Wer als Tennisprofi das Arthur Ashe Stadium betritt, muss auf dem Weg zur Umkleide an Fotos früherer Sieger vorbei – und hinter dem Kabineneingang an der Wand schwarz auf weiß lesen, wer die US Open im Einzel bereits gewonnen hat. Taylor Fritz sah also das Porträt von Novak Djokovic, viermaliger Champion, gegen den er bereits zehnmal in seiner Karriere verloren und kein einziges Mal gewonnen hatte. Auf dem Weg zum Platz passierte er dann noch ein weiteres, 1,50 Meter hohes Bild von Djokovic in Aktion. Er bekam also unmissverständlich mitgeteilt, gegen was für einen Großen er würde bestehen müssen.

Nervös war Fritz, was unter anderem daran zu sehen war, dass er sich das Stirnband falsch herum gebunden hatte. Natürlich erschnüffelt Djokovic das. Fritz ist als Nummer vier der Welt mittlerweile selbst ein recht Großer der Branche. Was sagt es also aus, wenn so jemand eine Partie weitgehend dominiert, 13 Breakbälle erspielt und bis zum letzten Aufschlagspiel nur sechs zulässt – und trotzdem 3:6, 5:7, 6:3, 4:6 verliert? Und dazu noch Djokovic mit Verweis auf Müdigkeit andeutet, dass er die Partie gern in drei Sätzen gewonnen hätte? Das Selbstverständnis dahinter lautet wohl: Mag sein, dass der andere der Bessere ist – aber gewinnen tue schon noch ich. Djokovic ist eben nicht nur groß; für viele ist er der Größte der Geschichte. Wer würde sich bei diesem Selbstverständnis für den Favoriten gegen den 38-jährigen Mentalmeister halten?