Man kann Maximilian Krah eine gewisse Lust an öffentlichen Auftritten unterstellen. Mal fuhr der AfD-Politiker bei einem Auftritt mit dem Cabrio vor. Mal baute er sich so demonstrativ vor dem Eingang der Messehalle in Halle an der Saale auf, dass die Parteigänger, die zur Wahlkampfveranstaltung hineinwollten, an ihm kaum vorbeikamen, ohne ihm die Hand zu schütteln.

Die Frage am Mittwochmorgen vor dem Staatsschutzsenat des Dresdener Oberlandesgerichts war also: Für welche Art des Auftritts würde sich Krah entscheiden? Das Gericht hatte den früheren Europa- und heutigen Bundestagsabgeordneten als Zeugen geladen in einem für ihn heiklen Prozess. Auf der Anklagebank sitzt schließlich sein ehemaliger Mitarbeiter Jian G. Laut Anklage des Generalbundesanwalts soll G. für die Volksrepublik China spioniert haben, und das schon seit mehr als zwanzig Jahren.

Mehr als 500 Dokumente soll Jian G. gespeichert haben

Die Bundesanwaltschaft wirft G. vor, im Auftrag eines chinesischen Geheimdiensts Interna aus dem Europaparlament gesammelt und weitergeleitet zu haben. Mehr als 500 Dokumente soll er während seiner Zeit im Europäischen Parlament gespeichert haben, wo G. seit September 2019 als akkreditierter parlamentarischer Assistent von Maximilian Krah arbeitete. Mindestens elf dieser Dokumente hatte das Europäische Parlament als „sensitive“, sensibel, eingestuft. Außerdem soll G. in Deutschland chinesische Oppositionelle und Dissidenten ausgespäht haben.