Unter den Staatsanwälten in der oberbayerischen Kreisstadt Traunstein finden sich etliche Spezialisten für internationale Ermittlungen gegen Schleuserbanden und organisierte Kriminalität. Diese Ermittler arbeiten besonders intensiv mit der Bundespolizei und der bayerischen Grenzpolizei sowie mit Staatsanwälten im Ausland und mit europäischen Polizei- und Justizbehörden zusammen. Vor einigen Monaten ist ihnen auf diese Weise ein Schlag gegen eine mutmaßliche Schleuserbande gelungen, der nun zu einem aufwendigen Prozess am Traunsteiner Landgericht führt.

Von diesem Dienstag an werden dort vier gebürtige Syrer vor Gericht stehen, die zumindest nach Überzeugung der Staatsanwälte einem internationalen Schleusernetzwerk namens „Al Sarawi“ angehören. Diese Organisation wiederum soll schon seit einer ganzen Weile für einen Großteil aller Schleusungen auf der sogenannten Balkanroute von Syrien bis Deutschland verantwortlich sein. Einen jener vier Angeklagten halten die Staatsanwälte für einen der Anführer von Al-Sarawi in Deutschland. Verhandelt wird in Traunstein nicht nur wegen zahlreicher einzelner Schleusungen von insgesamt mehreren Hundert zahlenden Kunden, sondern auch wegen zweier Todesfälle, wegen versuchten Mords und wegen Anstiftung zu Mord, Raub und Vergewaltigung.