PfadnavigationHomePolitikDeutschlandSPD-Spitzenkandidat Krach„Söder stellt Grundfeste dieses Staates infrage. So etwas darf man nicht machen“Veröffentlicht am 07.09.2025Lesedauer: 7 MinutenSteffen Krach, designierter SPD-Spitzenkandidat in Berlin, fordert einen neuen, konstruktiven Stil in der großen Koalition und betont: „Wir sollten alles auf den Tisch legen und ein Gesamtkonzept erarbeiten.“Berlins SPD werde im Wahlkampf auf demokratieverdrossene Bürger zugehen, sagt Spitzenkandidat Krach. Er will die Hauptstadt zum Wirtschaftszentrum machen und verneint, dass Unternehmen Enteignungen fürchten müssen. Söder wirft er vor, die „Solidarität der Bundesländer“ aufkündigen zu wollen.Steffen Krach, 46, ist seit November 2021 Präsident der Region Hannover – eine Art Landrat für den Kreis und die Stadt Hannover. Im kommenden Jahr will der SPD-Politiker Regierender Bürgermeister von Berlin werden, bei der Abgeordnetenhauswahl tritt er als Spitzenkandidat an. In der Bundeshauptstadt war er von 2016 bis 2021 Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in der Senatskanzlei.WELT: Herr Krach, kürzlich haben Sie Ihre Mitarbeiter erstmals seit Ihrer Entscheidung, nach Berlin zu wechseln, zum „offenen Büro“ geladen. Wie war die Stimmung? Sind die Leute sauer, dass Sie gehen, oder freuen die sich eher über Ihren Abschied?Steffen Krach: Nein, weder noch. Wir hatten sehr nette Gespräche, auch über ganz andere Themen, die für die Region wichtig sind. Das ist auch klar, ich habe hier noch eine Aufgabe, und diese nehme ich ernst. Aber ja, es gibt in meiner Partei in Hannover Menschen, die diesen jetzt angekündigten Wechsel ein Jahr vor der Kommunalwahl in Niedersachsen nicht gut finden und das deutlich sagen.WELT: Seit wann wussten Sie, dass die Berliner SPD Sie zu ihrem Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhaus-Wahl im kommenden Jahr machen wollte?Krach: Wir waren schon länger im Kontakt. Schon vor der Sommerpause gab es sehr ernsthafte Gespräche.WELT: Was war Ihr erster Impuls?Krach: Dass ich das machen möchte. Natürlich habe ich erst einmal mit meiner Frau und meiner Familie darüber gesprochen, die das ja mittragen müssen. Aber für mich war es eine Herzensentscheidung.WELT: Fanden Sie es nicht auch etwas gruselig, ausgerechnet von der Berliner SPD angesprochen zu werden – also dem Landesverband, der in Ihrer Partei als besonders irre verrufen ist?Krach: Nein. Ich kenne die Berliner SPD sehr gut – ich war fast 20 Jahre Mitglied. Die Gespräche, die wir geführt haben, waren von Beginn an sehr vertrauensvoll. Da ist nichts nach außen gedrungen, das hat mich beeindruckt und widerlegt den Ruf, den der Landesverband in der medialen Darstellung hat.WELT: Was kann die Berliner SPD von den niedersächsischen Sozialdemokraten lernen?Krach: Geschlossenheit. Unter Stephan Weil als Landesvorsitzendem hat die SPD Niedersachsen eine starke innere Solidarität entwickelt – das war die Basis für ihre Wahlerfolge. Ohne Geschlossenheit ist es nicht glaubwürdig, nach außen von Respekt und Solidarität zu sprechen.WELT: Derzeit liegen die Berliner Sozialdemokraten in der jüngsten Umfrage auf Platz vier – hinter CDU, Linken, Grünen, knapp vor der AfD. Woher nehmen Sie die Chuzpe, angesichts dieser Ausgangslage als Bürgermeister-Kandidat anzutreten?Lesen Sie auchKrach: Als ich 2020 in Hannover für das Amt des Regionspräsidenten kandidiert habe, hieß es auch: aussichtslos. In den Umfragen lag die SPD bei 14 Prozent. Am Ende haben wir haushoch gewonnen. Das wird in Berlin vielleicht noch ein bisschen schwieriger, aber wir haben gute Chancen. Die positiven Rückmeldungen motivieren mich.