Natürlich wünscht sich ein Profisportler kaum etwas sehnlicher als den perfekten Abschied. Der richtige Zeitpunkt zum Aufhören ist ein Kunst-Stück, das ein Kunst-Werk von Karriere veredelt; oder besudelt, je nachdem. Man glaubt oft, auch wegen zahlreicher Filme zu diesem Thema, dass die beste Variante vor dem Ritt in den Sonnenuntergang ein Triumph sei. So wie es Pete Sampras gelang: Er schlug im US-Open-Finale 2002 noch mal den großen Rivalen Andre Agassi, gegen den er im ersten Grand-Slam-Endspiel seiner Laufbahn zwölf Jahre davor gewonnen hatte, ebenfalls in New York. Sampras absolvierte danach keine Partie mehr, verkündete ein Jahr später seinen Rücktritt und ließ sich bei den US Open als Zuschauer noch mal so richtig feiern.

Niemand möchte als letzten Eindruck eine Abreibung hinterlassen und damit den mitleidig-erleichterten Gedanken der Zuschauer: Gut, dass es vorbei ist.

Venus Williams hat am Dienstag ihr Doppel mit Leylah Fernandez verloren. Genauer: Sie sind vom Platz gefegt worden von Katerina Siniakova (Tschechien) und Taylor Townsend (USA), dem derzeit besten Duo der Welt. 1:6, 2:6 hieß es am Ende; die Partie war noch eindeutiger, als es das Ergebnis vermuten lässt. Erbarmungslos waren die Favoritinnen, so wie Venus Williams oft erbarmungslos mit ihren Gegnerinnen gewesen ist auf ihrem Weg zu 23 Grand-Slam-Titeln: sieben im Einzel, 14 im Doppel, zwei im Mixed. Der schlimmstmögliche Albtraum, sollte man meinen. Aber das Gegenteil war der Fall. 10 000 Leute im Louis Armstrong Stadium verabschiedeten Williams und Fernandez mit stehenden Ovationen.