PfadnavigationHomePanorama„Markus Lanz“„Migranten finden das selbst lächerlich“, sagt die IntegrationsbeauftragteVon Dominik LippeRedakteur Nachrichten und GesellschaftVeröffentlicht am 05.09.2025Lesedauer: 4 MinutenGüner Balci bei Markus LanzQuelle: ZDF und Cornelia LehmannDie Neuköllner Integrationsbeauftragte Güner Balci schildert bei „Markus Lanz“, wie Zuwanderung für „männliche Dominanz“ und „handfesten Judenhass“ in Berlin-Neukölln sorgten. Auch am Kölner „Fairness-Abkommen“ äußert sie Kritik.Ihr Buch sei „augenöffnend“ und zugleich eine „Anklage“, urteilte Markus Lanz. Am Donnerstag begrüßte der ZDF-Journalist die Integrationsbeauftragte von Berlin-Neukölln, Güner Balci. In ihrem autobiografischen Sachbuch „Heimatland: Zähne zeigen gegen die Feinde der Demokratie“ schildert die Tochter türkischer Gastarbeiter ihre Kindheit in der Rollbergsiedlung Neuköllns, die ab den 1980er-Jahren zunehmend von zugezogenen arabischen Großfamilien dominiert wurde. Balci berichtete in der Sendung, wie Menschen aus „kollektivistisch organisierten Gesellschaften mit patriarchalen Strukturen“ in die Neuköllner Ortslage eingewandert seien. Aufgrund ihres Duldungsstatus habe ihnen ein „soziales Gefüge“ gefehlt. Kinder seien nicht beschult worden, Eltern hätten nicht gearbeitet. Infolgedessen hätten jene Migranten ihre Traditionen sogar stärker gepflegt und kultiviert, als sie es in ihrem Heimatland getan hätten.Lesen Sie auchIn der öffentlichen Sphäre habe die „männliche Dominanz“ deshalb zugenommen, berichtet Balci. Selbst ihre Mutter sei von Nachbarn „zurechtgewiesen“ worden, ihre Tochter im Auge zu behalten, da sie draußen mit Jungen „abhängt“. „Da habe ich gemerkt, das ist nicht nur der sunnitisch, reaktionäre, türkische Junge in meiner Klasse, der ein bisschen anstrengend ist, sondern das ist auf einmal auch der Nachbar, den ich eigentlich kaum kenne. Und der maßt sich an, meine Mutter anzusprechen.“Neben den patriarchalen Strukturen brächten besagte Zuwanderer eine Kultur mit, in der ein „handfester Judenhass“ herrsche und die Ideen dominierten, dass „Homosexualität des Teufels“ sei und „Gott über den Gesetzen“ stehe. Entschieden wehrte sich Balci jedoch gegen die Vorstellung, dass die Migranten eine „homogene Masse“ bildeten, so wie es oft wahrgenommen werde. Ein Großteil der Einwanderungsgesellschaft habe „sehr selbstverständlich eine freie demokratische Gesellschaft für sich gewählt“, unterstrich die Journalistin. „Das ist die Mehrheit der Menschen, die hier lebt.“Lesen Sie auchMit den hiesigen Migrations- und Integrationsdebatten ging Balci indes hart ins Gericht. Verständnislos blickte sie zum Beispiel auf das „Fairness-Abkommen“ im Kommunalwahlkampf. In Köln hatten sich sieben Parteien – von CDU bis Volt – darauf verständigt, Migranten „nicht für negative gesellschaftliche Entwicklungen“ verantwortlich zu machen. „Migranten selber finden das lächerlich“, beteuerte Balci. „Es ist auch sinnlos, weil natürlich kein normal denkender Mensch da mitgehen kann.“Das „linksgrüne“ Milieu und die Kölner SilvesternachtInsbesondere die „extreme Rechte“ bediene fortlaufend das „Feindbild“ der „schlimmen, bösen Ausländer“, dank denen an jeder Ecke eine „Kölner Silvesternacht“ lauere. Zugleich hatte die Integrationsbeauftragte erst Mitte August im „Stern“ gesagt: „Im linksgrünen Milieu gibt es diesbezüglich eine üble Form der Gleichgültigkeit.“ Lanz richtete das Wort daraufhin an die beisitzende Grünen-Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann, die sich gegen den Vorwurf wehrte. „Das hat mich wirklich schockiert und dementsprechend habe ich reagiert in aller Deutlichkeit und Schärfe“, sagte Haßelmann mit Bezug auf die sexuellen Übergriffe, die in der Silvesternacht 2015 im Bereich des Kölner Doms und des Hauptbahnhofs stattgefunden hatten. Balci relativierte daraufhin ihre Kritik: „Es gibt eine große Bereitschaft, mittlerweile auch diese Probleme anzuerkennen und darüber zu sprechen.“Lesen Sie auchEbenso beanstandete die Integrationsbeauftragte die schwarz-rote Debatte um mögliche Einsparungen bei Sozialleistungen. Die Forderung, das Bürgergeld zu kürzen, sei ein „politischer Reflex“. „Es ist immer die gleiche Debatte, die stattfindet – nur mit einem anderen Wording“, bemängelte Balci. Betroffen seien Milieus, in denen der soziale Aufstieg ohnehin erschwert sei und der Bezug staatlicher Leistungen von den Eltern auf die Kinder vererbt werde. „Ich glaube, dass es sehr, sehr viele Möglichkeiten gibt, das zu ändern, wenn man das politisch möchte.“Als „Investition in die Zukunft“ hob sie die Herstellung von „Bildungsgerechtigkeit“ hervor. Zudem forderte Balci, verstärkt gegen radikale Gruppierungen vorzugehen. Die Behörden müssten die rechtsextremen Grauen Wölfe im Auge behalten, die islamische Bewegung der Muslimbrüderschaft verbieten und die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) einschränken. „Und ich weiß“, äußerte sie besorgt, „dass ich dann morgen wieder in der U8 bin und überlegen muss, ob das OK war, dass ich das hier heute gesagt habe.“