Das Hundsgemeine an der ohnehin häufig sonderbaren Sportart Tennis ist: Man muss auch den letzten Punkt gewinnen. Man kann keinen Vorsprung über die Zeit schaukeln, keine Führung austrudeln lassen, keine letzte Runde überstehen, ohne in den Ringstaub geschickt zu werden. Man muss es selbst vollenden, nichts und niemand hilft dabei. Sogar Iga Swiatek hätte zum Beispiel im Juli das im Finale in Wimbledon noch verlieren können beim Stand von 6:0, 5:0 und 40:30. Ein vergebener Matchball hätte alles wenden können. Sie verwandelte ihn aber und beendete ein spektakulär einseitiges Endspiel nach gerade einmal 57 Minuten 6:0, 6:0.
Die Gegnerin damals hieß Amanda Anisimova. Und die US-Amerikanerin hat nun, sieben Wochen später, vor einer ähnlich kniffligen Aufgabe gestanden im Halbfinale der US Open. Sie hatte sich Matchbälle gegen Naomi Osaka aus Japan erspielt, nur stand es zu diesem Zeitpunkt 6:7 (4), 7:6 (3), 5:3 und 40:15 für sie. Ein spannendes, körperlich wie mental intensives Match also. Und Anisimova vergab bald beide Matchbälle zum Sieg, ehe sie sich auch noch einen Doppelfehler leistete. Jetzt hatte Osaka einen Breakball – und man muss kein Sportpsychologe sein, um zu ahnen, was in solchen Momenten auch den Besten passieren kann: Die Hand beginnt zu zittern, das Feld auf der anderen Seite des Netzes schrumpft zu einem mikroskopisch kleinen Viereck.











