PfadnavigationHomeWissenschaftMeerestemperaturNordsee zwei Grad Celsius über dem langjährigen Sommer-MittelVeröffentlicht am 03.09.2025Lesedauer: 3 MinutenZum Baden angenehm, doch für marine Ökosysteme ein echtes Problem: wärmeres WasserQuelle: Getty Images/Jorg GreuelDie Nordsee ist so warm wie seit 1969 nicht mehr, wie vorläufige Bundesdaten zeigen. Derweil lässt das Aussetzen einer Meeresströmung vor Panama Forscher rätseln. Die Folgen für das Ökosystem zeigen eindrückliche Bilder.Die durchschnittlichen Temperaturen der oberflächennahen Wasserschichten der Nordsee waren in den Sommermonaten Juni, Juli und August außergewöhnlich hoch. Große Bereiche verzeichneten Oberflächentemperaturen, die zwei Grad und mehr über dem langjährigen Mittel lagen, wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg mitteilte. Demnach wurden in der westlichen und südwestlichen Nordsee bis zum Ärmelkanal großflächig Extremtemperaturen mit bis zu zwei Grad und mehr über dem langjährigen Mittel gemessen. Die Deutsche Bucht und die östliche Nordsee, einschließlich der Gebiete vor Dänemark und Norwegen, waren den Angaben zufolge bis zu 1,3 Grad wärmer als üblich.Die vorläufigen Ergebnisse zeigten, dass die Nordsee im Sommer durchschnittlich etwa 15,7 Grad warm war. Damit wäre 2025 der wärmste Sommer für die Nordsee, knapp vor den Rekordsommern 2003 und 2014, „wenn sich diese Zahlen in den nächsten Tagen bestätigen“, sagte der Leiter des Referats Marine Klimafragen beim BSH. Auf jeden Fall gehöre der Sommer 2025 zu den drei wärmsten seit Beginn der Messungen 1969. Der Sommer 2025 folgte nach Angaben des BSH zudem auf das wärmste Frühjahr.Lesen Sie auchIn der südwestlichen Ostsee, einschließlich der deutschen Gewässer, stieg die Temperatur in den drei Sommermonaten um bis zu 1,5 Grad über das langjährige Mittel von 1997 bis 2021. Im äußersten Norden übertraf sie dieses um mehr als zwei Grad. Dazwischen herrschten gemäßigte Temperaturen, sodass die vorläufigen Auswertungen eine Durchschnittstemperatur von etwa 16,7 Grad zeigen, wie das BSH weiter mitteilte.„Die Ostsee erwärmt sich langfristig schneller als die Nordsee. Unsere Daten belegen das. Seit 1990 ist die Ostsee im Durchschnitt um fast 2 Grad wärmer geworden“, sagte die Leiterin der Abteilung Meereskunde beim BSH, Kerstin Jochumsen. Lesen Sie auchDoch nicht nur die Durchschnittstemperatur steigt, auch Extremereignisse wie marine Hitzewellen häufen sich: Im Frühjahr 2025 beispielsweise verzeichnete die BSH-Messstation „Leuchtturm Kiel“ mit 55 Tagen die längste marine Hitzewelle seit Beginn der Messungen 1989. Langjährige Daten dieser Station zeigen demnach, dass marine Hitzewellen häufiger und länger werden. Sowohl die Anzahl der Hitzewellen als auch die Hitzewellentage pro Jahr nehmen deutlich zu. Bei marinen Hitzewellen gehören die Temperaturen mindestens fünf Tage lang zu den höchsten 10 Prozent der über 30 Jahre gemessenen Werte am betreffenden Ort für die jeweilige Jahreszeit.Meeresströmung vor Panama bleibt erstmals ausAuch aus anderen Regionen der Welt kommen Warnungen über ungewöhnliche Meeresphänomene. Etwa vom Golf von Panama vor der Pazifik-Küste Panamas, an dem eine bedeutende Strömung erstmals seit den Beobachtungen zum Erliegen kam. Jedes Jahr, in den trockenen Monaten Mittelamerikas von Dezember bis April, wirbeln Winde aus dem Norden das Oberflächenwasser auf. So können kühle Strömungen aus der Tiefe aufsteigen und reiche Nährstoffe mit sich bringen. Für die Fischerei vor Ort ist dies ein Segen. Ebenso wie für die dortigen Korallenriffe, die während der heißen Sommermonate von dem kühleren Wasser vor Temperaturschocks geschützt werden.Forscher des Smithsonian Tropical Research Institute (STRI) haben das Phänomen seit 40 Jahren beobachtet. In jedem vorherigen Jahr erschien es zuverlässig zwischen Januar und April. Doch in diesem Jahr 2025 blieb die Umwälzung des Meereswassers erstmals aus. Folglich fiel die Wassertemperatur nicht, wie sonst erwartet, und das lokale Ökosystem erlebte nicht seinen gewöhnlichen Produktivitätsschub während dieser Monate. In einer kürzlich veröffentlichten Studie vermuteten die Wissenschaftler von vom STRI, das veränderte Windmuster hinter dem Ausbleiben stecken könnten. Die Arbeit erschien in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz und erschien in der Fachzeitschrift PNAS.Die Erkenntnis unterstreicht die zunehmende Anfälligkeit tropischer Auftriebssysteme, die trotz ihrer enormen ökologischen und sozioökonomischen Bedeutung nach wie vor nur unzureichend überwacht werden. Sie unterstreicht auch die Dringlichkeit, die Beobachtungs- und Vorhersagemöglichkeiten für das Klima der Ozeane in den tropischen Regionen der Erde zu verbessern.dpa/lpi