranstaltungen vom Veranstalter abgesagt, die laufenden Rennen abgebrochen und beendet. Einen vergleichbaren Unfall gab es nach Angaben des Veranstalters „in der gesamten Geschichte des Riderman bisher noch nie“. Das Sturzrisiko gehöre aber zum Radsport dazu und lasse „sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nicht gänzlich vermeiden“.Der Riderman zählt zu den bekanntesten Jedermann-Radrennen im Süden Deutschlands und lockt jedes Jahr Hunderte Teilnehmer an. Dieses Jahr wird es zum 25. Mal durchgeführt, insgesamt 1079 Fahrer seien gestartet, teilte ein Sprecher des Veranstalters mit. Die von den Stürzen betroffene Tagesetappe habe eine Länge von 90,8 Kilometer gehabt.